Mobile Blitzer Keine Abzocke, aber die Klarheit fehlt in Freiberg

Die stationären Messgeräte mahnen zur langsamen Fahrweise – warum dann noch mobil messen?, fragen sich Autofahrer in Freiberg. Foto: Simon Granville

Der Ärger über eine angebliche Blitzer-Abzocke in Freiberg (Kreis Ludwigsburg) ist verständlich – das Landratsamt sollte Autofahrer besser informieren.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Die Debatte um die Blitzerpraxis an der Benninger Straße in Freiberg zeigt vor allem eines: Hier prallen zwei Perspektiven aufeinander, die beide ihre Berechtigung haben – und genau das macht die Diskussion so emotional. Um es vorwegzunehmen: Die mobile Messung unweit von einem stationären Blitzer ist keine Abzocke – aber das Landratsamt Ludwigsburg erkennt das eigentliche Problem nicht.

 

Auf der einen Seite stehen die Autofahrer, die sich zu Recht darüber wundern, dass die Situation nicht für jeden eindeutig ist. Die Einmündung Am Altneckar einige Meter vor dem Ortsausgang wirkt für viele aufgrund der endenden Bebauung wie eine räumliche Zäsur, an der sich die Verkehrssituation ändert. Dass man also 50 statt 30 kmh/h fahren könnte. Gleichzeitig erleben Fahrer auf der Gegenseite, dass ihnen am Ortseingang eine gewisse Strecke bleibt, um von 50 auf 30 km/h herunterzubremsen – bis nämlich ein Schild sie auf die 30er-Regelung hinweist. Dieser Unterschied zur Gegenrichtung sorgt verständlicherweise für Irritationen.

Die Anwohner der Straße Am Altneckar wünschen sich einen effektiven Lärmschutz. Deshalb misst das Landratsamt mobil, wenn eine stationäre Anlage nicht in Betrieb ist. Foto: Simon Granville

Wer dann aus Freiberg nach Benningen im Glauben beschleunigt, die Beschränkung von 30 km/h sei nach dem stationären Messgerät und der Einmündung aufgehoben, fühlt sich bei einer Messung schnell unfair behandelt – der Vorwurf der Abzocke ist dann nicht weit, auch wenn er überspitzt formuliert sein mag.

Nicht das Ob, sondern das Wie ist das Problem

Auf der anderen Seite ist die Position des Landratsamts ebenso nachvollziehbar. Geschwindigkeitskontrollen dienen nicht dem Selbstzweck, sondern sollen die Sicherheit erhöhen und die Belastung für Anwohner reduzieren. Ja, an dieser Stelle gibt es ein Lärmproblem – und ja, es ist gut, dass gemessen wird.

Das eigentliche Problem liegt aber weniger im Ob der Kontrollen, sondern im Wie der Kommunikation. Wenn viele Verkehrsteilnehmer eine Regel missverstehen ist das ein Hinweis darauf, dass die Beschilderung nicht optimal ist. Hier ließe sich mit einfachen Mitteln viel entschärfen: Ein zusätzliches, gut sichtbares Tempo-30-Schild nach der Einmündung – idealerweise mit dem Zusatz „Lärmschutz“ – würde Klarheit schaffen und gleichzeitig sensibilisieren. Wer versteht, warum eine Regel gilt, hält sich eher daran.

Bessere Beschilderung könnte die Akzenptanz erhöhen

Am Ende zeigt sich: Die meisten Autofahrer verhalten sich regelkonform, wenn die Vorgaben klar und nachvollziehbar sind. Genau hier ist nun das Landratsamt gefordert, die Beschilderung zu verbessern. Das würde nicht nur künftigen Ärger über mobile Messungen vermeiden, sondern auch die Akzeptanz erhöhen. Denn so ärgerlich ein Bußgeld auch ist – Einsicht entsteht meist dann, wenn die Regel dahinter transparent und plausibel erscheint.

Weitere Themen