ExklusivMobbing-Vorwürfe in Stuttgart Personalchef des Klinikums klagt nach Kündigung

Von jon 

Treffen vor dem Arbeitsgericht: Ein fristlos entlassenes Mitglied der Krankenhausleitung behauptet, man habe es rausgeworfen, weil es Mobbingmethoden ablehne.

Das Klinkikum Stuttgart kommt nicht zur Ruhe. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Klinkikum Stuttgart kommt nicht zur Ruhe. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Mobbing-Vorwürfe gegen den neuen Geschäftsführer des Stuttgarter Klinikums, Alexander Hewer, haben am Freitag erneut den Arbeitsrichter Ulrich Lips beschäftigt, der aktuell drei Fälle des städtischen Eigenbetriebs bearbeitet. Allerdings ging es diesmal nicht um die Befindlichkeiten der ihrer Aufgaben enthobenen und in ein Hinterhofbüro am Standort Bad Cannstatt versetzten Bauleiterin, (unsere Zeitung berichtete), sondern um den nach nur einem dreiviertel Jahr gefeuerten Personalchef.

Der junge Mann war 2017 von einem Headhunter angelockt und im Bewerbungsverfahren vom Geschäftsführer-Duo Hewer/Jan Steffen Jürgensen sowie vom Krankenhausbürgermeister Michael Föll (CDU) für kompetent erachtet worden. Er betont, von dem Moment an in Ungnade gefallen zu sein, als er dem Auftrag Hewers widersprochen habe, die Bauleiterin so zu schikanieren, dass sie das Klinikum freiwillig verlasse. So wird es auch in der Klageschrift von Anwalt Stefan Nägele dargestellt, der sowohl das gekündigte Mitglied der Krankenhausleitung wie auch die strafversetzte Bauleiterin vertritt. Dass Föll in nichtöffentlicher Ausschusssitzung den Personalchef der Unfähigkeit bezichtigte, und auch der Anwalt des Klinikums jetzt beim gescheiterten Gütetermin von einer „leistungsbedingten Auffälligkeit“ sprach, vermag der Betroffene nicht nachvollziehen. Alle hätten gewusst, was er könne und was nicht. Fehlende Kenntnisse etwa im Tarifrecht hätten die Verantwortlichen als entbehrlich erachtet. Föll hat die Verpflichtung als (teuren) „Fehler“ bezeichnet.

Die Vertreter des Klinikums haben den Vorwurf zurückgewiesen, zum Mobbing angestiftet zu haben. Eine Verknüpfung der beiden Fälle sei „nicht sachgerecht“, sagte Jürgensen. Kritisch würdigte die Geschäftsführung zwar zwei angebliche Versuche des Klägers, sich mit dem Hinweis in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu retten, es stünde alternativ ein klärendes Gespräch mit Nägele und der Presse über den Mobbing-Vorwurf an. Zu diesem Zeitpunkt habe man die Trennung aber schon geplant gehabt. Die Klinikumchefs fühlen sich getäuscht. Nach einem „fürsorglichen Gespräch“ über eine Trennung, dem aber keine schriftliche Kündigung folgte, ging der Personalchef erst in den Urlaub und dann in die Elternzeit und überstand so die Probezeit. Bei seiner Rückkehr erhielt er die fristlose Kündigung. Eine Weiterbeschäftigung kommt für Jürgensen nicht in Frage. Er sehnt sich nach einer intakten Personalabteilung. Richter Ulrich Lips setzt deshalb nun den Kammertermin fest.

Redaktionelle Anmerkung: Der Arbeitsrechtsstreit zwischen der Geschäftsführung des Klinikums der Stadt Stuttgart und dessen früherer Bauleiterin ist beigelegt. Den Tatbestand des Mobbings sah das Arbeitsgericht Stuttgart nicht als erfüllt an. Der ehemaligen Bauleiterin wurde das Recht zugesprochen, auf ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren. Sie hat das Klinikum inzwischen verlassen. Den aktuellen Stand zum Rechtsstreit finden Sie hier.

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