Mode aus Stuttgart Kleider gegen Zwangsprostitution

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In dieser Reihe stellen wir Mode aus dem Kessel und der Region vor. Dieses Mal: Das humanitäre Label Glimpse aus Stuttgart. Nach dem Start vor drei Jahren mausert sich die Marke derzeit vom Hobby zum Profiunternehmen.

Die Labelgründer Nathalie Schaller, Teresa Göppel und Simon Schaller (v.l.) sind mehrmals im Jahr in der Glimpse-Werkstatt in Indien. Foto: davidsunderhauf.com 6 Bilder
Die Labelgründer Nathalie Schaller, Teresa Göppel und Simon Schaller (v.l.) sind mehrmals im Jahr in der Glimpse-Werkstatt in Indien. Foto: davidsunderhauf.com

Stuttgart - Faire Löhne, biologisch produzierte Stoffe, transparente Produktionsbedingungen – nur ein paar wenige der Pfeiler, an denen sich – vor allem kleine Modemarken – heutzutage orientieren. Bei dem Modelabel Glimpse aus Stuttgart ist das nicht anders. Was Glimpse von vielen anderen Modeunternehmen unterscheidet: Die 15 Näherinnen, die jedes Kleidungsstück der Marke produzieren, sind ehemalige Zwangsprostituierte, die durch die Mitarbeit bei Glimpse die Chance auf ein eigenständiges Leben bekommen. Glimpse sorgt für die Aufträge für die eigene Werkstatt in Mumbai, Indien, wo die Frauen arbeiten. Durch das geregelte Gehalt können sie sich eine eigene Existenz aufbauen. Betreut werden die Frauen dabei von der Non-Profit-Organisation Chaiim Foundation, die ihnen eine Ausbildung als Näherin sowie verschiedene Bildungsangebote und Hilfestellungen für den Alltag, den viele Frauen nicht kennen, bietet.

Nathalie Schaller und Teresa Göppel waren 2008 als freiwillige Helferinnen in einer Einrichtung für Zwangsprostituierte in Indien beschäftigt. „Der Wunsch, den Frauen langfristig zu helfen, entwickelte sich dort. Deshalb haben wir Glimpse gegründet“, erzählt Schaller. „Der humanitäre Aspekt steht im Vordergrund. Wir haben nicht wegen der Klamotten ein Label gegründet, sondern um den Frauen zu helfen“, versichert Schaller. Das tut den Kleidungsstücken keinen Abbruch. T-Shirts, Blusen, Kleider und Röcke kommen in gedeckten Farben, biologisch zertifizierten Stoffen und schlichten Schnitten daher. „Wir haben bewusst sehr einfach zu nähende Kleidungsstücke in unseren Kollektionen. So können wir den Qualitätsstandard halten. Wir versuchen über kleine Details, Knöpfe und Ziernähte Akzente zu setzen“, sagt die Geschäftsführerin von Glimpse, Nathalie Schaller.

Vom Hobby zum Profiunternehmen

Zusammen mit ihrem Mann Simon Schaller und der Münchner Modedesignerin Teresa Göppel betreibt sie das Label neben ihrem Hauptjob als Juristin. Bislang kostet das Projekt rund 10.000 Euro im Monat, finanziert wird es durch Spenden und den Verkauf der Kollektionen. 2013 ging das Trio mit der ersten Kollektion an den Start. Seither hat sich sowohl in Indien als auch in Stuttgart viel getan. „Glimpse hat sich vom Hobby mit vielen freiwilligen Helfern zu einem richtigen Unternehmen gewandelt. In Zukunft planen wir, davon leben zu können und Angestellte einzustellen“, freut sich Schaller.

In Indien helfen mittlerweile junge Modedesigner und deutsche Fachkräfte ehrenamtlich bei der Produktion mit. In einem Blog berichten sie von ihrem Alltag in der Werkstatt. So soll den Kunden transparent vermittelt werden, was hinter ihren Kleidungsstücken steckt.

In rund 20 Läden in ganz Deutschland gibt es Glimpse mittlerweile, allein im Raum Stuttgart in fünf Geschäften, außerdem in den Niederlanden, der Schweiz und in Österreich und natürlich in einem Onlineshop.

Mehr Glimpse, mehr Sicherheit

Und Glimpse will noch mehr: „Wir haben eine große Verantwortung für die Frauen, wir wollen auch in Zukunft garantieren, dass es genügend Aufträge für Glimpse gibt.“ Deshalb werde die Marke ausgebaut. Die Kollektionen und das Sortiment sollen umfangreicher werden und neben Frauen- und Männerklamotten setzt Glimpse seit Kurzem auch auf Kinder- und Babyklamotten. Außerdem soll es im Onlineshop bald auch andere Labels geben, die nach ähnlichen Grundsätzen wie Glimpse arbeiten. „Wir liebäugeln mit Accessoires wie Schmuck und Taschen, die ebenso von Frauen aus ehemaliger Zwangsprostitution hergestellt werden“, so Schaller.

Bis es soweit ist, kann man auch unter den angenehm zu tragenden T-Shirts, Hosen, Hemden oder Röcken zwischen 25 und 140 Euro fündig werden.

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