ExklusivMobbing-Affäre in Stuttgart Klinikum: Brandschutz schon länger im Fokus

Von Jörg Nauke 

Die Geschäftsführung des Klinikums Stuttgart räumt Sicherheitsmängel seit 2009 ein, das Baurechtsamt hat offenbar schon länger von Problemen beim Brandschutz gewusst. Stadträte werden von Bürgermeister Föll über den Mobbing-Vorwurf informiert.

Das Stuttgarter Klinikum räumt Probleme beim Brandschutz ein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Stuttgarter Klinikum räumt Probleme beim Brandschutz ein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Geschäftsführung des Klinikums Stuttgart hat einen Bericht dieser Zeitung über gravierende Sicherheitsmängel und mangelnden Brandschutz in ihren Gebäuden bestätigt. Diese seien bereits seit 2009 bekannt. Sechs Jahre später habe das Baurechtsamt dann festgestellt, dass die Mängel nicht beseitigt worden seien. Und wieder zwei Jahre später, beim Antrittsbesuch der neuen Geschäftsführer Alexander Hewer und Jan Steffen Jürgensen, beklagten die Aufseher erneut eine unbefriedigende Erledigung.

Als Reaktion „auf die sehr ernst zu nehmende Kritik“ habe der ebenfalls neue Bau-Chefkoordinator extern ein Sicherheitskonzept bestellt. Man habe „Evakuierungssimulationen beschlossen und Schulungskonzepte für Mitarbeiter“ beauftragt. „Außenstandorte mit kritischen Rettungswegen“ sollen vorzeitig geräumt werden. Die Abteilungen würden verlegt.

Fehlende Erdbebensicherheit attestiert

Kritisch wird offenbar auch die Lage des Hauptgebäudes und des dahinter liegenden Hauses gesehen. Hier ist es nötig, die Bau- und Sanierungspläne zu bewerten, nachdem fehlende Erdbebensicherheit und mangelnder Brandschutz attestiert worden sind. Wohl nur der Bestandsschutz verhindert eine sofortige Schließung. Greift man aber in die Bausubstanz ein, greifen verschärfte Richtlinien.

Konkrete Fragen der StZ zu den Problemen mit einzelnen Gebäuden, zeitlichen Abläufen und Verantwortlichkeiten lässt die Stadtverwaltung unbeantwortet. Sie verweist auf eine nichtöffentliche Sitzung des „Lenkungskreises Bau“ am 13. Dezember. Es sei „ohnehin vorgesehen“ gewesen, über die aktuelle Situation zu berichten, hat Krankenhausbürgermeister Michael Föll am Montag den Fraktionsvorsitzenden und Mitgliedern des Krankenhausausschusses versichert. Dessen Mitglieder haben gegenüber der StZ bestätigt, bisher noch nie über sicherheitsrelevante Mängel und Probleme mit dem Brandschutz und dem Phänomen der fehlenden Erdbebensicherheit informiert worden zu sein.

Krankenhausbürgermeister Föll versucht indes, die Gemüter zu beruhigen: Er sehe aktuell keine Gefährdung, und der Klinikbetrieb leide auch nicht unter den Mängeln. Viele Defizite, wie unzureichende Fluchtwege, könnten nämlich dadurch kompensiert werden, dass man die Mitarbeiter intensiv schule, die Alarmierungswege optimiere und eine „ausreichend hohe Personalausstattung“ gewährleiste, so der Bürgermeister. Zuletzt hatten allerdings auch am Klinikum Protestaktionen wegen akuten Personalmangels im Pflegebereich stattgefunden.

Alles wurde bekannt durch die Klage der früheren Bauleiterin

Die Probleme bei der Beseitigung von Sicherheitsmängeln sind durch die Klage der degradierten Bauleiterin des Klinikums wegen Mobbing durch Geschäftsführer Hewer publik geworden. Sie war von ihrem Büro in der City ins Schwesternwohnheim nach Bad Cannstatt zwangsversetzt worden. Ihr Anwalt Stefan Nägele spricht von einer Absteige und davon, dass sie keine richtige Arbeit mehr habe. Die Geschäftsführung dementiert. Ihre Nachfolge hat Anfang Juli ein Bekannter von Hewer und Jürgensen aus Berliner Charité-Zeiten angetreten. Er soll zwecks Bewerbung erst im Mai bei Bürgermeister Föll vorstellig geworden sein. Die Gegenseite hält diesen zeitlichen Ablauf für abwegig. Sie unterstellt eine Einigung bereits Ende 2016, was ein abgekartetes Spiel zum Nachteil seiner Mandantin vermuten lasse.

Föll schrieb den Stadträten, es sei ihm ein Anliegen, sie rasch über die Hintergründe des Arbeitsrechtsstreits zu informieren. Die Klägerin hat alle im Verfahren erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Dazu zählt die Unterstellung, sie habe ohne Genehmigung ein Seminar besucht. Die Geschäftsführung hat die Behauptung zurückgenommen – mit dem Hinweis, der Beleg sei nur deshalb so spät geliefert worden, um die Mobbing-Vorwürfe zu unterfüttern.

Redaktionelle Anmerkung: Der Arbeitsrechtsstreit zwischen der Geschäftsführung des Klinikums der Stadt Stuttgart und dessen früherer Bauleiterin ist beigelegt. Den Tatbestand des Mobbings sah das Arbeitsgericht Stuttgart nicht als erfüllt an. Der ehemaligen Bauleiterin wurde das Recht zugesprochen, auf ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Sie hat das Klinikum inzwischen verlassen. Den aktuellen Stand zum Rechtsstreit finden Sie hier.

Sonderthemen