Wartelisten, verkürzte Öffnungszeiten, größere Gruppen – lange hatten die Esslinger Eltern angesichts der teils schwierigen Situation in den Betreuungseinrichtungen stillgehalten. Erst als die Verwaltung im Herbst ankündigte, die Elternentgelte deutlich anheben zu wollen, regte sich heftiger Widerstand. Dennoch stimmte der Gemeinderat mit großer Mehrheit für höhere Gebühren und neue Einkommensstufen, die seit März in Kraft sind. Vor allem der Ganztag ist seitdem erheblich teurer.
„Ich finde es bedenklich, dass man sich derart über den Willen der Elternschaft hinwegsetzt“, sagt Anita Maticevic. Zumal sich kurze Zeit später herausgestellt habe, dass es im Esslinger Haushalt nicht so düster aussieht wie ursprünglich verbreitet. „Da war mir klar, dass wir aktiv werden müssen“, sagt die Esslingerin, die Mitglied bei Volt Deutschland ist, einer proeuropäischen Bewegung, die in mehreren Ländern auch als Partei registriert ist. „Für mich ist der Inbegriff von Europa, dass man gemeinsam stärker ist und mehr erreichen kann“, sagt die 39-Jährige. Diese Idee möchte die gebürtige Esslingerin mit kroatischen Wurzeln jetzt auch in die hiesige Lokalpolitik einbringen. Bei der Kommunalwahl 2024 plant die Mutter von zwei Kindern, elf und sechs Jahre alt, als Kandidatin anzutreten.
Anita Maticevic will sich in der Kommunalpolitik vor allem für eine bessere Betreuung und bezahlbare Kitas engagieren. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt die selbstständige Unternehmerin, die in ihrem Betrieb für Zahnarztabrechnungen vier Mitarbeiterinnen beschäftigt. Sie hält die Entwicklung in Esslingen für falsch. „Die Gebühren sind so hoch, dass es sich für manche Frauen, vor allem in den unteren Lohngruppen, nicht rechnet, ins Arbeitsleben zurückzukehren“, kritisiert sie. Die Entgeltgruppen würden aber auch Familien mit mittleren Einkommen vor Herausforderungen stellen. Die Kitagebühren müssten dringend runter, auch sollten Interessenvertreter wie der Gesamtelternbeirat mehr gehört werden.
Kommunalpolitik aus Familienperspektive sehen
Die hohen Betreuungskosten könnten sich angesichts weiter steigender Miet-und Immobilienpreise zu einem echten Nachteil für Esslingen entwickeln, zumal andere Städte teilweise deutlich weniger verlangen würden. „Den Fachkräftemangel bekämpfen wir nicht, indem wir die Standort-Attraktivität durch weitere hohe Kosten für Kita-Gebühren verschlechtern“, sagt Maticevic, „wir kennen Familien, die Esslingen verlassen haben oder werden, weil die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu anderen Städten nicht mehr attraktiv sind“. Im Gemeinderat möchte sie die Interessen von Eltern vertreten und deren Perspektive bei den unterschiedlichsten Themen einfließen lassen. „Gerade in der Lokalpolitik wird viel von dem entschieden, was die Familien unmittelbar betrifft“, sagt sie.
Traineeprogramm für politische Talente
Sie sei ein politisch interessierter Mensch. Erfahrungen mit einem Mandat hat Anita Maticevic allerdings noch nicht. „Ich bin absolute Quereinsteigerin“, räumt sie ein, aber das müsse einen ja nicht abhalten, sich zu engagieren. Sie wird dennoch nicht unvorbereitet antreten. Denn die 39-Jährige ist Mitglied des 15-köpfigen „Team Europa“, ein Projekt, das die Bundesvorsitzende von Volt, Rebekka Müller, gegründet hat. Es wird von dem Start-up Join Politics unterstützt. In einer Art Traineeprogramm werden die Teilnehmer fit gemacht für den Wahlkampf.
Wahlkampf mit Kinderbetreuung
Einige Mitstreiter, die sie bei der Kommunalwahl unterstützen, hat Anita Maticevic bereits gefunden. Sie sucht noch weitere, die entweder auf ihrer Liste für die Kommunalwahl antreten wollen, oder welche, die eher im Hintergrund mit Ideen oder Fachwissen mithelfen. „Keiner muss deshalb Parteimitglied werden“, betont sie.
Unterstützt wird die Kampagne von Volt Baden-Württemberg, inhaltlich sei man aber unabhängig. Besonders Frauen möchte sie mobilisieren, gerade auch Mütter mit kleinen Kindern. „Es wird bei unseren Treffen Kinderbetreuung geben“, verspricht sie, selbstverständlich seien auch Väter willkommen.
Wer Interesse hat, kann sich melden unter: volt.link/bezahlbarebetreuungjetzt.