Der Modelleisenbahnclub Stuttgart lädt wieder in seine Clubräume zu seiner großen Ausstellung mit Vorführungen ein. Es gibt viel Neues zu entdecken. Um zu den Vorführungen zu gehen, muss man eines beachten.

Zwei Treppen runter, einmal um die Ecke, durch die – in Wand geschmiegte – rostbraune Doppelstahltüre, an der viele achtlos vorbeigehen! Schon der Weg zu den Räumen des Modelleisenbahnclubs Stuttgart (MECS) ist reizvoll. Und die Welt, die sich im zweiten Zwischengeschoss der S-Bahn-Haltestelle Universität in Stuttgart-Vaihingen wieder zur Wintersaison bis Januar öffnet, lässt nicht nur die Herzen eingefleischter Eisenbahnfans schneller schlagen.

 

Taucht man doch in eine liebevoll wie detailgetreu nachgebildete Mittelgebirgslandschaft im Maßstab 1:87 ein. Ein Kilometer Schienen und etwa 330 Weichen liegen dort! Darauf sausen kleine Züge zwischen grünsanften Tälern und bewaldeten Hügeln, Bauernhöfe, intakter Natur und glücklich frei lebenden Tieren, durch Städtchen mit pittoresken Häusern, Cafés und Kirchen, wo Minifiguren das Leben genießen.

Ein Schmaus für die Augen und für Bastler

Ein Schmaus fürs Auge, für Technikadepten und Bastler! Gefahren wird in dieser gemalten und gebauten Kulisse auf der Spurweite H0 im Zweileiter-Gleichstrom-System zwischen vier Bahnhöfen, zwei Schattenbahnhöfen, einer eingleisigen Strecke, Ausweich-, Warte- sowie Umfahrgleise. ICEs sind darunter, aber die 80 Zugeinheiten stammen auch aus älteren Epochen. Peter Anhalt erläutert die Anlage. Der MECS-Geschäftsführer bildet mit Wolfgang Krampe, Hans-Ulrich Firnhaber und Christian Matz den Vorstand. Er wurde 1947 gegründet, war viele Jahre im Untertürkheimer Bahnhof, seit 1993 hat er in Vaihingen sein Zuhause.

45 Mitglieder habe man, so Anhalt. „Neue sind jederzeit willkommen.“ 15 Aktive werkeln an ihrer Anlage, widmen sich, nach Gusto, Wissen und Erfahrung in den Arbeitsgruppen Rahmen- und Holzbau, Gleis-, Weichen- und Signalbau, elektrische Schaltungen, Geländebau, Stadtentwicklung und Fahrzeugpflege. Viel Neues ist zu entdecken, wie die „Paradestrecke/2“. Fertig sind die Weinberge, die an das Flusstal der „Alei“ anschließen. Mehrere Tausend Reben – von Riesling bis Spätburgunder inspiriert vom Neckartal – „pflanzte“ Walter Meier. In das dazugehörige Dorf hat er das Uhlbacher Rathaus gesetzt. „Unser Kulissenmaler Michael Fuchs wird noch die Grabkapelle auf dem Württemberg dazu beisteuern“, sagt Meier.

Eine Zacke rattert den Berg hinauf

Der Mann für Landschaft und Architektur baut nicht nur Originale nach, er konzipiert auch fiktive Stadtbilder. Vor das „Schwabentor“, das jüngere der beiden noch erhaltenen Stadttortürme Freiburgs, hat er kürzlich eine fröhliche Marktszene gestaltet. Vorbild für die Station „Reutte“ ist der alte, unter Denkmalschutz stehende Bahnhof von Calw – von Fuchs mit feinster Sprühtechnik in Steinoptik verwandelt. Seit Jahren imposant: Die Schmalspurbahn, die sich als Zahnradbahn am Fels schlängelt, durch einen Tunnel, über Brücken und durch eine Schlucht am Wendelberg entlang. Überwacht wird der Fahrbetrieb an drei vollelektronischen Stellpulten, die Clubmitglieder entwickelt haben. Krampe hat das System in weit mehr als 300 Stunden Arbeit konzipiert und zusammengelötet. Er erläutert einen Bildschirm an der Wand. Auf diesem kann man verfolgen, wo die Züge fahren, wie die Weichen gestellt sind. Die digitale Zugfahrt der Zukunft wird indes an einer volldigitalen „Modellprojekt-Ecke“ getestet: am Bildschirm-Stellpult ohne Knöpfe und Kippschalter.

Basar, Café und Bastelecke für Kinder

Gegenüber wird wieder an den Vorführtagen der Basar zu finden sein – mit Schmankerln des Modellbaus. Auf der Empore bietet das Team des Cafés Gleisblick Speisen und Getränke an – mit bester Aussicht auf die Anlage. „Und unsere Bastelstube für Kinder kann endlich wieder geöffnet werden“, freut sich Anhalt. Aber das Coronavirus kursiert noch, daher ist der Zutritt zu den MECS-Vereinsräumen im Untergrund erneut limitiert. „Besucherinnen und Besucher müssen zuvor online ein Ticket buchen“, betont Anhalt.

Der Modelleisenbahnclub öffnet jeweils von 10 bis 13 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr seine Tore zu Vorführtagen an den Sonntagen vom 4. und 11. Dezember, am Freitag, 6. Januar, und an den Sonntagen 8. und 22. Januar. Eintrittskarten gibt es online unter www.mec-stuttgart.de .