Mit Schwertgeklirr und bunten Marktständen lässt Poppenweiler das Mittelalter lebendig werden – und blickt dabei zugleich auf 50 Jahre als Teil Ludwigsburgs zurück.
Das metallische Scheppern der aufeinandertreffenden Schwerter schallt am Samstagnachmittag über den Festplatz in Poppenweiler. Auch Oberbürgermeister Matthias Knecht mischt mit und lässt sich von Ritter Tormod von Gotland in die Kunst des Schwertkampfes einführen.
Kurz zuvor hatte der Rathauschef den Poppenweiler Mittelaltermarkt eröffnet, der diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal stattfindet. Er genießt den Ausflug in ein anderes Jahrhundert sichtlich. „Es ist einfach ein Erlebnis, so einen Einblick in das Mittelalter und das Familienleben zu bekommen“, so Knecht.
Poppenweiler feiert 50 Jahre Eingemeindung nach Ludwigsburg
Auf dem Festplatz wird an diesem Wochenende allerdings nicht nur das Mittelalter gefeiert, sondern auch das 50-jährige Jubiläum der Eingemeindung Poppenweilers nach Ludwigsburg. Das sei ein Gewinn für beide Seiten gewesen, sagt Knecht. „Poppenweiler hat sich seinen starken Gemeinschaftsgeist, das große bürgerschaftliche Engagement und seine Eigeninitiative bis heute bewahrt und ist zugleich ein fester, aktiver Teil unserer Stadt geworden“, sagt der Oberbürgermeister.
Poppenweiler sei der aktivste Stadtteil Ludwigsburgs, was das Vereinsleben angeht. Für Ludwigsburg bedeute das eine Bereicherung an Vielfalt und Lebensqualität. Knecht sei stolz auf den Stadtteil und fügt etwas pathetisch hinzu: „Ich liebe Poppenweiler und bin wirklich gerne hier.“
Buntes Mittelalterprogramm: Händler, Lagerleben und Schwertkampf
Mit den Worten „Auf dass Kurzweil und Frohsinn einkehren, auf dass Handel blühe, Becher klingen und Kinder jauchzen“, freut sich Holger Scharf, Vorsitzender des Kulturrings Poppenweiler auf das Festwochenende. Gemeinsam mit seinem Team hat er ein buntes Programm für das Wochenende zusammengestellt. Neben den Händlerständen, an denen Schmuck, Kleider und Speisen verkauft werden, gibt es auch drei Lagergruppen, die für zwei Tage und Nächte das mittelalterliche Leben zeigen.
Ritterschaft lagert auf dem Festplatz
„Unser Lager ist authentisch“, erklärt Gerhard Sommer, Gründungsmitglied der Ritterschaft Brachmanoth. „Wir übernachten in Baumwollzelten und haben authentische Alltagsgegenstände wie Stühle, Becher und Waffen dabei.“ Seit 21 Jahren verwandelt sich der 61-Jährige mehrmals im Jahr in Tankred von Tarent, den Ritter, Schwertkämpfer und Trommler. Sein Interesse für das Mittelalter sei schon immer groß gewesen, sagt Sommer. Mit Gleichgesinnten hat er die Ritterschaft Brachmanoth gegründet, die neben Schwertkämpfen auch Dudelsack spielt und Comedy vorführt.
Direkt neben dem Ritterlager hat eine Spinnerin ihre Zelte aufgeschlagen. Sie sitzt unter einem hellen Baldachin an einem Spinnrad und verdrillt Wolle zu bunten Armbändern für Kinder. „Damals wurde allerdings deutlich mehr Flachs gesponnen als Wolle“, erklärt die Händlerin und zeigt den interessierten Kindern, wie aus den Wollfasern ein Faden entsteht.
Doch auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Beim Poetry-Slam duellieren sich Künstler zum mittelalterlichen Wortgefecht. Per Handgeklapper, wie man im Mittelalter zum Applaus sagte, wird der Sieger bestimmt. Die Musikgruppe Wirsing aus Heidelberg spielt außerdem an beiden Tagen mittelalterlichen Folk auf dem Festgelände.