Der Stadtjugendring schafft eine Stelle, um eine mobile Jugendarbeit in L.-E. aufzubauen. Dass das gerade jetzt geschieht, hat einen Grund – welchen?
Der Stadtjugendring Leinfelden-Echterdingen will eine neue Stelle zu 70 Prozent schaffen, die auf die mobile Jugendarbeit fokussiert sein soll, speziell auf die sogenannte aufsuchende Jugendarbeit. „Man muss die Jugendlichen dort aufsuchen, wo sie sind, wo sie sich aufhalten“, erklärt Sandra Fromme, die Geschäftsführerin des Stadtjugendrings Leinfelden-Echterdingen, „und dort mit ihnen ins Gespräch kommen.“ Der Stadtjugendring will diese Stelle selbst finanzieren, aus eigenen Rücklagen, und sie soll zunächst auf ein Jahr befristet sein.
Bisher gibt es in L.-E. keine aufsuchende Jugendarbeit, anders als in den umliegenden Kommunen Filderstadt und Ostfildern etwa. „Bereits mein Vorgänger hat darauf hingewiesen, dass wir das hier brauchen“, sagt Sandra Fromme, die seit rund einem Jahr den Stadtjugendring leitet.
Aufgekommen ist das Thema aktuell, weil einige Jugendgruppen unterwegs sind, die zum Teil für Störungen und Unruhe etwa am Neuen Markt in Leinfelden oder am Bonus Markt in Stetten gesorgt haben (wir berichteten). Aus der Verwaltung kam dazu die Idee, einen Sicherheitsdienst einzusetzen. „Das wollen wir nicht“, sagt Sandra Fromme und beschreibt, dass es eigentlich darum geht, herauszufinden, warum diese Gruppen von Jugendlichen für Unfrieden sorgen. „Jugendgruppen per se sind ja nichts Schlechtes“, stellt sie klar. „Jugendliche haben, genau wie Kinder, Familien, ältere Leute, das Recht, sich im öffentlichen Raum ihrer Kommune aufzuhalten.“ Bei den Pädagogen des Stadtjugendrings sind die Jugendgruppen, die jetzt im Fokus stehen, bisher nicht bekannt, „wir wissen nicht, was ihre Bedürfnisse oder Motive sind.“ Bisher gebe es keine Zahlen dazu, keine Sozialraumanalyse, keinen genauen Plan, wie die Streetwork aussehen kann. „Wir haben aber viele Ideen dazu und werden das ab Oktober angehen“, sagt Fromme.
Jugendliche brauchen Räume, wo sie sich aufhalten können, ohne weggeschickt zu werden, wo sie sich willkommen fühlen, betont Sandra Fromme. „Es ist unsere Aufgabe, mit der Kommune hier etwas zu unternehmen. Wir sind für die Jugendlichen da.“ Sicher, es gebe die Jugendhäuser: „Aber es gibt auch Jugendliche, die dort nicht hingehen wollen. Auch diese jungen Menschen brauchen Orte.“ Man müsse auch einmal die Perspektive wechseln, die Dinge aus der Sicht der jungen Menschen sehen, die in der Stadt aufwachsen, „sonst geht es schnell in Richtung Stigmatisierung. Davor warnen wir.“ Darum sei jetzt ein guter Zeitpunkt, um mit der aufsuchenden, mobilen Jugendarbeit anzufangen. „Dazu haben wir die Rückendeckung vom Gemeinderat“, sagt Fromme und lobt die gute Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Otto Ruppaner.
Die Stelle ist bereits besetzt worden
Für eine Kommune der Größe Leinfelden-Echterdingens werde zwar eine mobile Jugendarbeit mit 200 Prozent empfohlen, allerdings „ist mehr bei uns gerade nicht da“, erklärt Sandra Fromme die Entscheidung für die 70-Prozent-Stelle. Zusammen mit dem Zuarbeiten der Kollegen aus dem Jugendcafé Domino und dem Jugendbüro Echterdingen werde man aber auf 100 Prozent kommen. „Wir haben bereits intern eine unserer Fachkräfte für die neue Stelle gewinnen können“, berichtet Sandra Fromme, darüber sei man sehr dankbar. Dank des Fachkräftemangels sei es auch für den Stadtjugendring schwer, „gute Leute zu finden“, sagt deren Leiterin.