ExklusivMobilität in Stuttgart Nach der Seilbahnstudie ist vor der Seilbahnstudie

Erst hat das Land den Nutzen von Gondeln im öffentlichen Verkehr untersuchen lassen. Aufbauend aus diesen Erkenntnissen zieht nun die Stadt mit einem eigenen Gutachten nach.

In Berlin ist seit der Internationalen Gartenausstellung 2017 eine Seilbahn in Betrieb. Foto: dpa
In Berlin ist seit der Internationalen Gartenausstellung 2017 eine Seilbahn in Betrieb. Foto: dpa

Stuttgart - Urbane Seilbahnen, die helfen sollen, die Stauprobleme in Metropolen abzumildern, sind zumindest in Deutschland noch Neuland. Es fehlen Erfahrungswerte und ein fester rechtlicher Rahmen. Entsprechend schleppend kommen Projekte für die Gondelbahnen voran – das Vorhaben in Stuttgart macht da keine Ausnahme.

Das Landesverkehrsministerium hat seit Mitte April immerhin die Ergebnisse einer „Hoch hinaus“ betitelten Untersuchung vorliegen. „Der Abschlussbericht und der Handlungsleitfaden werden nun in den nächsten Wochen im Verkehrsministerium ausgewertet“, teilte Behördensprecherin Julia Pieper damals mit. „Inhaltliche Fragen lassen sich daher derzeit noch nicht beantworten.“

Im Videointerview nimmt Verkehrsminister Winfried Hermann Stellung zu Fahrverboten, sauberem Diesel und urbanen Seilbahnen in Stuttgart.

Auch im Rathaus hat man mit Spannung das Papier erwartet, denn bereits im Juli 2017 hatte der Gemeinderat 200 000 Euro bewilligt, um eine eigene städtische Untersuchung in Auftrag zu geben. „Die Studie des Landes ist Grundlage für unsere Studie“, sagt Rathaussprecher Sven Matis. Erkenntnisse des Landes sollen nun noch in die Ausschreibung der Stadt einfließen und diese dann in den kommenden 14 Tagen veröffentlicht werden.

Im Gewerbegebiet stauen sich weiterhin die Autos

Vor allem eine mögliche Seilbahnverbindung auf den Fildern zur besseren Erschließung des Gewerbegebiets Vaihingen/Möhringen ist immer wieder diskutiert worden. Der sogenannte Synergiepark Stuttgart verfügt zwar seit der Inbetriebnahme der Stadtbahnlinie U 12 nach Dürrlewang über einen Schienenanschluss. Trotzdem stauen sich in den Stoßzeiten die Autos. Und die Zahl der Arbeitsplätze wird sich in den kommenden Jahren durch Neubauten etwa von Daimler und der Allianz weiter erhöhen. Eine Seilbahn von einem Pendlerparkplatz an der Nord-Süd-Straße hinein ins Gewerbegebiet könnte helfen, den Verkehrskollaps zu vermeiden – so die Überlegung der Gondelbefürworter. Unter anderem die Fraktionen der Grünen und der SPD im Stuttgarter Gemeinderat hatte das Rathaus mehrfach aufgefordert, die Potenziale einer solchen Verbindung durch die Luft untersuchen zu lassen. 2017 wollten sie etwa Auskunft hinsichtlich Taktung und Kapazität eines „Seilbahnsystems zum Vaihinger Regionalbahnhalt, zum ehemaligen Eiermann-Campus und gegebenenfalls zum Flughafen und Stuttgart Airport Busterminal (SAB)“. Zumindest der Manfred-Rommel-Flughafen, für dessen Stadtbahnanbindung vom Fasanenhof aus derzeit erste Arbeiten erledigt werden, ist auch in den Fokus des Rathauses gerückt. Man werde „bei Vaihingen die Trassenführung um eine Verlängerung hin zum Flughafen ergänzen“, teilt Sven Matis mit.

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