Mittelaltermarkt in Sindelfingen mit viel Lärm und Licht Zauberrauch in der Altstadt
Drei Tage lang hat Sindelfingen mit einem Markt sein mittelalterliches Erbe gefeiert. Den Auftakt machte der Feuerabend am Freitag mit Feuerwerk und Feuershow.
Drei Tage lang hat Sindelfingen mit einem Markt sein mittelalterliches Erbe gefeiert. Den Auftakt machte der Feuerabend am Freitag mit Feuerwerk und Feuershow.
Die Schaukampftruppe Fictum aus Tschechien macht sich zum Kampf auf dem Sindelfinger Marktplatz bereit. Hinter Jirka Snabl zieht ein Mann mit rotblondem Bart seinen Waffenrock an. „Das ist Jirka Snabel, mein Großvater“, sagt Jirka Snabl. Und der Vater? „Der heißt auch Jirka.“ Kinder haben Sie nicht?“ „Nein“, sagt Jirka Snabel, „aber wenn es soweit ist, und wenn es ein Sohn wird, dann heißt er natürlich auch Jirka Snabel“, sagt er stolz.
Die Kampftruppe ist eine der vielen Attraktionen beim dreitägigen Sindelfinger Mittelaltermarkt, der am Freitag mit einer langen Einkaufsnacht begonnen hat. Die Stände sind mit vielen Lücken zwischen Turmgasse und Planiestraße platziert, dazwischen schlendert gemächlich das Publikum, es ist ruhig, gemütlich und sehr friedlich.
Wenn man mal von der Familie Snabl absieht. Die Truppe geht mit Morgensternen und Äxten aufeinander los, Zweihandschwerter klirren, blitzschnell sind die Hiebe, man kann den Bewegungen kaum folgen. Die Zuschauer applaudieren und gehen dann wieder an die Stände, Sitzplätze gibt es überall. Am Stand vom Bebo, dem Kelten, wo es Lederwaren gibt, spricht man von einem sehr ruhigen Tag, der Metbierverkäufer überlegt sogar, ob er nächstes Jahr wieder kommt. Anderseits kann man stressfrei durch die Altstadt schlendern. Kreuzritter sind zu sehen, Wikinger, Fantasy-Figuren – und ein Henker. Er ist eigentlich auch ein Kreuzritter, nur ist an seinem Panzerschuh eine Niete abgefallen, und weil er, was für einen Ritter eigentlich unverzeihlich ist, keine Nietenzange dabei hat, und den Panzerschuh nicht repariert kriegt, setzte er sich kurzerhand die Henkersmütze auf und zückt das Richtschwert.
Das bringt wiederum die Security auf den Plan, die gerade mit einer Gruppe Elfen beschäftigt war und ihren Dolchen. Mehrere Male musste die Security eingreifen und die Besucher dazu bringen, ihre Waffen ins Auto legen, wenn sie den Markt weiter besuchen wollen.
Eine geradezu flauschige Jagdwaffe hat Michi Roll-Jazdz dabei. Es ist ein Buntfalke mit dem Namen Thorin, den sie zusammen mit ihrer Eule Achilles dem Publikum präsentiert. Außerdem hat sie Lederhandschuhe in allen Größen dabei, damit die Gäste die Vögel auf die Hand nehmen können. Wer in Deutschland Falkner werden will, erklärt sie, der muss erst einen Jagdschein machen, dann einen Falknerschein. Erst dann darf man auf die Beizjagd, bei der dressierte Vögel eingesetzt werden. Mit ihrem Wüstenbussard war sie auf Krähenfang, doch wurde das immer schwerer, weil Krähen unverschämt schlau sind und sich schon in Sicherheit brachten, wenn sie nur das Auto sahen. Also verlegte sie sich auf das Marktgeschehen.
Nebenan betreibt Manuela Hernet-Fahrion aus Ebersbach ihre „Fußkneterey“. Besonders die Gewandeten genießen ihre Künste, wenn sie sich mit ihren Holzschuhen oder flachen Lederschuhen auf dem Sindelfinger Pflaster müde gelaufen haben. Sie ist hier mit ihrem Mann und erntet ein respektvolles „Holla“, nachdem sie sich von einer mittelalterlichen Magd in eine Waldfee verwandelt hat. Jetzt reiht sie sich mit ihrer Marionette im großen Umzug ein, der einmal den ganzen Markt abläuft, wo hunderte von Handys und Kameras den Zug von Rittern, Fräulein und Kriegern filmen.
Manuela hat aber noch mehr drauf. Abends präsentiert sie eine Feuershow und schon am Freitag hat sie mit ihrem Gatten Flammen gezaubert, um ein gutes Ambiente zu schaffen für die lange Einkaufsnacht am Feuerabend.
Den hatte das Sindelfinger City Marketing organisiert, und der City Manager Hanno Kreuter zählte tausende von Besuchern aus den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg, die zu den 40 teilnehmenden Geschäften schlenderten, Modenschauen betrachteten, an Cocktails nippten oder sich am großen Feuerwerk beim Stern-Center erfreuten.
Rauch steigt auf von den Fingerspitzen von Christoph und Michelle Peschke, die zu den „Walking acts“, den wandernden Schauspielern gehören, oder sollte man sagen, walking Dead, wandelnden Toten? Ein wenig gruselig sieht Christoph aus, der als Totenbeschwörer maskiert ist. Seine Ehefrau, eine gute Fee, wird von Kindern bestürmt, die wissen wollen, ob sie wirklich zaubern kann. Ja, das kann sie, und man kann es sehen. Sie gibt den Kindern den Glauben an die Magie zurück und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Das ist vielleicht der tiefste Sinn dieses dreitägigen Sindelfinger Spektakels.