Mittelalter-Rock über den Dächern der Altstadt Saltatio Mortis rockt auf der Esslinger Burg

Die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis versteht es, ihre Fans zu begeistern – und das Publikum ging auf der Esslinger Burg begeistert mit. Foto: Roberto Bulgri/n

Auf der Esslinger Burg geht es wieder rund. Zum Auftakt des sommerlichen Musik- und Film-Marathons bescherte die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis, die auf ihrer Burgentour Station machte, rund 4000 begeisterten Fans einen fulminanten Abend.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Der sommerliche Kulturmarathon auf der Esslinger Burg ist eröffnet, und wenn die kommenden Tage auch nur halbwegs halten, was der erste Abend versprach, darf sich das Publikum auf unterhaltsame Zeiten mit drei Konzerten und einem Open-Air-Filmfestival freuen. Zum Auftakt gab sich die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis die Ehre. Und schon lange vor Konzertbeginn reichte die Schlange derer, die auf den Einlass warteten, bis weit über den Äußeren Burgplatz hinaus. Am Ende wurden rund 4000 begeisterte Fans gezählt, die trotz eines musikalischen Powerplays genau wie die Musiker bis zum letzten Akkord keinerlei Konditionsprobleme zeigten.

 

Esslingen ist der Hammer“

Es war ein buntes Völkchen, das teils von weither gekommen war, um die wilden Kerle von Saltatio Mortis – zu deutsch: Totentanz – zu erleben: Männer in Schottenröcken, Frauen in fantasievollen Gewändern, wilde Piraten und dazwischen ein paar punkig angehauchte Fans – jeder zeigte das eigene Lebensgefühl auf seine Weise. Bei alledem erwies sich das Publikum als bemerkenswert textsicher, jeder Song wurde zelebriert: Arme reckten sich gen Himmel, ausgelassen wurde getanzt, glückselige Blicke bewiesen, dass die Band mit ihren Songs ins Schwarze trifft. Und Frontmann Jörg Roth sparte nicht mit Lob für den Veranstaltungsort – und für seine Zuhörer: „Wir sind weit herumgekommen, aber Esslingen ist der Hammer. Könnt Ihr Euch bitte mal selbst applaudieren. Vielen Dank, dass Ihr die Größten seid.“

Konzerte von Saltatio Mortis sind Gesamtkunstwerke. Da wird mit Licht und Farben gespielt, Flammen lodern, der Klang klassischer Instrumente wie Dudelsack und Schalmei vermengt sich mit dem Sound von E-Bass, Schlagzeug oder Keyboard. Der charismatische Frontmann Jörg Roth, der sich mit selbstironischem Augenzwinkern „Alea der Bescheidene“ nennt, tut vom ersten Takt an alles dafür, dass Band und Publikum eins werden – so wie in den Anfängen, als sich die Band auf Mittelaltermärkten erste Sporen verdiente. Inzwischen ist Saltatio Mortis eine große Nummer in der Mittelalter-Rock-Szene. Doch die Band liebt es noch immer, ihrem Publikum ganz nah zu kommen: Plötzlich tauchen die Musiker auf einer kleinen Bühne mitten im Publikum auf, erheben mit den Umstehenden das Glas und schmettern gemeinsam den „Drunken Sailor“. Und die Zuhörer gehen so begeistert mit, dass Jörg Roth nur staunen kann: „Leute, Ihr schafft es, dass ich nicht mehr weiß, was ich sagen soll.“

„Steht zusammen“

27 Titel hatten Saltatio Mortis auf ihrer Setliste für die Burgentour – ein Powerplay für Publikum und Musiker. Das alles beginnt recht düster mit „Finsterwacht“ – dem Titelsong eines Albums, mit dem die Band ihrer „Leidenschaft für gute Musik, Fantasy und Abenteuer“ frönt und der nicht frei von Pathos den Zusammenhalt in stürmischen Zeiten beschwört: „Seid der Schildwall am Ende der Welt. Haltet den Turm auch im Orkansturm. Steht zusammen, denn wir sind die Wacht.“ Und wer die Reaktionen des Publikums auf der Esslinger Burg erlebt hat, der konnte spüren, dass die Musiker mit solchen Worten ihrer treuen Fan-Gemeinde aus dem Herzen sprechen, die sich nur zu gern als verschworene Gemeinschaft gibt und mutig allen Unbilden der Zeit trotzen will. Frontmann Jörg Roth darf sich in solchen Momenten bestätigt fühlen, wenn er sagt: „Wir glauben fest daran, dass es dort draußen nach wie vor Menschen gibt, die auf handgemachte Musik stehen und spüren, wenn etwas mit Herzblut und Leidenschaft gemacht wurde.“

Bei alledem beweist Saltatio Mortis eine bemerkenswerte musikalische und textliche Vielseitigkeit. Das musikalische Spektrum ist breit, und es sind längst nicht nur düstere Titel, die auf der Burg zu hören waren. Viele der Songs strahlen mitreißende Fröhlichkeit aus. Längst nicht alles, was die Band spielt, stammt aus eigener Feder. Traditionals wie „Sieben Tage lang“ haben ebenso ihren Platz im Repertoire wie „Valhalla Calling“ von Miracle of Sound oder das mitreißende „Thekenmädchen“ von Versengold. Und auch bei solchen Titeln nehmen sich Jörg Roth und seine wilden Kerle gern die Freiheit, mit den Originalen lustvoll zu spielen. Denn auch das gehört zu ihrem „Spielmannsschwur“: „Wir sind wie der Wind, man sperrt uns nicht ein, wild und frei, so wollen wir sein.“

Rocken in historischen Gemäuern

Burgentour
 Historische Burgen haben für Saltatio Mortis eine besondere Bedeutung. Auf der Ronneburg in Hessen nahm die Band vor 24 Jahren ihren Anfang – seither treten die Jungs um Frontmann Jörg Roth mit Vorliebe in historischen Gemäuern auf. Derzeit zieht Saltatio Mortis auf einer „Burgentour“ durch die Lande mit Stationen wie der Festung Ehrenbreitstein, der Festung Königstein, Burg Wertheim, Schloss Eyrichshof oder der Festung Mark in Magdeburg. „Wir haben uns eine ganz besondere Setlist überlegt, die auf die schönsten Burgen Deutschlands passt“, verspricht die Band den Fans. „Zusammen mit Euch wollen wir atmosphärische Abende verbringen und euch in eine andere Welt entführen. Folgt dem Ruf der Finsterwacht …“

Esslingen
 Da durfte die Esslinger Burg im Tourkalender von Saltatio Mortis nicht fehlen. Als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung strahlt die Burganlage hoch über den Dächern der Altstadt historisches Flair aus. Das wussten schon viele Künstlerinnen, Künstler und Bands zu schätzen – ganz besonders solche, deren Musik wie bei In Extremo mittelalterliche Anklänge aufweist oder die – wie die schottische Folkrock-Legende Runrig – bewusst Burgen und Schlösser für ihre Tourneen auswählen.

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