Mitmachprojekt in Herrenberg Die Ampel gibt den Takt fürs Lüften vor

Von Florian Dürr 

Die Stadt Herrenberg startet einen „Hackathon“, ein Mitmachprojekt, in dem die Teilnehmer eine CO2-Ampel zusammenbauen. Wie diese funktioniert – und warum die Ampel zur Covid-19-Prävention beitragen soll.

Das Holzkästchen ist eine mobile CO2-Ampel, die bei zu hoher CO2-Konzentration das  Display mit orange-roten Pixeln füllt – dann heißt es Lüften. Foto: factum/Simon Granville
Das Holzkästchen ist eine mobile CO2-Ampel, die bei zu hoher CO2-Konzentration das Display mit orange-roten Pixeln füllt – dann heißt es Lüften. Foto: factum/Simon Granville

Herrenberg - Das Display des kleinen Holzkästchens zeigt orange-rote Pixel in der unteren Reihe, die Darstellung erinnert an den Spiele-Klassiker Tetris. Und ähnlich wie dort sollten auch hier die Pixel nicht das ganze Display ausfüllen. Wo bei Tetris „Game Over“ droht, heißt es beim kleinen Holzkästchen: Höchste Zeit, den Raum gut durchzulüften. Das Kästchen ist eine CO2-Ampel, und wer hinter die Holzverkleidung blickt, sieht im Innern die Technik rund um einen Sensor, der die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft misst. Ist die zu hoch, nämlich über 800 ppm (parts per million, Teile von einer Million), leuchtet das komplette Display in den orange-roten Pixeln.

Konzentration von Aerosolen könne nicht gemessen werden, der CO2-Spiegel schon

Damit taugt die Ampel auch zur Corona-Prävention, denn das Aerosol-Risiko steige in der Luft ähnlich an wie der CO2 -Spiegel, erklärt Jerg Theurer von der EDV-Beraterfirma mhascaro GmbH: „Die Aerosol-Konzentration können wir nicht messen.“ Was bedeutet: Ist die CO2-Konzentration in der Luft zu hoch, muss gelüftet werden – um die Aerosole zu entfernen, Partikel, die kleiner als fünf Mikrometer sind. Denn jene sind laut Bundesgesundheitsministerium eine der häufigsten Übertragungswege des Coronavirus. Ohne Lüften blieben diese lange in der Raumluft stehen.

Eine CO2-Ampel sollen auch die Teilnehmenden des Herrenberger Hackathons zusammenbauen – mit Hilfe von IT-erfahrenen Coachs. „Hackathon“ setzt sich aus „Hacking“ und „Marathon“ zusammen. Hierbei handelt es sich um „eine Online-Veranstaltung, bei der die Teilnehmenden mittels Hard- und Software ein gemeinsames Ziel verfolgen, beziehungsweise ein Problem kollaborativ lösen“, heißt es von der Stadt Herrenberg.

Kostenlose Bausätze für teilnehmende Teams

Ursprünglich sei ein 24-Stunden-Hackathon an einem Ort geplant gewesen, Corona-bedingt findet die Veranstaltung in diesem Jahr jedoch virtuell vom 14. bis 21. November statt. Teilnehmen dürfen Teams mit Menschen jeder Altersgruppe aus dem Raum Herrenberg. Einzige Voraussetzung: „Sich für das Internet der Dinge begeistern und für positive Veränderungen einsetzen“, heißt es.

Jedes Team bekommt einen der 20 kostenlosen Bausätze für eine CO2-Ampel. Auf dem Markt koste ein solcher Bausatz um die 100 Euro. Je überzeugender die Idee eines Teams ist, desto höher sei die Chance auf einen Bausatz. Die Teilnehmenden sollen ihrer Kreativität keine Grenzen setzen: Die Ampel könne auch so programmiert werden, dass bei zu hoher CO2-Konzentration in der Luft das Smartphone vibriert oder eine Pushnachricht mit dem Hinweis „Bitte lüften“ gesendet wird.

Gibt es bald einen Run auf die CO2-Ampeln?

Am 21. November können die Gruppen dann im Rahmen eines Online-Events ihre Ergebnisse live präsentieren. „Und vielleicht gibt es ja danach einen richtigen Run auf die CO2-Ampeln. Dass zum Beispiel eine Technik-Klasse 30 Stück davon baut“, sagt Stefan Kraus, der Leiter des Amts für Technik, Umwelt und Grün in Herrenberg. Damit bald in vielen Klassenzimmern, Büros oder Kantinen genau dann gelüftet wird, wenn es notwendig ist.




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