Im Vorfeld der Eigentümerversammlung, die auf Grund der Coronapandemie bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr in einer Halle der Landesmesse stattfand, hatte Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz betont, dass das Unternehmen „den Dachstandort favorisiert“. Nun hat sie das Okay der Eigentümer, auf dem Dach eines der fast 70 Meter hohen Wohnblöcke eine Mobilfunkanlage zu installieren.
Manch ein Eigentümer fühlte sich erpresst
Als Alternative zum Dach von Wohnblock A war ein Standort nahe der Tennisplätze Richtung Birkach angedacht. Dort wäre ein voraussichtlich 30 Meter hoher Funkmast jedoch in direkter Sichtlinie vieler Wohnungen der Hochhaussiedlung platziert gewesen. Wie Andreas Behrendt vom Verwaltungsrat der Wohnstadt auf Nachfrage betonte, hätten die Bewohner den Standort Nahe der Tennisplätze, der etwa 280 Meter vom Asemwald-Kindergarten entfernt liegt, anders als den Dachstandort nicht ablehnen können. Der Grund: Die Anlage hätte hier auf städtischen Boden gestanden.
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Mit anderen Worten: Bei der Frage, wo der Mobilfunkmast künftig errichtet werden soll, hatten die Bewohner nur die Wahl zwischen einem Standort vor ihrer Nase oder – sozusagen – direkt auf ihrem Kopf. Eine dritte Option, nämlich die Funkanlage nahe der Wohnstadt ganz zu verhindern, bestand demnach nicht. Kein Wunder, dass, wie Behrendt unterstrich, das Thema in der Vergangenheit auch aufgrund der möglichen Strahlenbelastung „sehr kritisch diskutiert“ wurde und sich manch einer „erpresst“ fühlte.
Verwalter: große Mehrheit für Standort auf Dach
Nach Information von Stefan Geiger, einem der Geschäftsführer der Sindelfinger Immobilienverwaltungsgesellschaft Klauß und Partner, die seit 2014 die Wohnstadt betreut, fiel die Entscheidung der Eigentümerversammlung schließlich deutlich aus: „Die Eigentümer haben sich mit großer Mehrheit für den Standort auf Gebäude A entschieden“, berichtet Geiger. Eine kontroverse Diskussion habe es nicht mehr gegeben, sagt auch Werner Pohl, wie Behrendt Mitglied im Verwaltungsbeirat der Wohnanlage.
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Mit der Entscheidung dürfte der Mast vor den Hochhäusern vom Tisch sein. Nach den Planungen der Deutschen Funkturm GmbH soll im Falle einer Zustimmung zum Dachstandort lediglich eine vergleichsweise kurze Antenne am Schwimmbadschornstein von Gebäude A angebracht werden, wie Edgar Straub von der Immobilienverwaltungsgesellschaft Klauß und Partner erklärt. Nach Auskunft der Hausverwaltung votierten bei der Versammlung am 8. Dezember 520 stimmberechtigte Eigentümer, rund die Hälfte der Stimmberechtigten.
Telekom will Netzabdeckung verbessern
„Die Hausverwaltung hat jetzt das Mandat, mit der Telekom zu verhandeln“, so Pohl. Nach einer Frist von einem Monat kann der Immobilienverwalter die weiteren vertraglichen Regelungen mit dem Mobilfunkanbieter ausarbeiten. Wie Edgar Straub erklärt, muss zum Beispiel garantiert sein, dass Wartungsarbeiten an der Antennenanlage nur tagsüber erfolgen, damit die Anwohner in den oberen Stockwerken des Gebäudes nicht in ihrer Nachtruhe gestört werden.
Mit der LTE-Mobilfunkantenne auf dem Hochhausdach will die Telekom die Netzabdeckung in der Umgebung deutlich verbessern und damit auch eine bessere Versorgung mit mobilen Daten erreichen. Kritik wurde in der Vergangenheit bereits laut, weil die Telekom und ihre Tochter Deutsche Funkturm GmbH für die neue Mobilfunkanlage nach bisherigen Planungen keine 5G-Technolgie vorsieht. So hatte der Plieninger Bezirksbeirat Thilo Reith (FDP) schon Ende vergangenen Jahres gefordert, dass bei dem Vorhaben 5G „gleich mitgeplant und – gebaut werden muss“. Die Telekom hatte demgegenüber betont, dass auch eine spätere Nachrüstung mit der modernen Technologie möglich sei. Wann die Anlage auf dem Dach des Asemwald-Hochhauses installiert werden soll, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.