Rund 5000 Flüchtlinge wurden seit Freitag im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Doch für 17 Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Rom/Warschau - Mehr als 5000 Bootsflüchtlinge sind bei einem der größten Hilfseinsätze der vergangenen Jahre binnen drei Tagen im Mittelmeer aus Seenot gerettet worden. Auf einem Schlauchboot wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache auch 17 Leichen entdeckt. An den Rettungsaktionen waren die deutsche Fregatte „Hessen“ sowie Einsatzkräfte aus Italien und anderen Ländern beteiligt.

„Das ist die größte Welle von Migranten, die wir 2015 erlebt haben“, sagte der Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, in Warschau. Zuletzt seien am Sonntag fünf weitere Einsätze gestartet worden, um insgesamt etwa 500 Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen. Zuvor seien seit Freitag Flüchtlinge von 25 Booten gerettet worden, die von der libyschen Küste nach Italien aufgebrochen waren.

Allein am Freitag waren in 22 Hilfseinsätzen 4243 Migranten in Sicherheit gebracht worden. Am Samstag waren es in vier Aktionen noch einmal 436 Menschen, wie die italienische Küstenwache mitteilte.

"Hessen" nimmt 880 Menschen an Bord

Die Bundeswehr erklärte, die Fregatte „Hessen“ habe am Freitag 880 Menschen an Bord genommen, unter ihnen 118 Frauen und 27 Kinder. Die Flüchtlinge seien von Schlauchbooten gerettet worden, von denen einige zu sinken drohten, so die Bundeswehr im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die Schiffbrüchigen wurden an Bord medizinisch versorgt und betreut. Sie sollten in einen italienischen Hafen gebracht und den Behörden übergeben werden.

Laut italienischer Küstenwache waren neben der Bundeswehr auch Schiffe aus Irland, die italienische Marine und Finanzpolizei sowie „Triton“-Rettungskräfte und einige Handelsschiffe an den Einsätzen beteiligt. Die „Triton“-Mission war erst vor wenigen Tagen um mehrere Schiffe verstärkt worden, die nach Leggeris Angaben „bereits Hunderte Menschenleben gerettet haben“. Schon Anfang Mai hatten die italienische und die griechische Küstenwache mehr als 4200 Menschen in Sicherheit gebracht.

Die 17 toten Bootsflüchtlinge waren laut italienischer Marine gemeinsam mit mehreren noch lebenden Migranten auf einem Schlauchboot entdeckt worden. Woran die Menschen gestorben sind, war unklar.

Bei gutem Wetter wagen vor allem im Frühling und Sommer immer wieder Tausende Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Viele von ihnen überleben die Reise mit kaum seetüchtigen Booten nicht. Im April waren bei einem der bislang schlimmsten Unglücke im Mittelmeer vermutlich Hunderte Flüchtlinge ertrunken.