Modebranche in Italien Italiens Mode, Frankreichs Profit
Französische Unternehmen kontrollieren fast ein Viertel des Umsatzes italienischer Modekonzerne, bei Luxusmode liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent. Und er könnte noch weiter steigen.
Französische Unternehmen kontrollieren fast ein Viertel des Umsatzes italienischer Modekonzerne, bei Luxusmode liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent. Und er könnte noch weiter steigen.
Italien ist die weltweite Nummer eins im Luxusmodensektor. Nach hohen Wachstumsraten in den Jahren 2022 und 2023 hat sich das Tempo jedoch zuletzt verlangsamt: Für 2024 wird nur noch ein Wachstum von drei Prozent auf Erlöse von 94 Milliarden Euro erwartet.
Die im alljährlichen Mode-Branchenbericht der Mediobanca verzeichneten 175 italienischen Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaften mit fast 300 000 Beschäftigten etwa 1,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Landes. Besonders stark sind sie im Luxussegment: Dort sind die Betriebsmargen mit 16,4 Prozent auch besonders hoch.
Produziert wird in diesem Segment zu fast 90 Prozent in Italien. Etwa zwei Drittel der Produktion wird exportiert. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch viele Käufe in Italien durch Ausländer erfolgen: In den Luxusboutiquen von Rom, Mailand oder Florenz kaufen vor allem Touristen ein. Wichtigste Segmente sind Bekleidung und Lederwaren, inklusive Schuhe.
Die Unternehmen der Modebranche in Italien sind vergleichsweise klein. Anders etwa in Frankreich, das mit dem Branchenführer LVHM und Kering über zwei riesige Unternehmen verfügt – zu denen im übrigen auch italienische Marken gehören: So sind Acqua die Parma, Berluti, Fendi, Bulgari, Loro Piana und Emilio Puccci ein Teil der LVHM-Familie, während Kering Brioni, Gucci, Valentino (30 Prozent) und Bottega Veneta unter seinem Dach hat. Während etwa LVMH allein im ersten Halbjahr auf einen Umsatz von 41,7 Milliarden Euro kam, erlöste die italienische Nummer eins, die in Hongkong börsennotierte Prada, im Gesamtjahr 2023 gerade einmal 4,2 Milliarden Euro.
Bei der Marktkapitalisierung liegt unter den Italienern Moncler mit 15 Milliarden Euro vorn. Dass LVMH (Marktkapitalisierung: 326 Milliarden Euro) an dem Unternehmen, das auf einen Umsatz von drei Milliarden Euro kommt, eine zunächst indirekte Beteiligung übernommen hat, bewerten Beobachter als Vorstufe zu einer möglichen späteren Übernahme. Interessant ist dabei, dass Moncler ursprünglich ein französisches Unternehmen war und in der Nähe von Grenoble gegründet wurde. Zu Moncler gehört auch die Outdoor-Marke Stone Island.
Erst im Sommer hatte sich die dem LVMH-Großaktionär Bernard Arnault gehörende Private-Equity-Gesellschaft L Catterton mit 36 Prozent an dem Schuhhersteller Tod’s beteiligt, zu dem auch die Marken Hogan, Fay und Roger Vivier gehören. Tod’s war im Juni von der Börse genommen worden. Auch der Schuhproduzent dürfte über kurz oder lang bei LVMH landen. Mediobanca erwartet eine weitere Konsolidierung in der Branche.
Noch offen ist, wie es mit Giorgio Armani weitergeht. Der gleichnamige Firmengründer und Chef des fast schon legendären Unternehmens ist 90. Er hat eine Stiftungslösung eingefädelt und seine Schwester und andere Verwandte bedacht.
Französische Unternehmen kontrollieren fast ein Viertel des Umsatzes italienischer Modekonzerne. Im Luxussegment liegt der französische Anteil sogar bei 60 Prozent. Das sorgt in Italien immer wieder für Kritik.
Doch ist der Einstieg etwa von LVMH oder Kering eher segensreich für die italienischen Unternehmen gewesen. Die Franzosen haben etwa in die Schuh- und Schmuckproduktion investiert. Viele italienische Unternehmen hätten allein gar nicht die Mittel für eine internationale Expansion, eine Ausweitung ihrer Produktion und die Digitalisierung. Außerdem stehen sie oft vor Nachfolgeproblemen.
Nicht nur in der Mode, sondern auch in anderen Sektoren liegen die Stärken Italiens im Luxussegment. Bei Luxusjachten etwa sind die Italiener mit Sanlorenzo, Azimut Benetti oder Ferretti und mit Marken wie Riva, Baglietto oder Perini weltweit führend. Auch Autohersteller wie Ferrari und die Audi-Tochter Lamborghini werden von Analysten eher dem Luxussektor als der Automobilbranche zugerechnet. Und auch bei Fahrrädern (Colnago, Bianchi, Pinarello) sowie in der Möbelindustrie setzt das Land vor allem auf qualitativ sehr hochwertige Produkte. Das hat Investoren aus dem Ausland angezogen, die etwa in der Fahrradindustrie sehr stark präsent sind, darunter die niederländische Holding Accell Group, der südafrikanische Unternehmer Ivan Glasenberg und L Catterton – also wieder Bernard Arnault.
Ausfuhren
Italien ist mit Ausfuhren von 626 Milliarden Euro (2023) der weltweit sechstgrößte Exporteur. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen neben Mode- und Luxusgütern vor allem Stahl, Maschinen, Autokomponenten sowie Chemie- und Pharma-Produkte.
Partner
Der bei weitem wichtigste Handelspartner ist Deutschland, wobei Baden-Württemberg ganz vorn liegt.