Mobilitätskonzept der Uni Hohenheim Campus soll fahrradfreundlicher werden

Von Jacqueline Fritsch 

Die Universität Stuttgart-Hohenheim will mithilfe ihres Mobilitätskonzepts Alternativen zum Auto attraktiver machen. Was genau ist geplant?

Ein Platz fürs Fahrrad:  Rektor Stephan Dabbert und Verkehrsminister Winfried Hermann Foto: Jacqueline Fritsch
Ein Platz fürs Fahrrad: Rektor Stephan Dabbert und Verkehrsminister Winfried Hermann Foto: Jacqueline Fritsch

Hohenheim - Die anstehende Parkraumbewirtschaftung ist zurzeit das Thema Nummer Eins in Sachen Mobilität an der Universität Hohenheim. Das heißt aber nicht, dass sich auf dem Campus nichts anderes tut. Die Uni verfolgt ein weitreichendes Mobilitätskonzept, das sie jüngst Verkehrsminister Winfried Hermann vorgestellt hat. „Unis sollen in Sachen Mobilität besser werden“, sagt der Minister, „und dieser Campus ist ideal, um es ideal zu machen.“

Es gibt nicht die eine Lösung für alle Mobilitätsfragen, meint Rektor Stephan Dabbert – es seien eher viele kleine Puzzleteile. „Das Schönste wäre natürlich, wenn die Leute näher wohnen würden, das würde schon viele Probleme lösen“, sagt Dabbert. Im vergangenen Jahr wurden deshalb mehr als 300 neue Wohnheimplätze geschaffen, an der Fruwirthstraße sind weitere 120 geplant. „Aber das ist eine sehr teure Maßnahme, die man nicht unendlich ausrollen kann“, sagt der Rektor. Deshalb umfasst das Mobilitätskonzept der Uni zahlreiche weitere Ideen, wie man den Weg zur Uni und innerhalb des Campus angenehmer gestalten kann.

Thema Radfahren ist ein Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt ist das Thema Radfahren. Dabei ist die Uni schon so weit, dass sie als erste Hochschule im Land vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert wurde. Es wurden 400 selbst kon­struierte Fahrradbügel auf dem Campus aufgestellt, und es gibt zwei virtuelle Regio-Rad-Stationen. Künftig soll es in der Nähe der Bushaltestelle an der Heinrich-Pabst-Straße eine Mobilitätsstation geben. Dort sind eine Ladestation für Pedelecs, eine Pump- und Reparaturstation, an der jeder sein Fahrrad selbst reparieren kann, und eine Infosäule, die zeigt, welche Fortbewegungsmöglichkeiten es auf dem Campus gibt, geplant. Außerdem werden die beiden virtuellen Regio-Rad-Stationen um eine Terminalstation ergänzt, an der auch E-Bikes aufgeladen werden können.

„Hierher und auf dem Campus mit dem Fahrrad zu fahren, ist bisher nicht schön“, sagt Dabbert. Vielen würde auf Stuttgarts Straßen das Sicherheitsgefühl fehlen, wenn sie mit dem Rad unterwegs seien, meint Martin Kerner, der Mobilitätsbeauftragter der Uni. Das kann die Uni aber nicht ändern. Sie will dafür den Campus etwas wohnlicher und damit angenehmer für Radfahrer und Fußgänger gestalten. So wünscht sich Volker Schmid, Fahrradbeauftragter in Hohenheim, Umkleiden sowie Wasch- und Trockenmöglichkeiten, die nötig seien, wenn viele Menschen mit dem Fahrrad zur Uni kommen.

Außerdem ist es der Uni schon lange ein Anliegen, die Heinrich-Pabst-Straße zur Tempo-20-Zone zu machen. Winfried Hermann schlägt alternativ einen Zebrastreifen an dieser Straße oberhalb der Bushaltestelle vor. Natürlich bleibt im Zuge der Campusbegehung mit Minister Hermann auch das Thema Nummer Eins nicht unbeachtet. Die Parkraumbewirtschaftung kommt einigen Uni-Angehörigen offenbar etwas zu früh. „Viele haben das Gefühl, es wird ihnen etwas weggenommen, aber keine wirklichen Alternativen angeboten“, sagt Martin Kerner. Es wäre wohl besser gewesen, erst den Großteil des Mobilitätskonzepts umzusetzen und dann Parkplätze wegzunehmen beziehungsweise diese kostenpflichtig zu machen. „Wenn die Uni die Bewirtschaftung jetzt nicht gemacht hätte, hätten wir das irgendwann zwangsweise machen müssen“, sagt Minister Winfried Hermann. Denn nach und nach sollen alle Parkflächen von Gebäuden des Landes bewirtschaftet werden.

Ärger über die Parkkosten

Stephan Dabbert hatte eine Idee, wie man dem Ärger über die Parkkosten zumindest bei den Bediensteten der Uni entgegentreten kann: „Ich hätte gerne jedem, egal wie viel er verdient, 50 Euro draufgezahlt, damit er sich entweder ein VVS-Ticket kaufen oder eben die Parkkosten zahlen kann“, sagt der Rektor. Der Vorschlag habe aber nicht genügend Zustimmung gefunden. Und den Studenten, die an der Uni parken wollen, würde das auch nichts bringen.

Winfried Hermann versteht nicht, warum der öffentliche Nahverkehr keine attraktivere Alternative für Uniangehörige darstellt. „Seit ich Minister bin, hat sich so viel getan, und jetzt haben wir die neuen Tarife mit extrem günstigen Preisen“, sagt er. „Aber wer heutzutage anfängt zu studieren, ist 19 Jahre alt, deshalb sehen diese Leute wahrscheinlich nicht, wie viel sich tut, weil es für sie schon immer so war.“ Der Verkehrsminister will schnellstmöglich ein Gespräch mit der Universität organisieren, um sie bei der Umsetzung ihres Mobilitätskonzepts zu unterstützen.




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