Ein Pop-up-Jugendtreff im Leonhardsviertel ab Juli markiert eine Zeitenwende. Jugendliche werden nun stark ins Konzept mit einbezogen.

Lokales: Martin Haar (mh)

Es ist nicht überliefert, ob jemals Tränen im Bezirksbeirat Mitte vergossen wurden. Daher war es Montagabend vielleicht nicht einmalig, so doch einzigartig. Die SPD-Bezirksbeirätin Mihaela Manachidis weinte im großen Sitzungssaal des Rathauses hemmungslos – vor Glück und Rührung. Denn mindestens drei Jahre Arbeit wurden an diesem Abend belohnt. Der Rat stimmte ihrem Herzensprojekt, einem Pop-up-Jugendtreff im Leonhardsviertel, vorbehaltlos zu. Nachdem zwei Vertreter der Jugendhausgesellschaft das Konzept, das im Juli dieses Jahres umgesetzt werden soll, skizziert hatten, war es an Manachidis etwas zu sagen. Doch es wollten der Genossin partout keine Worte über die Lippen kommen. Ihre Stimme versagte. Als sie dann ein wenig Fassung zurückgewonnen hatte: „Ich bin überwältigt und überglücklich, dass wir es geschafft haben.“

Damit meint sie, dass die Jugendarbeit in der Stadt neue Wege geht: Nämlich einen zeitlich begrenzten Jugendtreff auf dem Züblin-Areal bis 2025. Dort sollen Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren eine Treffmöglichkeit zur Kontaktpflege, Räume in Containern zum Chillen mit WLAN, Musik, Sofa und einem kleinen Thekenangebot bekommen. Nicht fehlen sollen eine Ausstattung mit einer Tischtennisplatte sowie einem Ballsport- und Skateverleih. Insgesamt sollen sich vier Pädagogen einen 200-Prozent-Stellenanteil, der über den Doppelhaushalt getragen wird, teilen.

Der Treff braucht Wasser

Die genaue Ausgestaltung ist indes noch unklar und hängt von der behördlichen Genehmigung ab. Daher haben Clemens Kullmann und Anja Bätzner von der Jugendhausgesellschaft drei Konzepte erarbeitet, die in Abhängigkeit der Genehmigungsvarianten umsetzbar sind. Das bevorzugte Szenario sieht jedoch drei Container nebeneinander plus einem weiteren auf dem Dach vor. Dabei sei ein Wasseranschluss nötig, der auch ein WC speisen könnte. Die Alternative wäre ein Dixi-Klo, bei dessen bildlicher Vorstellung Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) spontan ausrief: „Bitte kein Dixi-Klo!“ Diese portable Toilette soll nun mit aller Macht verhindert werden. Sollte jedoch die Verwaltung bei der Genehmigung allen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen, wollen Kullmann und sein Team in jedem Fall Ende Juli mit einem Bauwagen als Interimslösung starten.

Bei der Frage, wozu ein Jugendtreff an dieser Stelle überhaupt notwendig sei, nahm Kullmann die Argumentation von Mihaela Manachidis auf, mit der sie seit Jahren für diesen Jugendtreff hausieren ging: Es gibt keine bestehenden adäquaten Angebote für junge Menschen zwischen 14 und 21 in diesem Areal.

Idealer Standort

Es sei der ideale Standort als Ausgangspunkt für Angebote in der angrenzenden Innenstadt und dem Leonhardsviertel zum Österreichischen Platz, dem Mozart- und Wilhelmsplatz sowie der Spielfläche am Olgaplätzle. Und natürlich bietet der Standort durch Bolzplatz, Skateplatz und Züblin-Parkhaus als nutzbare Ressourcen perfekte Rahmenbedingungen. Alles ist mit dem Ziel verbunden, ein leicht zugängliches Angebot zur Freizeitgestaltung zwischen 16 und 22 Uhr zu etablieren. An Freitagen und Samstagen sei auch eine Öffnung bis 24 Uhr denkbar.

Wenn man so will, ist das die Hardware. Die Software, also die Angebote des Pop-up-Jugendtreff, will Clemens Kullmann mit den Jugendlichen selbst entwickeln. „Unser Arbeitsprinzip lautet: Junge Menschen sollen sagen, was sie brauchen und wollen.“ Genau das hat Mihaela Manachidis bei ihren Recherchen seit 2019 auch herausgefunden, als sie gewissermaßen vom Leonhardsviertel über den Eckensee zum Milaneo und zurück ins Jugendhaus Mitte mit den jungen Menschen ins Gespräch kam: „Jugendliche wollen keine Konzepte, die man ihnen überstülpt. Sie wollen gehört werden und damit auch wertgeschätzt werden.“ Bei diesen Gesprächen sei sie oft müde belächelt worden, erzählt sie: „So einen Jugendtreff, in dem wir uns gut aufgehoben fühlen, wollen wir schon seit Jahren, aber viele hätten es versucht, aber keiner hat es geschafft.“ Daraufhin entgegnete sie den desillusionierten Jugendlichen immer: „Ich kann euch nichts versprechen, aber ich werde für euch kämpfen.“

Sie hielt Wort. Und manchmal sei es wirklich wie ein Kampf gegen Windmühlen gewesen. Zuletzt vergangenen Sommer, als Oberbürgermeister Frank Nopper bei seinem Rundgang durchs Viertel am Züblin-Areal haltmachte. Da ergriff Bezirksbeirätin Manachidis entgegen des Protokolls von Veronika Kienzle die Gelegenheit beim Schopf, meldete sich ungefragt zu Wort und wurde jäh von der Bezirksvorsteherin zurückgepfiffen. Aber das ist für Mihaela Manachidis nun alles Schnee von gestern: „Ich bin so überwältigt, dass wir es jetzt alles geschafft haben, was unseren Vorstellungen sowie denen der Kinder und Jugendlichen entspricht.“