Mode für Stuttgarter Männer Ashkan Yousefi Darani bringt Schwung in den Schrank

Von Ina Schäfer 

Von wegen spießig. Von der Stange ist in seinem Laden gar nichts, die Einrichtung nicht und die Kleidung auch nicht. Es gibt alles: vom Maßanzug bis zu den Socken.

Billardtisch aus Rammstein: Mr. Ash hat seinen Laden selber eingerichtet. Foto: Ina Schäfer
Billardtisch aus Rammstein: Mr. Ash hat seinen Laden selber eingerichtet. Foto: Ina Schäfer

S-West - Das beste an seinem eigenen Geschäft? „Ich habe die Möglichkeit mich jeden Tag schick anzuziehen.“ Ashkan Yousefi Darani steht in dem kleinen Eckladen an der Ludwigstraße 106, mitten im Stuttgarter Westen. Schick gekleidet ist er in der Tat, er trägt einen dunkelblauen Anzug, mit Einstecktuch und bordeauxrot-gemusterter Krawatte – und das, ohne dabei spießig zu wirken.

Wie das geht, will er fortan in seinem Laden Mr. Ash weitergeben, den er vor wenigen Wochen eröffnet hat. Mr. Ash ist eine Abkürzung seines Vornamens und ein Spitzname, den er aus einem zweijährigen Aufenthalt in Atlanta mitgebracht hat.

Eines von vielen Souvenirs aus dieser Stadt, in die er sich „sofort verliebt hat“ wie er sagt und aus der er dennoch in die Heimat zurückgekehrt ist. „In Stuttgart sind meine Wurzeln“, sagt er. Ein anderes Souvenir ist eher eine Inspiration. Die Inneneinrichtung seines Ladens nämlich ist angelehnt an seine Lieblingsbar in Atlanta: irgendetwas zwischen Industriecharme der 20er-Jahre und der Speakeasy-Bewegung. Man könnte auch sagen: ein riesengroßer Man Cave, ein Herrenzimmer mit edlen Möbeln, allesamt gesammelt oder selbst gebaut. Der alte Billardtisch stammt aus dem Militärstützpunkt in Rammstein. Das Regal aus Rohren und Holz hat er in seinem Innenhof selbst zusammengebaut. Jeder Teil der Einrichtung erzählt seine eigene Geschichte. Entstanden ist so eine Umgebung, in die sich Whiskey und Zigarren optimal einfügen würden – und es von Zeit zu Zeit auch tun.

Erfahrung hat er in der Vergangenheit genügend gesammelt

Von der Stange ist hier gar nichts, nicht die Einrichtung und nicht die Kleidung, die verkauft wird. Denn um die geht es vordergründig, um Maßanzüge, Manschettenknöpfe, Fliegen, Krawatten – und Socken. Dabei kommt Darani ursprünglich aus einer ganz anderen Branche. Er ist Marketingmanager, hat bei einem großen Unternehmen und eben in Atlanta in einer Kreativagentur gearbeitet und irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Erfahrung hat er in der Vergangenheit genügend gesammelt, privat aber auch beruflich etwa als Mitarbeiter bei Breuninger. Die Leidenschaft für Mode war schon immer vorhanden.

Die Anzüge und Hemden werden von einem Schneider handgefertigt, das Maß aber nimmt Mr. Ash persönlich. Dafür hat der 28-Jährige ein Praktikum bei einem bekannten türkischen Schneider in Istanbul absolviert und viel gelernt über das Maßnehmen, über Stilgefühl und jedes noch so kleine Detail des Herrenanzugs. „Alles an einem Anzug erfüllt eine Funktion. Und alles muss an einem bestimmten Platz sitzen“, sagt Darani selbst ganz fasziniert. Auch Problemzonen lassen sich bei richtigem Einsatz kaschieren.

Auch einen Bräutigam hat er schon ausgestattet

In seinem Laden möchte er das tröge Image entstauben, den ein Maßanzug zuweilen hat. Weg vom Grau und Anthrazit, hin zur Farbe und zum Spaß sich schick zu kleiden. Ein bisschen möchte er mit seinem etwas anderen Geschäft die Angst vor Spießigkeit nehmen. „Man kann ja klein anfangen, etwa bei den Socken“, sagt er und lacht. Auch davon gibt es bei Mr. Ash eine beachtliche Auswahl. Seine Kunden waren bisher zwischen 20 und 35. Auch einen Bräutigam hat er schon ausgestattet. Dabei nimmt das Beratungsgespräch die meiste Zeit ein, die Wahl des Stils und der Stoffe. Zur Auswahl stehen Naturfasern, reine Wolle, Leinen oder Seide beispielsweise. Polyester kommt ihm nicht ins Haus. Ein Schneider, sagt Darani, sei wie ein Zahnarzt, zu dem man ein Vertrauensverhältnis aufbaue und den man nur selten wechselt.




Unsere Empfehlung für Sie