Feinstaub und Stau in Stuttgart Winfried Hermann nimmt Unternehmen in die Pflicht

Von Josef Schunder 

Winfried Hermann hat die Firmenchefs ermahnt, sich bei der Lösung von Problemen mit Staus, Luftschadstoffen und Klimawandel nicht aus der Verantwortung stehlen – und hat konkrete Vorschläge.

Winfried Hermann hält ein Umdenken bei der Wahl der Verkehrsmittel für notwendig, damit die Probleme gemeistert werden können. Foto: dpa
Winfried Hermann hält ein Umdenken bei der Wahl der Verkehrsmittel für notwendig, damit die Probleme gemeistert werden können. Foto: dpa

Stuttgart - Noch zu wenige Unternehmen kümmern sich um eine umweltverträgliche An- und Abreise ihrer Mitarbeiter und einen umweltverträglichen Wirtschaftsverkehr – „nur Pioniere“ bezuschussen für ihre Beschäftigten beispielsweise den Fahrradkauf oder stellen Fahr­räder zur Verfügung. Das hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Mittwoch beklagt.

„Gerade Unternehmen, die drohende Fahrverbote bejammern, müssten hier eigentlich mehr Beiträge leisten“, sagte Hermann bei einer Pressekonferenz, die bei einer vom Autoclub Europa (ACE) ausgerichteten Informationsveranstaltung in der Industrie- und Handelskammer stattfand. Viele Firmen hätten in den letzten Jahren aber nichts getan, außer Parkplätze zu bauen und auf Straßenbau und mehr ­öffentlichen Nahverkehr zu hoffen. Ein Unternehmen habe aber auch Verantwortung. Es sollte sich nicht von der Politik zwingen lassen, mehr Fahrradabstellplätze und weniger Autostellplätze zu bauen. Nur mit Straßenbau und Fahrverboten seien die Probleme nicht zu lösen. Der Minister wünscht sich unter anderem mehr Werksbusse auf Strecken mit vielen Pendlern.

Pendler mit Rad sind weniger krank

„Es muss sich etwas in den Köpfen ändern, sonst ändert sich nichts“, hatte Hermann zuvor auch vor rund 150 Zuhörern bei der Veranstaltung gesagt. Die aktuelle Antwort auf die doppelte Herausforderung von Luftschadstoffbelastung und Klimawandel müssten neue Mobilitätskonzepte sein. Sonst wären die Probleme nicht in den Griff zu kriegen. Der Anteil der Nutzung von öffentlichem Nahverkehr müsse besser werden. In Stuttgart mache der Individualverkehr mit Auto immer noch 45 Prozent aus, in Karlsruhe nur 34. Radfahrer unter den Pendlern, sagte er, lebten gesünder. Aus Erhebungen wisse man, dass die durchschnittliche Zahl der Krankentage bei ihnen geringer sei.

Die Regierung selbst denkt an weitere Schritte, nachdem sie unter anderem das Jobticket für Nutzer von Bussen und Bahnen eingeführt hat. Man habe festgestellt, dass von 60 000 Parkplätzen des Landes in Stuttgart nur ein Drittel gebührenpflichtig sei. Man müsse sich aber fragen, warum ein Professor den Stellplatz gratis bekomme.

Viele Wege zur Arbeit sind eigentlich kurz

Nähme jeder bisher allein im Auto sitzende Pendler nur einen Mitfahrer mit, „würden wir bei der Lösung der Verkehrsprobleme einen großen Schritt weiterkommen“, sagte Stefan Heimlich, Vorsitzender des ACE, der mit Förderung des Bundesumweltministeriums an vielen Orten die Aufklärungsoffensive "Gute Wege" umsetzt. Botschaft: 64 Prozent der Pendler benützen das Auto, viele bräuchten es eigentlich aber nicht. 80 Prozent hätten Wege von weniger als zehn Kilometer Länge. Heimlich: „Nicht alle schaffen es ohne Auto, aber es geht um einen besseren Mix.“ Gute Beispiele für Ansätze zum Mobilitätsmanagement erhellten einige Vorträge. Dabei ging es etwa um umweltfreundlichere und kleinere Dienstwagenflotten, Rückgriffe auf Carsharing-Angebote, Bündelung von Dienstfahrten und Fahrradparkhäuser.

Zehn Fakten zum Feinstaub im Video:

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