Hanna S. zeigt mit der Schuhspitze auf den kleinen Absatz. „Schauen Sie, wenn Sie die kleine Stufe hier im dämmrigen Licht nicht sehen, dann können Sie schnell hinfallen“, sagt die Frau aus Fellbach. Man merkt ihr den Frust an, der sich bei ihr angestaut hat. Sie hat sich mit ihrem Anliegen an unsere Zeitung gewandt.
Hanna S., die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte, pendelt von Fellbach zu ihrer Arbeit nach Stuttgart. An diesem Mittwoch steigt sie kurz vor 16.30 Uhr mit vielen anderen Pendlern aus der S-Bahn. Noch ist es nicht ganz dunkel, aber an diesem trüben Wintertag dämmert es schnell. Aus der S2 und S3, die am Fellbacher Bahnhof halten, strömen ganze Menschentrauben über den Bahnhofsplatz in Richtung Busstation. Manche rennen auch, wenn der Anschluss knapp ist. Dazwischen liegen zahlreiche Stufen in unterschiedlicher Höhe und Länge. Während um 17 Uhr die Leuchten auf dem Areal neben dem Bahnhofsgebäude angehen, bleibt der Bahnhofsvorplatz dagegen komplett im Dunklen.
Der Vorplatz ist ein wichtiger Knotenpunkt im ÖPNV
„Das geht doch nicht“, sagt Hanna S. Seit mehreren Jahren wende sie sich immer wieder an die Stadt Fellbach, um den unbeleuchteten Vorplatz am Bahnhof zu monieren, sagt sie. Keiner fühle sich zuständig, sagt sie, „es ist stockdunkel dort nach Einbruch der Dunkelheit, wann das Licht eingeschaltet wird, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall viel zu spät“. Die Fellbacherin verleiht ihrem Anliegen Nachdruck, indem sie die Bedeutung des Knotenpunkts hervorhebt. „Es ist ein hochfrequentierter Umsteigepunkt, und die Vernachlässigung gereicht Fellbach nicht zur Ehre“, sagt sie.
Wenn sie auf einen Anschluss warte, würde Hanna S. gerne lesen. „Das Zeitungslesen geht bei dem Licht auch nicht“, sagt sie. „Und unzumutbar ist, dass sich keiner zuständig fühlt und kümmert.“ Eine Lampe sei bereits seit Monaten kaputt. „Danke für den Komfort, es reicht ja nicht, dass man wöchentlich Stunden seiner Lebenszeit mit erzwungenem Warten beim VVS verbringt“, sagt die Pendlerin und bringt so ihren Frust mit einer Portion Sarkasmus auf den Punkt.
„Das Dach des Bahnhofsvorplatzes ist eine städtische Anlage. Die Beleuchtung ist direkt in der Dachkonstruktion eingebaut und wird durch eine nicht mehr ausreichend funktionierende Zeitschaltuhr gesteuert – hier ist es leider zu einer Verschiebung der Zeiten gekommen. Das Fellbacher Tiefbauamt arbeitet derzeit an einer zeitnahen Lösung, wie die Steuerung ausgetauscht beziehungsweise wieder korrekt eingestellt werden kann“, teilt das städtische Presseamt auf Anfrage mit.
Viele öffentliche Einrichtungen wie die Volkshochschule liegen am Bahnhof
Nicht nur Hanna S. hofft, dass die Beleuchtung bald wieder klappt. Fellbach gilt als „regionaler Mobilitätspunkt“. Ein solcher Mobilitätspunkt weist einen „umfassenden, regionsweit einheitlichen Angebotsstandard auf“, heißt es auf der Internetseite der Stadt. Der Bahnhof soll schließlich auch eine gute Visitenkarte für umweltfreundliche Mobilität per ÖPNV oder Rad angesichts des Klimawandels abgeben. „Wir verzeichnen dort rund 16 000 Besucher im Bahnhof pro Tag“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage.
Dass der Bahnhof stark frequentiert ist, steht außer Frage. Zentrale Buslinien starten hier – wie der 60er, der nach Oeffingen und auch nach Stuttgart-Untertürkheim rollt. Institutionen wie die Volkshochschule, die Jugendtechnikschule und die Kunstschule sind am Bahnhof angesiedelt, um den Kunden auch eine Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern. Außerdem liegen viele Büros und Schulen nahe dem Bahnhof.