InterviewMode im Württembergischen Landesmuseum „Wir haben einmal ein Zara-Kleid gekauft“

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Das Landesmuseum Württemberg hat auch schon ein DHL-Shirt bei Ebay ersteigert, weil es etwas über unsere Zeit aussagt – meint Maaike van Rijn.

Maaike van Rijn ist eine der Kuratorinnen der „Fashion“-Ausstellung. Foto: © Fotofabrik Stuttgart
Maaike van Rijn ist eine der Kuratorinnen der „Fashion“-Ausstellung. Foto: © Fotofabrik Stuttgart

Stuttgart - Museen hüten die Schätze der Vergangenheit. Aber was wird die Nachwelt von uns anschauen können? Maaike van Rijn ist Kuratorin am Landesmuseum Württemberg versucht für die Nachwelt Kleidung zu sammeln, die etwas über unseren Umgang mit Mode erzählt.

Frau van Rijn, sammelt das Landesmuseum heutige Mode?

Wir haben das Ziel, die Sammlung an die Gegenwart anzuschließen, wobei das schwierig ist, weil man den Überblick erst im Nachhinein hat. Wir haben beschränkte Mittel, aber wir versuchen, das zu sammeln, von dem wir denken, dass es relevant ist.

Wobei Mode vom Primark nicht viel kostet.

Wir sammeln Dinge, die etwas über unseren Umgang mit Mode aussagen. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel ein T-Shirt des Labels Vetements gekauft, das wie ein DHL-Lieferboten-T-Shirt aussieht und mit der Vermischung von Haute Couture und Alltagskleidung spielt. Heute ist nicht so leicht zu erkennen, was teuer, was billig ist, das ist ein Phänomen, das typisch für unsere Zeit ist.

Kaufen Sie auch billigen Ramsch?

Nein, wir kaufen immer dann Dinge, wenn Sie mit mehr Bedeutung aufgeladen sind. Wir haben einmal ein Zara-Kleid gekauft, das von Kate Middleton bei einem öffentlichen Auftritt getragen wurde und plötzlich europaweit ausverkauft war. Dieses Phänomen fanden wir interessant, dass eine Adlige auch Billigmarken trägt und einen Hype auslöst. Also haben wir auf Ebay ein Exemplar ergattert.

Spielt im Museum das Volk heute eine größere Rolle früher?

Historisch gesehen auf jeden Fall. Die Idee, Dinge zu sammeln, war lange dem Adel vorbehalten und übertrug sich erst Ende des 19. Jahrhundert ins Bürgertum. Wobei man eher Porzellan als Kleidung aufbewahrte. Wir kriegen viele Schenkungsangebote mit Tauf- und Hochzeitskleidern, aber niemand würde seine Jeans oder seinen Wintermantel dem Museum anbieten.

Seit wann sammelt man die Kleidung des Volkes?

In Museumssammlungen hat das Anfang des 20. Jahrhundert begonnen mit Trachten und Kleidung von berühmten Personen. Wir stellen in der „Fashion“-Ausstellung ein Kleid von Sissy aus, das man aufhob, weil eine wichtige Person dahintersteckt.

Gibt es Privatsammler für Kleidung?

Ja, sogar auch in Stuttgart. Die einen sammeln Kunst, die anderen Mode, wobei man bei der Lagerung schnell an Grenzen kommt. Kleidung bis in die fünfziger Jahr kann man im Schrank aufheben. Aber schon die filigranen Kleider aus den Zwanzigerjahren mit ihren Perlen, Schnüren und leichten Seiden müssen wir flach lagern in säurefreien Kartons. Sie werden ausgestopft, weil die Materialien bei Falten und Falzen schnell brechen. Tödlich sind Licht und Wärme, deswegen sind Modemuseen immer nur mit fünfzig Lux beleuchtet.




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