Bald wird es in der Esslinger Innenstadt wieder von Musikern und Stelzenläufern, Marktschreiern und Geschichtenerzählern, Künstlern und Handwerkern wimmeln. Denn in anderthalb Wochen eröffnet der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt, der mit seinem mittelalterlichen Flair vor historischer Fachwerkkulisse alljährlich rund eine Million Besucher in die ehemalige Reichsstadt lockt. In diesem Jahr beginnt er schon weit vor dem ersten Advent.
Michael Metzler, Chef der Esslinger Markt und Eventgesellschaft (EME), die den Weihnachtsmarkt veranstaltet, rechnet auch in diesem Jahr mit rund einer Million Besucher. Schließlich dürfte dies der erste Weihnachtsmarkt in alter Form seit der Coronapandemie sein. Zwar hatte Metzler im vergangenen Jahr von einem der bestbesuchten Weihnachtsmärkte überhaupt gesprochen. Doch angesichts sehr kurzer Vorlaufzeiten sowie pandemiebedingter Geschäftsaufgaben und Unsicherheiten hatte man 2022 nicht alle üblichen Attraktionen anbieten können. „Jetzt sind wir wieder in allen Bereichen gut aufgestellt“, sagt Petra Pfeiffer, Leiterin des Veranstaltungsmanagements bei der EME.
Internationales Kulturprogramm ist wieder möglich
So sei wieder ein internationales Kulturprogramm möglich, ebenso Aktionen in geschlossenen Räumen – etwa im beliebten Märchenzelt, auf das im vergangenen Jahr coronabedingt verzichtet worden war. Auch Indoor-Angebote wie ein Fechtkurs oder rituelles Räuchern sind wieder im Programm. Ebenso das Mäuseroulette, das im vergangenen Jahr flach gefallen war, weil die Mäuse laut Pfeiffer die Pandemie nicht überlebt hatten. Sogar den beliebten Derwisch, der zeitweise verschollen gewesen sei, habe man wieder ausfindig machen und für den Esslinger Markt verpflichten können, freut sich Petra Pfeiffer.
Insgesamt sind laut der Veranstaltungschefin rund 70 Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern am Start, darunter musikalische Gruppen, Tänzer, Jongleure, Feuerspucker, Akrobaten, ein Seiltänzer, eine Harfenspielerin, Marionettentheater und Märchenerzähler. Außerdem zahlreiche Handwerker wie Löffelschnitzer, Zinngießer, oder Glasbläser, die mittelalterliche Fertigungsmethoden präsentieren und diese bei Mitmachaktionen ganz konkret erlebbar machen. „Uns ist Erlebnisreichtum und Interaktion wichtig“, sagt Metzler.
Neben vielen etablierten Händlern, Gastronomen und Handwerkskünstlern sind in diesem Jahr auch einige neue Beschicker auf dem Markt vertreten. So gibt es auf dem Weihnachtsmarkt am Marktplatz einen neuen Stand mit Hausschuhen und Socken, einen weiteren mit hochprozentigen und alkoholfreien Getränke-Spezialitäten sowie einen Gastronomen, der unter anderem Röstbrote aus Sauerteig serviert. Nach einer Pause wieder dabei ist zudem ein Stand mit südtiroler Holzschnitzereien. Auch auf dem Mittelaltermarkt gibt es neue Akteure, nämlich eine Glaswerkstatt, einen Stand mit Naturfellen sowie einen Steinmetz, der Interessierten sein Handwerk nahe bringt. Neu ist auch ein Stand mit Wollwalkprodukten, etwa Pullovern, Hosen und Westen. Zudem ist in diesem Jahr wieder ein Instrumentenstand mit Tam-Tams, Gongs, Trommeln und anderen Musikgeräten am Start.
Neben Vorführungen der Handwerkskunst, Erlebnisführungen, Workshops und Konzerten findet am 19. Dezember auch wieder ein Fackelumzug zur Burg statt, wo die Besucher dann eine Feuershow mit anschließendem Tanz ums Feuer erwartet. Apropos Feuer: Dem Brandschutz werde im Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt ebenso Rechnung getragen wie der Verkehrssicherheit sowie der Verhinderung von Diebstahl und Vandalismus, erklärt die Stadt. Der bereits etablierte Terrorschutz mit Zufahrtsblockaden für Laster werde wieder angewandt, zudem beobachte die Polizei die Lage ständig und reagiere entsprechend. Was den Verkehr betrifft, so ist die Innenstadt vom 16. November bis zum 22. Dezember bis auf wenige Ausnahmen für alle Fahrzeuge gesperrt.
Totensonntag ist der Weihnachtsmarkt ganztägig geschlossen
Eigentlich hätte der Esslinger Weihnachtsmarkt erst am 28. November öffnen sollen. Denn die Marktordnung der Stadt sieht einen Beginn am Dienstag vor dem ersten Advent vor. Das bedeutet, dass die Marktdauer von Jahr zu Jahr schwankt: 2022 wurde mit 31 Tagen die längstmögliche Zeitspanne ausgeschöpft, in diesem Jahr wäre eigentlich die mit 24 Tagen kürzestmögliche Dauer angesagt gewesen. Doch wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie hatten die Marktbeschicker den Wunsch nach mehr Markttagen geäußert. Der Gemeinderat erhörte das Ansinnen und machte den Weg frei für die Eröffnung am Donnerstag, 23. November. Allerdings muss der Weihnachtsmarkt am Totensonntag, 26. November, ganztags schließen, weil ein Betrieb durch das Feiertagsgesetz untersagt ist.
Zahlen und Daten zum vorweihnachtlichen Treiben
Öffnungszeiten
Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt ist vom 23. November bis zum 21. Dezember geöffnet. Sonntags bis donnerstags sind die Marktstände von 11 bis 20.30 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 11 bis 21.30 Uhr. Am Totensonntag, 26. November, ist der Markt geschlossen.
Stände
Insgesamt umfasst der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr rund 180 Stände, davon etwa 70 auf dem Marktplatz, 75 in den Altstadtgassen und ein halbes Dutzend auf der Weihnachtsinsel am Postmichelbrunnen. Hinzu kommen an den Wochenenden 30 bis 40 Buden auf dem Adventsmarkt in der Ritterstraße.
Gema
Die Musikverwertungsgesellschaft Gema will künftig die Gebühren für das Spielen geschützter Musiktitel nach einem neuen Schlüssel berechnen. Das könnte horrende Kosten für die Veranstalter von Weihnachtsmärkten bedeuten. Esslingen ist davon in diesem Jahr laut Stadtverwaltung nicht betroffen.