Mobilitätswoche in Stuttgart-West Augustenstraße: Superblock für eine Woche

In Bareclona (oben) sind so genannte Superblocks bereits eingesetzt worden. Nun kommt dieses Konzept in den Stuttgarter Westen. Foto: dpa
In Bareclona (oben) sind so genannte Superblocks bereits eingesetzt worden. Nun kommt dieses Konzept in den Stuttgarter Westen. Foto: dpa

Im Rahmen der Mobilitätswoche werden zehn Wohnblöcke im Stuttgarter Westen zu einem Superblock zusammengefasst. Die Verkehrsführung in dem Bereich ändert sich in dieser Zeit. Fußgänger und Radfahrer haben Vorfahrt.

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Stuttgart-West - Die Initiative Superblock West richtet während der „Ersten Stuttgarter Mobilitätswoche“ vom 16. bis 22. September unter dem Motto „Straßen für Menschen“ versuchsweise in der Augustenstraße im Stuttgarter Westen einen Pop-Up-Superblock ein. Den Rahmen des Superblocks bilden die Schwab-, Rotebühl-, Silberburg- und Reinsburgstraße. Das gesamte Gebiet umfasst zehn Häuserblocks: Das Herzstück ist die Augustenstraße. Dazu gehören auch die Querstraßen Reuchlin-, Hasenberg-, Knosp-, Senefelder- und die Hermannstraße.

„Während des Pop-up-Superblocks wird sich die Verkehrsführung in diesem Bereich verändern“, sagt Sebastian Karl. Der Sprecher der „Initiative Superblock West“ erklärt, dass während der gesamten Woche auch Veranstaltungsflächen geplant seien, die deutlich machen sollen, wie der Straßenraum im Superblock für Menschen besser nutzbar gemacht werden könne. „Ein wesentlicher Aspekt ist es, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass er für alle nutzbar wird und das Gemeinschaftsgefühl der Anwohnerinnen und Anwohner stärkt“, sagt Karl.

Was bedeuten die Einschränkungen für den Anliegerverkehr?

Der Superblock solle den Anwohnern einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie ihr Stadtteil in Zukunft lebenswerter gestaltet werden könne. „In dem außergewöhnlich dicht bebauten Stadtgebiet sollen zukünftig Orte für Ruhe und Bewegung gestaltet werden“, erklärt der Sprecher der Initiative. Im Inneren des Superblocks haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang.

Alle Gebäude bleiben aber für die Anwohner mit ihren Kraftfahrzeugen erreichbar, auch der Lieferverkehr darf ins Gebiet. Für Müllfahrzeuge, Feuerwehr, Krankenwagen und Notärzte gibt es keinerlei Einschränkungen. Der gesamte übrige motorisierte Verkehr wird aber auf dem jeweils kürzesten Weg wieder aus dem Superblock-Gebiet geführt.

Verkehrsarme Stadtquartiere werden immer wichtiger

Solche verkehrsarmen Stadtquartiere, in denen Fußgänger und Fahrräder Vorrang haben, gewinnen in europäischen Großstädten immer mehr an Bedeutung. In Barcelona heißen sie „Superilles“, also Superinseln. Bepflanzte Beete, Bänke, Spielplätze und Treffpunkte beleben den öffentlichen Raum.

Hierzulande heißen solche Projekte Superblocks: „Erfahrungen aus Barcelona, wo das Konzept erstmals umgesetzt wurde, zeigen die zahlreichen positiven Auswirkungen. So hat sich die Zahl kleiner Geschäfte in den Superblocks deutlich erhöht, die Anzahl von Unfällen ist drastisch gefallen, die Fläche des öffentlichen Raums und von Grünflächen hat sich verdoppelt“, zählt Sebastian Karl positive Auswirkungen auf. „Vor allem aber steigern die Superblocks das Wohlbefinden ihrer Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt er, denn die Lebenserwartung der Bewohner sei gestiegen.

