„Ja“, sagt Michael Welsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Er erklärt, dass es nicht um die Schwimmhalle als solche gehe. Deren Dach war im Jahr 2019 umfassend saniert worden – unter anderem weil die Konstruktion unter dem Gewicht der Dachbegrünung Schaden genommen hatte. Wie in der Präsentation ersichtlich gehe es um das etwas niedrigere Nebengebäude, in dem sich unter anderem die Umkleiden befinden, sagt Welsch. Dieses stamme aus den 1970er Jahren. „Es wäre also vielleicht kein Schaden, es zu sanieren oder neu zu bauen“, sagt Michael Welsch. In diesem Zuge könne eine Seilbahnstation mitgedacht und mitgeplant werden.
Argumente für eine Seilbahnstation auf dem Dach
Für Michael Welch hätte eine solche Lösung mehrere Vorteile: Sie wollen damit ein Stück weit auf die Menschen im Rosental zugehen, welche die Idee mit den Gondeln äußerst kritisch sehen – unter anderem, weil diese ihrer Meinung nach den Baumbestand, die Artenvielfalt und das gesamte Landschaftsschutzgebiet Rosental bedrohen würden. Eine Seilbahnstation auf dem Dach des Nebengebäudes des Hallenbades könne städtebaulich sehr verträglich gestaltet werden, sagt Michael Welsch. Denn das Problem ist, dass die Bäume in der Grünanlage rund um den Feuersee sehr hoch sind. Dies hatte ein Drohnenflug gezeigt. „Das hat uns Sorgen gemacht“, räumt der Ingenieur ein. Denn folglich muss auch eine Seilbahnstation hoch gelegen sein.
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Baut man sie nun auf das Dach eines ohnehin vorhandenen Gebäudes, so würde sie nicht als potenziell störender Solitär in der Landschaft stehen. „Das Nebengebäude mit einer Seilbahnstation wäre nicht viel höher als die Schwimmhalle selbst. Es wäre also kein ganz neuer Blick“, sagt Michael Welsch. Denkbar wäre für ihn sogar, den Vorplatz des Hallenbades dann zu einem „kleinen Mobility-Hub“ auszubauen – also zu einer modernen Verkehrsdrehscheibe mit verschiedenen Mobilitätsangeboten.
In anderen Ländern gibt sogar Seilbahnstationen in Hotels
Best-Practice-Beispiele für eine solche Seilbahnstation sind rar. „Das ist nicht typisch, aber was spricht dagegen?“, fragt Michael Welsch. In anderen Ländern gebe es zum Beispiel Seilbahnstationen, die sich im siebten oder achten Stock eines Hotels befänden. Vieles sei möglich. Und das Nebengebäude des Hallenbads sei ein öffentliches Gebäude, ein Wirtschaftsgebäude, wo Lärmemissionen weniger problematisch seien. „Eine solche Kombination ist sicher gut möglich“, sagt Michael Welsch. Mit den Bäderbetrieben habe man diesbezüglich schon Kontakt aufgenommen.
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Das alles seien aber die Überlegungen eines Ingenieurs. Sollte es zu einem Verfahren kommen, dann werde es sicher einen Architektenwettbewerb geben, sagt Michael Welsch. Neben der Strecke, die über das Vaihinger Hallenbad führen würde, gibt es weitere mögliche Trassen. Die eine führt mit zwei Untervarianten zum Schulcampus und von dort zum Bahnhof. Für eine weitere Trassenidee haben die Planer ebenfalls mehrere Untervarianten ausgearbeitet. Die eine verläuft vom Eiermann aus entlang der Pascalstraße, die andere entlang der Gründgensstraße zur Bodenseewasserversorgung und von dort aus der Hauptstraße folgend zur Schwabengalerie und zum Bahnhof. Von dort aus könnte die Seilbahn in allen Varianten weiter in Richtung Synergiepark und Autobahn verkehren.
Ob überhaupt eine Seilbahn gebaut wird, ist ungewiss
Dass überhaupt eine Seilbahn gebaut wird, ist noch keinesfalls sicher. Denn parallel zur Seilbahn werden auch der Ausbau der Stadtbahn und verbesserte Buslinien geprüft, um den Eiermann-Campus an die Vaihinger Mitte anzubinden und das Verkehrsproblem in den Griff zu bekommen. Und wie es weitergeht, sollte eine Bebauung des Eiermann-Campus in weite Ferne rücken, ist ohnehin ungewiss. Wie berichtet hat Bürgermeister Peter Pätzold den Auslegungsbeschluss des Bebauungsplans vorerst auf Eis gelegt, nachdem der Immobilienkonzern Adler in wirtschaftliche Turbulenzen geraten ist. Denn der Eiermann-Campus ist in Besitz des Investors Consus Real Estate und gehört damit zur Adler-Gruppe.