Mobilität in Stuttgart Moovel testet neues Konzept für die SSB

Von Jürgen Löhle 

Die Daimler-Tochter Moovel testet zusammen mit der SSB ein neues Sammeltaxi-Modell. An bis zu 3000 Punkten im Stadtgebiet sollen sich Kunden per App einen Shuttleservice bestellen können. Was die Fahrt kostet und welche Anforderungen die Fahrer erfüllen müssen, ist noch unklar.

Bisher setzte die SSB Taxis nur in Sonderfällen oder bei Störungen ein – wie hier an der Haltestelle Garbe in Plieningen. Künftig sollen sich Kunden per App ein Sammeltaxi an einen von bis zu 3000 Sammelpunkten in der Stadt bestellen können. Foto: SSB
Bisher setzte die SSB Taxis nur in Sonderfällen oder bei Störungen ein – wie hier an der Haltestelle Garbe in Plieningen. Künftig sollen sich Kunden per App ein Sammeltaxi an einen von bis zu 3000 Sammelpunkten in der Stadt bestellen können. Foto: SSB

Stuttgart - Die Mobilität in Städten erfährt immer neue Spielarten. Derzeit läuft in Stuttgart ein Versuch an, der im ersten Halbjahr 2018 zu einem Pilot-Angebot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) werden soll. Im Rahmen des sogenannten SSB Flex sollen sich die Kunden von 6 Uhr am Morgen bis 21 Uhr in Bad Cannstatt und Degerloch über eine App eine Art Sammeltaxi ordern können. Von Donnerstag bis Samstag soll der Service in der Testphase von 18 Uhr bis 2 Uhr morgens zusätzlich im gesamten Innenstadtbereich zur Verfügung stehen. Der Kunde gibt über die App sein Wunschziel ein und bekommt die Information, wo und wann ihn das Auto oder der Minibus aufnimmt.

„Wir haben 2000 bis 3000 Punkte im Innenstadtbereich wo wir halten und Fahrgäste ein- oder aussteigen lassen können“, erklärt Michael Kuhn von der Daimler-Tochter Moovel, die die App entwickelt hat und die gerade in einem ersten Feldversuch die Praktikabilität testet. Noch bis zu diesem Samstag können alle, die die kostenlose App Flex Pilot auf dem Smartphone installiert haben, in der Stuttgarter Innenstadt den so genannten On-Demand-Service kostenlos nutzen. Moovel stellt dazu zehn Mercedes-Großraumlimousinen plus Fahrer zur Verfügung. Getestet werden soll vor allem, wie der Algorithmus die anspruchsvolle Aufgabe meistert. Im Idealfall fährt das Auto voll besetzt und bringt die Kunden so direkt und so nahe wie möglich an ihr Ziel. Exakt vor die Haustüre geht aber nur, wenn die zufällig an einem der Haltepunkte des Systems liegt, das ist der Unterschied zum normalen Taxi. Mehr als ein kurzer Fußweg dürfte aber bei der großen Anzahl an Haltepunkten nicht gefordert werden.

Die App muss eine anspruchsvolle Aufgabe meistern

Wenn die SSB 2018 das Projekt übernimmt, ist das die fünfte Taxikooperation des Öffentlichen Personennahverkehrs in Stuttgart. Es gibt bereits den Taxi-Ruf der SSB von 20 Uhr an. 50 Haltestellen werden hier bedient. Darüber hinaus sind das Frauen-Nacht-Taxi und Linientaxen von 21 Uhr bis 1 Uhr morgens anstelle der Zahnradbahn und auf der Buslinie 64 zwischen den Haltestellen Frauenkopf und Stelle im Einsatz. Vom SSB Flex erhofft sich Wolfgang Arnold, der Technische Vorstand der SSB, flexible und kundenfreundliche Lösungen. „Ziel ist, dass sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger für den ÖPNV entscheiden“, sagt er.

Der Erfolg wird sicher auch vom Preis abhängen, über den man im Moment bei der SSB nur sagen kann, dass das gekaufte VVS-Ticket berücksichtigt wird. Fritz Kuhn (Grüne) zeigt sich begeistert vom neuen Angebot. „Das ist ein weiterer, wichtiger Entwicklungsschritt für nachhaltige Mobilität in unserer Zeit“, sagt der Oberbürgermeister, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der SSB ist. Welche rechtlichen Anforderungen das Projekt am Ende der Testphase nach sich zieht, ist ebenfalls offen. In der aktuellen Phase setzt Moovel „sorgsam ausgesuchte und geschulte Fahrer ein“, wie Michael Kuhn erklärt. Ob SSB Flex am Ende ein Gewerbe nach dem Personenbeförderungsgesetz ist und somit die Fahrer eine Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung brauchen, prüft die Stadt derzeit noch.

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