Mobile Jugendarbeit in Stuttgart Corona erschwert den Kontakt zu Jugendlichen

Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit sprechen Jugendliche auf der Straße an. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit sprechen Jugendliche auf der Straße an. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Vertreter der Mobilen Jugendarbeit Weilimdorf haben beim Sicherheitsbeirat über ihre Arbeit und Aktuelles berichtet.

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Stuttgart-Weilimdorf - Wie erklärte noch Weilimdorfs Bezirksvorsteherin Ulrike Zich, als der neue Pavillon der Mobilen Jugendarbeit (MJA) eingeweiht wurde? „Es war für niemanden eine Frage, das zu unterstützen.“ Hatte doch der Bezirksbeirat aus Budgetmitteln die Innenausstattung des Anbaus finanziert. Was dort im „Treff“ und andernorts in Sachen Streetwork, Gruppenarbeit, Einzelhilfe und Gemeinwesenarbeit passiert, darüber berichteten nun Arik Hofmann und Oliver Wieland von der MJA Weilimdorf in der Sicherheitssitzung des Bezirksbeirats.

Die räumlichen Schwerpunkte ändern sich häufig

„Im Jahr 2020 bestand Kontakt zu 135 Kindern und Jugendlichen“, so Wieland. Darunter seien gleich viel weibliche wie männliche Jugendliche: 79 Mädchen und 76 Jungs, fast die Hälfte davon zwischen 13 und 18 Jahre alt. Ein Großteil der Jugendlichen in Kontakt zur MJA habe Migrationshintergrund. Über Streetwork – bei dieser Hilfe werden in Weilimdorf auf der Straße und an öffentlichen Plätzen Gruppen von Jugendlichen angesprochen – seien in „81 Streetworkgängen 99 Kinder und Jugendliche“ erreicht worden. So könne sich Gruppenarbeit etablieren, um gezielt mit Cliquen zu arbeiten. Eine Gruppe sei über vier Jahre begleitet worden.

Die räumlichen Schwerpunkte änderten sich dabei ständig. Derzeit seien die Streetworker viel in den Pfaffenäckern und um den Löwen-Markt unterwegs, so Wieland. Ihr Auftrag sei zu beobachten und Kontakt zu den Jugendlichen zu suchen. Angesprochen würden eher Gruppen, Einzelne selten. Die Streetworker stellen sich vor, nachdem sie die Jugendlichen zwei bis drei Mal gesehen hätten. Grundsätzlich gehe man „nach Bauchgefühl“, sagt Hofmann. Wenn sich Jugendliche nicht unterhalten wollten, gehe man weiter.

Das Problemspektrum, in dem Hilfe angeboten wird, ist sehr breit

Indes seien Jugendliche oft gesprächig. Unter anderem durch Schulsozialarbeit kenne man sich, komme so in Kontakt mit den Gruppen. In der Schulsozialarbeit seien in 67 Gruppen und Klassen Themen angegangen worden wie „Klassengemeinschaft stärken“ bis zu spezifischen Projekten zu Gewalt. Im Schuljahr 2019/2020 habe man 159 Schüler und 199 Schülerinnen mit niedrigschwelligem Kontakt erreicht. In 130 Fällen konnten mit Lehrkräften pädagogische Fragen geklärt werden. 53 Erziehungsberechtigte ließen sich zu Diversem beraten. Wiederum 29 Jugendliche wurden in bis zu drei Terminen in Einzelfallhilfe betreut, 54 längerfristig einzeln unterstützt. Das Problemspektrum reicht von Arbeitslosigkeit, passiver Diskriminierung und Drogen über schwierige familiäre Situationen, Gesundheit und Liebe/Sex/Partnerschaft bis zu psychischer Auffälligkeit, Schule, Übergang Schule-Beruf, Wohnsituation, Straffälligkeit und mehr. Über Gruppenarbeit seien insgesamt vier „Clubs“ mit 16 Mädchen und sechs Jungen betreut worden.

Hofmann und Wieland machten deutlich, dass die MJA in der Gemeinwesenarbeit über ein gutes Netzwerk verfüge, so auch Jugendliche an andere, zum jeweiligen Thema passende Institutionen vermitteln könne. Bei Bewerbungen gebe es etwa Kooperationen mit Job-Connections.

Der Treff der Mobilen Jugendarbeit ist bekannt und beliebt

Zu den Fragen der Bezirksbeirate erläuterte Hofmann, dass die Mobile Jugendarbeit auch an Konferenz aller beteiligten Träger teilnehme, man mit Schulen in ständigem Austausch sei und momentan zwei reine Mädchengruppen betreue, da es in der Regel weniger gemischte Gruppen gebe. Mobbing sei ein Thema an Schulen, aber „nicht super präsent“. In der Gemeinschaftsschule gehe es eher um psychische Belastungen durch Schule und Familie, was wohl auch auf Homeschooling zurückzuführen sei.

Auch Digitalisierung sei ein Thema: Nicht alle Jugendlichen verfügten über Tablet oder Laptop für Homeschooling. Hier zeigten sich Benachteiligungen durch Arbeitslosigkeit und der sozialen wie finanziellen Situation mancher Familien. Dank einer Spendenaktion der Evangelischen Gesellschaft, Träger der MJA Weilimdorf, konnten Jugendlichen Laptops zur Verfügung gestellt werden. Auch Nachhilfeangebote habe es gegeben.

Corona habe die familiäre Situation oft verschlechtert, bekräftigte Wieland. Eine aktuell erhobene Statistik dazu sei noch nicht ausgewertet. Der Kontakt zu Jugendlichen sei durch die Einschränkungen schwieriger geworden. Indes sei der Treff der Mobilen Jugendarbeit bekannt genug, dass dieser trotzdem – obwohl nicht zentral – besucht werde: Der riesige Garten sei für die Jugendlichen sehr attraktiv.

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