Es gibt Veranstaltungen auf besagten Flächen im Quartier

Allerdings werden in den Untersuchungen auch negative Begleiterscheinungen beschrieben. Denn die umliegenden Straßen müssen den aus dem Quartier ferngehaltenen Verkehr aufnehmen. Und die Immobilienpreise und Mieten in den Superblock-Gebieten steigen in der Regel.

Doch die Plus-Seite kann stärker punkten: Dazu zählen kaum Verkehr, mehr Grün, mehr Ruhe und ein besseres Stadtklima in dem Gebiet. Für den extrem dicht besiedelten Stuttgarter Westen wäre das ein Segen. Der Verein „Quartierswerkstatt Augustenstraße“ tüftelt deshalb schon länger an einem solchen Super-Block-Konzept für die Augustenstraße: „Ein Superblock setzt sich aus zwei Teilen zusammen“, erklärt Ulrich Heck vom Verein Quartierswerkstatt.

Auf was können sich Anwohner und Besucher freuen?

Der verkehrstechnische Teil bestehe aus Diagonalsperren. Der städteplanerische Teil beschäftige sich hauptsächlich damit, wie die Straßenflächen attraktiver gestaltet werden können: „Während der Stuttgarter Mobilitätswoche werden beide Teile umgesetzt“, betont Heck. An vier Kreuzungen würden Diagonalsperren eingerichtet, um damit den Durchgangsverkehr zu unterbinden. Während der Woche gibt es zudem im Superblock mehrere Veranstaltungsflächen. „Diese sind immer am Fahrbahnrand, und es entfallen entsprechend Parkplätze“, sagt Heck.

Geplant ist, Pflanzkübel mit Bäumen und Fahrradständer aufzustellen. Auf einigen Veranstaltungsflächen werden Parklets aufgebaut, Gastronomiebetriebe bewirtschaften außen. Und es gibt Veranstaltungen auf den besagten Flächen. Eine Modenschau ist geplant, Gesangsgruppen und eine Märchenerzählerin sollen auftreten, und das Spielmobil ist vor Ort. „Im Merlin bieten wir während der gesamten Mobilitätswoche ein Infocafé zum Superblock an“, sagt Arne Hübner vom gleichnamigen Kulturzentrum.

Veranstaltungen rund ums Thema Mobilität

Eine Ausstellung mit Ideen, Plänen und Visionen der Studierenden der Uni Stuttgart zum Superblock wird ebenfalls im Merlin gezeigt. Am Sonntag, 19. September, ist dort zudem ein Familiensonntag geplant. Ab 10 Uhr ist offen, um 11.30 Uhr geht das Public-Viewing-Programm los, gezeigt wird die Sendung mit der Maus.

Und um 15 Uhr steht an diesem Sonntag im Rahmen der Mobilitätswoche eine Fahrrad-Ausfahrt für Kinder und Erwachsene auf dem Programm. Treffpunkt von „Kidical mass“ ist um 15 Uhr der Feuersee. Und abends bieten die Betreiber und Macher vom Augustenstüble, BAR und Merlin als gemeinsames Event den „Augustenwalk mit Augustentalk“ an. „Drei Institutionen der Augustenstraße haben sich zusammengetan, für einen wunderbaren Kulturabend mit gutem Essen, feinen Getränken, Texten, Musik und Gesprächen“, verspricht Hübner. Fola Dada, Stefan Hiss und Ralf Groher spielen und singen ab 20 Uhr im Merlin. Der Eintritt fürs Konzert kostet 20 Euro im Vorverkauf. Tickets für Essen, Getränke und Konzert gibt es für 85 Euro pro Person, Beginn: 18 Uhr. „Verweile doch, du bist so schön“, heißt das Thema des Abends.

Genau, der alte Goethe hatte Recht: Den Augenblick genießen und im Hier und Jetzt leben – das wär’s doch! Vielleicht trägt ja die Mobilitätswoche und der Pop-up-Superblock Früchte und bringt etwas mehr Ruhe in den Alltag. Nach der Mobilitätswoche verschwinden allerdings die Diagonalsperren und anderen Elemente allesamt wieder.

Weitere Infos zur Verkehrsführung und zum Superblock hat die Initiative unter www.superblock-west.de zusammengestellt.




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