Herr Campagna, zum Abschluss der vorherigen Saison haben Sie sich im WFV-Pokalfinale einen Nasen- und Augenhöhlenbruch zugezogen. Wie erholt und wie sicher fühlen Sie sich momentan, wenn Sie auf dem Platz stehen?
Ich habe mich von der Verletzung eigentlich schnell erholt. Ich habe zum Vorbereitungsbeginn direkt losgelegt und die ersten zwei Wochen mit Maske trainiert, sie aber schnell weggelegt und versucht, ganz normal ohne Maske zu trainieren und zu spielen, damit ich mich auch schnell eingewöhne. Es geht ganz gut, auch die Ängste sind weg.
Zum Ligaauftakt treffen Sie mit den Blauen auf ihren Ex-Verein Kickers Offenbach. Wie besonders wird dieses Spiel für Sie persönlich?
Sehr besonders. Einen besseren Auftakt hätte ich mir nicht wünschen können. Es ist auch noch in Offenbach. Viele aus meiner Familie werden sich das Spiel anschauen. Für mich sind Offenbach und die Gegend generell etwas ganz Besonderes, weil ich dort in der Nähe geboren bin und noch Verwandte habe.
Welche Erinnerungen haben Sie speziell an die Atmosphäre im Stadion?
Die Atmosphäre am Bieberer Berg ist natürlich ganz besonders. Gerade am Saisonanfang haben sie in Offenbach eine Riesen-Euphorie, weil sie natürlich große Hoffnungen haben, wieder in den großen Fußball zu kommen. Ich denke, das werden wir auch merken. Umso mehr freuen wir uns darauf, weil es mit dieser Stimmung, dem Stadion und den Fans kein typisches Regionalliga-Spiel ist – und wir dürfen nicht vergessen: Wir reisen auch mit Fans an. Das macht die Sache umso heißer und umso schöner.
Haben Sie noch Verbindungen zu Ihrem Ex-Verein?
Zum ein oder anderen Spieler und Verantwortlichen habe ich schon noch Kontakt. Aber in Offenbach haben viele Wechsel stattgefunden, selbst im Trainerbereich und in der sportlichen Leitung.
Der OFC hat unter anderem Dimitrij Nazarov und Marcos Alvarez verpflichtet. Was erwarten Sie für einen Gegner zum Start?
Offenbach hat immer namhafte Spieler. Es ist wichtig, wie sie das ganz besondere Flair dort dann annehmen. Klar schätze ich, dass Offenbach oben mitspielen wird. Das muss der Club, auch von den getätigten Transfers her. Wir werden uns auf jeden Fall nicht verstecken und unser Ding durchziehen.
Welche Rolle trauen Sie Ihrem Team, den blauen Kickers, in der neuen Liga zu?
Wir müssen schauen, dass wir uns schnell an die Liga gewöhnen, weil wir zu viele Jahre in der Oberliga verbracht haben. Ich glaube schon, dass wir mit unserem Stil gut Paroli bieten können. Wenn wir es schaffen, mutig zu bleiben, können wir dieses Jahr in der Regionalliga Spaß haben und Woche für Woche Spiele auf Augenhöhe gestalten.
Stimmt Sie die Vorbereitung optimistisch?
Auf jeden Fall. Wir haben gut und viel gearbeitet. Wir haben die Neuzugänge auch einigermaßen gut integriert. Wir hatten die ein oder andere Verletzung, auch unter den Neuzugängen. Das ist etwas schade. Aber ich habe insgesamt ein gutes Gefühl bei der Sache. Durch gute Arbeit erzielt man gute Ergebnisse.
Ein Unterschied zur Oberliga ist, dass es in der Regionalliga die Gelbsperre gibt. Haben Sie sich schon etwas für Ihre Spielweise überlegt oder wird die nicht zum Problem?
Das ist immer ein großes Thema bei mir (lacht). Meine etwas aggressive Spielweise würde ich gerne beibehalten, weil das einfach mein Stil ist. Wenn ich eine Gelbe Karte bekomme, die der Mannschaft hilft, dann ist das so. Ich muss schauen, dass ich keine blöden Gelben Karten bekomme, weil das immer ärgerlich ist. Dafür muss ich diszipliniert sein und meine Emotionen manchmal bei mir behalten.
Sie sind 33. Wie lange wollen Sie noch auf dem Platz stehen?
Diese Frage hört man gerade öfter. Ich muss sagen, dass es mir körperlich gerade sehr, sehr gut geht. Ich möchte so lange es geht auf dem Platz stehen. Solange ich mich so fit fühle wie gerade, setze ich mir auch kein Limit. Ich liebe das, was ich mache, und mir tut es auch gut.
Was macht Ihre Zeit bei den Kickers besonders?
Dass ich mich wirklich sehr, sehr wohl fühle, auch bei der Anfahrt nach Stuttgart freue ich mich schon riesig. Und natürlich die Kickers-Familie. Man ist nah an den Fans, nah an den Verantwortlichen. Das ist schön, macht Spaß und man kann sich damit auch identifizieren. Dann kommen natürlich noch die Erfolge dazu, die wir in den letzten zwei Jahren gefeiert haben. Das bindet einen noch mehr an den Verein und macht einen umso stolzer, dieses Trikot zu tragen.
Haben Sie schon geplant, was nach der aktiven Karriere ansteht oder lassen Sie das noch offen?
Mein Credo war immer: Solange ich spiele, setze ich meinen vollen Fokus auf das Spielen. Trotzdem fange ich dieses Jahr mit meinem Trainerschein an und schaue dann so langsam, was anderweitig machbar ist.
Sie möchten also auf jeden Fall dem Fußball verbunden bleiben.
Ja. Das, was ich in den ganzen Jahren im In- und Ausland an Erfahrung gesammelt habe, hat mir so Spaß gemacht, dass ich diesem Sport verbunden bleiben möchte, am besten professionell.
Zur Person
Karriere
Luigi Campagna wurde am 11. Dezember 1989 in Aschaffenburg geboren. Als er zehn Jahre als war, zog die Familie nach Ilshofen (Landkreis Schwäbisch Hall). Der Mittelfeldspieler, der zwischenzeitlich in Frankreich und in Italien aktiv war, sammelte bei mehreren Vereinen in Deutschland Regionalligaerfahrung, unter anderem beim SSV Ulm 1846. In der Winterpause der Saison 2020/21 wechselte er von den Kickers Offenbach nach Stuttgart.
Persönliches
Der 33-Jährige ist mit Dorata verheiratet. Das Paar wohnt mit seinen Kindern Rocco (9), Emilia (4) und Alessio (2) in Ilshofen.