Mobiles Planetarium in Stuttgart Die Sterne sind zum Greifen nah

Sternenkunde statt Sportunterricht: Das Planetarium hat in der Turnhalle Platz.Foto:Lichtgut/Max Kovalenko Foto:  
Sternenkunde statt Sportunterricht: Das Planetarium hat in der Turnhalle Platz. Foto:Lichtgut/Max Kovalenko

Statt im Klassenzimmer lernen die Schüler am Dillmann-Gymnasium in einem aufblasbaren Planetarium. Denn Astronomie ist seit diesem Jahr ein Schwerpunkt an der Schule in Stuttgart. Dadurch haben sogar diejenigen Spaß am Unterricht, die Physik sonst eher nicht so toll finden.

Digital Unit : Dominika Jaschek (dja)
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Statt auf den Holzstühlen im Klassenzimmer zu sitzen, liegen die drei Freundinnen Marcella, Clara und Lisa auf der dicken Sportmatte mitten in der Turnhalle. Die Blicke der drei Gymnasiastinnen sind nach oben gerichtet, über ihnen entfaltet sich das Firmament. Sternenbilder ziehen vorbei, der Große Bär natürlich und die Andromeda. Als ob das nicht schon faszinierend genug wäre, zoomt Gernot Meiser den Sternenhimmel weiter heran, auf einmal befindet sich die Schulklasse 9c mitten im Andromedanebel. „So nah kommt ihr mit einem Teleskop nicht heran“, sagt Meiser. „Das funktioniert nur in einem Planetarium.“

Drei Tage lang an der Schule zu Gast

Es ist etwas Besonderes, dass die 550 Schüler des Dillmann-Gymnasiums dafür nicht einmal ihre Schule verlassen müssen. Seit Montag und noch bis Mittwoch macht das mobile Planetarium von Gernot Meiser Halt in der Turnhalle. Rund neun Meter Durchmesser misst die mit Luft gefüllte Halbkugel, etwa 40 Personen haben gleichzeitig darin Platz. Alle Schüler aus den insgesamt 26 Klassen werden an den 90-minütigen Vorstellungen teilnehmen.

Das Carl-Zeiss-Planetarium hat diesen Astronomieunterricht der etwas anderen Art ermöglicht: Weil das Stuttgarter Planetarium im Schlosspark seit dem 1. April und noch bis zum 30. November modernisiert und umgebaut wird, haben sich die Macher für die acht Monate ein Alternativprogramm überlegt. Meistens kommen die Mitarbeiter der Sternenwarte an die Schulen. So haben sie beispielsweise schon mit Schülern Teleskope und ein Modell des Sonnensystems gebastelt. „Der Andrang auf unsere Aktionen ist groß“, sagt Ubbo Grassmann, der stellvertretende Direktor des Planetarium. „Damit hätten wir nicht gerechnet, das freut uns sehr.“

Astronomie ist Schwerpunkt an der Schule

Dass das aufblasbare Planetarium ausgerechnet am Dillmann-Gymnasium Halt macht, ist zumindest für den Schulleiter Manfred Birk nur konsequent. Denn seit Beginn dieses Schuljahres ist Astronomie im Physikunterricht ein Schwerpunkt an der Schule – von der fünften Klasse bis in die Oberstufe. In der Kursstufe haben die Schüler sogar die Möglichkeit, Astronomie als sogenanntes Orchideenfach zusätzlich zu belegen. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, Astronomie im Unterricht stärker zu verankern“, sagt Birk und verweist auf den Gründer der Schule, Christian Heinrich Dillmann, der bereits vor mehr als 200 Jahren astronomische Briefe veröffentlicht habe. Deswegen komme es auch ganz recht, sagt Birk, dass das mobile Planetarium gerade jetzt in Stuttgart sei: „Wir freuen uns, dass wir das Praktische mit in den theoretischen Unterricht integrieren können.“

Etwa 30 bis 45 Minuten dauert das Aufblasen des Planetariums, anschließend muss noch die Technik im Inneren richtig positioniert und aufgebaut werden. Für Meiser ist das fast schon Routine. Seit gut fünf Jahren ist er mit seinem mobilen Planetarium unterwegs – eigentlich eher in ländlicheren Regionen, wie er sagt: „Ich will auch dort den Menschen die Astronomie näher bringen, deswegen bin ich auf die Idee gekommen.“ Eine mobile Sternwarte besitzt er ebenfalls, er tourt durch die ganze Welt und hat schon 36 Sonnenfinsternisse beobachtet. Es ist also fast selbstverständlich, dass er mit Hilfe der Sterne navigieren kann. Wozu das denn noch nötig sei, in Zeiten von GPS und Navigationsgeräten, fragt ein Neuntklässler. Und dann erzählt Meiser die Geschichte, wie er sich in der Wüste verirrt hat, das Navi kaputt ging und er die Gruppe mit seinen Sternen-Kenntnissen wieder herausmanövriert hat.

Marcella, Clara und Lisa hören gebannt zu. Überhaupt – so spannend seien die Physikstunden nie, sagen sie. Eigentlich haben die drei Mädchen auch wenig Interesse an dem Unterricht. Von dem Programm werden sie sich aber einiges merken. Vielleicht hilft das ja bei der nächsten Klassenarbeit.




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