Mittelstandskunden gesucht Commerzbank greift Sparkassen an

Von Sabine Marquard 

Die Commerzbank Stuttgart will ihren Marktanteil ausbauen und neue Kunden gewinnen. Gelingen soll dies mit aggressiven Konditionen und neuen digitalen Produkten.

Die Commerzbank will ihren Marktanteil ausbauen. Foto: dpa
Die Commerzbank will ihren Marktanteil ausbauen. Foto: dpa

Stuttgart - Die Commerzbank Stuttgart will ihr Profil als Mittelstandsbank weiter schärfen. „Wir wollen 2018 unseren Marktanteil ausbauen und neue Firmenkunden gewinnen“, sagte Siegfried Stangohr, Niederlassungsleiter Firmenkunden Stuttgart. Der Fokus liegt dabei auf dem Kreditgeschäft mit Unternehmen, die einen Umsatz zwischen 15 und 100 Millionen Euro erwirtschaften. Die Ausrichtung auf diese Größenordnung sei durchaus als Kampfansage gegen Wettbewerber wie die Sparkassen zu verstehen, räumte Stangohr ein und fügte hinzu: „Wir haben genügend Mittel, um den Mittelstand weiter finanzieren zu können.“

Mittelständische Kunden sind von allen Banken sehr umworben, die Margen sind unter Druck. Stangohr attestierte der Konkurrenz, dass sie im Mittelstandsgeschäft, „in dem die Commerzbank seit Jahren zuhause ist“, aufgeholt habe. Die Großbank wolle deshalb mit aggressiven Konditionen und neuen, digitalen Produkten überzeugen und Neukunden gewinnen. Der Bankmanager verwies dabei auf das Online-Firmenkundenportal, über das Unternehmen jederzeit Bankgeschäfte tätigen können und auf die digitale Kreditplattform, über die Mittelständler einen Kontokorrentkredit von bis zu fünf Millionen Euro komplett digital beantragen können. Die Bank will die Digitalisierung vorantreiben, so Stangohr, und gleichzeitig an der regionalen Nähe zu den Kunden festhalten.

Commerzbank hält an Filialen fest

Diese Strategie verfolgt die Commerzbank auch bei Privatkunden. Die Bank will gegen den Branchentrend an ihren rund 100 Filialen in Baden-Württemberg festhalten, davon zwölf im Stadtgebiet Stuttgart. „Wo andere sich zurückziehen, wachsen wir besonders stark“, sagte Mario Peric, verantwortlich für das Geschäft mit Privatkunden in Stuttgart. „Wir prüfen aber, ob wir an den richtigen Standorten in der Stadt vertreten sind“, sagte Peric. Sollte es attraktivere Standorte etwa in den neuen Einkaufszentren geben, sei geplant, Filialen zu verlagern. Das Konzept der City-Filiale, das mit abgespecktem Angebot, weniger Mitarbeitern und kleinerer Fläche in Möhringen und Weilimdorf gestartet worden ist, „hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Peric. Weitere Filialen sollen umgewandelt werden. „Die City-Filiale ist die Alternative zur Schließung“, betonte Peric. Sie decke aber 97 Prozent der Kundenwünsche ab.

Über 140 000 Privat- und Unternehmerkunden hat die Commerzbank Stuttgart. In zwei Jahren, wenn die Bank ihr 150-Jahr-Jubiläum feiert, sollen es 150 000 sein. „Wachstumsmotor ist das kostenlose Girokonto“, sagte Peric. Im vergangenen Jahr hat die Bank in Stuttgart unter dem Strich 2657 Neukunden gewonnen. Im Kreditgeschäft profitierte die Niederlassung vom Immobilienboom, sie hat neue Baufinanzierungen im Volumen von 265 Millionen Euro abgeschlossen, das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das verwaltete Kundenvermögen stieg um 6,1 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro.

Zahl der Mitarbeiter schrumpft

Im Firmenkundensegment konnte die Commerzbank Stuttgart im vergangenen Jahr 96 Neukunden gewinnen, sie betreut mehr als 2680 Firmenkunden. Das Kreditvolumen stieg hier um 7,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Das Ziel der Commerzbank, mit einem groß angelegten Stellenabbau bis 2020 Kosten langfristig zu senken, hinterlässt auch am Platz Stuttgart Spuren. Im vergangenen Jahr reduzierte sich die Zahl der hier beschäftigten Mitarbeiter um 60 auf 510.