Der Modelleisenbahn-Club (MEC) Frickenhausen (Kreis Esslingen) kann wohl doch in einen größeren Raum umziehen und seine Anlage damit erhalten.

Ständig entdeckt man Neues: Hier ein paar grasende Kühe, weiter drüben einen Gärtner in einem winzigen Kräutergarten und dort ein Pferdegespann. Menschen unter einem Sonnenschirm oder spielende Kinder. Es gibt Wohnhäuser, Gasthöfe, eine Tankstelle und sogar ein Sägewerk, per Magnetstreifen gelenkte Autos und Lastwagen genauso wie Bahnhöfe. Durch diese Landschaft rollen Runde um Runde Personen- und Güterzüge im Format H0. Geschaffen wurde diese Miniaturwelt im Maßstab 1:87 vom Modell-Eisenbahn-Club (MEC) Frickenhausen. Am Wochenende öffnete der Verein sein Domizil für Besucherinnen und Besucher.

 

Tälesbahn als Vorbild für Anlage

Vorbild für die Anlage ist die Tälesbahn-Strecke zwischen Nürtingen und Neuffen, wie sie in den 70er-Jahren existierte. Sie wurde zwar etwas gerafft, aber sonst recht detailgetreu nachgebaut. Der Abschnitt zwischen Frickenhausen und Neuffen existiert bereits. An der Erweiterung Richtung Nürtingen samt Bahnhof wird noch gearbeitet. Die Präzision, mit der die Modelleisenbahner Gebäude und Gelände anhand von Fotografien und eigenen Vermessungen nachgebaut und modelliert haben, begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Den Älteren dürfte manches noch bekannt vorkommen. Zu sehen sind beispielsweise Details wie eine gelbe Telefonzelle, aber auch der Hörnle-Steinbruch, der inzwischen ein Naturschutzgebiet ist. Für die Anlage wurde er mit einer Materialseilbahn aufwendig nachgebaut. Nur den Neuffener Bahnhof mussten die Modellbauer nicht selbst entwerfen, ihn gibt es als Bausatz zu kaufen.

Auch immer mehr Jüngere begeistern sich für Modelleisenbahnen

Bis vor Kurzem sah es so aus, als sei diese Anlage, an der gut 20 Jahre mit viel Herzblut gebaut wurde und die noch immer nicht fertig ist, zum letzten Mal zu sehen. Denn die Gemeinde Frickenhausen musste dem Verein wegen Eigenbedarfs den Clubraum im alten Schulhaus kündigen. Dieser wird künftig für die Grundschulbetreuung benötigt. Doch der Verein fand keine neue Bleibe, die groß genug ist, um die zehn Meter lange Anlage erneut aufzubauen. Ein Teil der Anlage hätte dann wohl verschrottet werden müssen.

Nun gibt es seit Freitagabend aber doch ein Angebot. Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, weshalb der Verein vorerst keine Details bekannt geben darf. „Es sieht aber gut aus, dass wir weitermachen können“, sagt der Vorsitzende Werner Schlegel.

Momentan hat der Verein 18 Mitglieder – mit steigender Tendenz. Inzwischen kann der MEC auch immer mehr jüngere Modellbahner für dieses Hobby begeistern. Die Nachwuchsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Willkommen sind aber nicht nur Jüngere, sondern alle Generationen.

Eine Mini-Modelleisenbahn der Spur Z in einem Koffer. Foto: privat

Modelleisenbahn im Stubenwagen

Passion vereint Generationen

Die Jungen lernen viel von den Älteren – und umgekehrt. „Jeder kann sich einbringen, wie er möchte“, sagt der zweite Vorsitzende Christian Weber. Der eine arbeitet am liebsten mit Holz, der andere mit Metall. Die einen interessieren sich vor allem für die technischen Finessen, die anderen eher für den Bau von Häusern und Landschaften. Sie alle eint das Ziel, ein Vorbild so detailgetreu wie möglich nachzubauen. So entsteht eine Miniaturwelt, die nicht nur ihren Erbauern, sondern auch den Zuschauern viel Freude bereitet. Am Wochenende wurden auch zwei besonders filigrane Modellbahnen in der Spur Z gezeigt. Beide sind anders als die große Anlage mobil. Die eine ist in einem Koffer aufgebaut, die andere in einem ehemaligen Stubenwagen.