Fürth/Göppingen - Der Modelleisenbahnbauer Märklin hat im vergangenen Weihnachtsgeschäft einen Auftragsboom verzeichnet. Im Vergleich zum Ende des Vorjahres sei der Auftragsbestand in den Büchern Ende Dezember 2020 um 40 Prozent höher ausgefallen, sagt Florian Sieber, der geschäftsführende Gesellschafter des Märklin-Eigners Simba Dickie Group in Fürth. „Das Virus hat uns nicht allzu hart getroffen“, erklärt Sieber – und dennoch sei er zwiegespalten.
Im vergangenen Frühjahr mussten erst die ungarische Märklin-Fabrik und dann in der Folge auch das Stammwerk am Märklin-Sitz in Göppingen wochenlang geschlossen werden. „Wir mussten die Produktion massiv zurückfahren, das war nicht mehr aufholbar“, bedauert Sieber. Deshalb liege man 2020 bei Märklin nur leicht über den 112 Millionen Euro, die man im Jahr zuvor erwirtschaftet habe.
Ähnlich sieht es auch bei Simba Dickie selbst aus. „In einigen Märkten sind wir relativ gut durchgekommen“, sagt Florian Sieber – etwa in Deutschland und den USA. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, lag der Umsatz von Spielwaren im vergangenen Jahr hierzulande bei insgesamt 3,7 Milliarden Euro und betrug damit 300 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht.
2020 hat Simba Dickie insgesamt 715 Millionen Euro umgesetzt
Simba Dickie verkauft nur ein Viertel des Sortiments aus mittlerweile 22 Marken wie Schuco (Modellautos), Big (Tretroller) oder Zoch (Gesellschaftsspiele) in Deutschland. Wichtige Auslandsmärkte waren aber stark von Lockdowns betroffen. 2020 hat Simba Dickie insgesamt 715 Millionen Euro umgesetzt – knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Geplant waren 725 Millionen Euro. Ausgestanden sei die Corona-Misere allerdings noch nicht. „Wir sehen Gefahren für den Vertrieb“, sagt Sieber mit Blick auf das laufende Jahr. Denn im stationären Handel würden Pleiten drohen, die sich auch auf das eigene Geschäft auswirken könnten. Vorsorglich hat Simba Dickie deshalb schon die Belieferung von pleitebedrohten Händlern reduziert, um nicht auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben.
In China fehlen Schiffscontainer
Doch auch wenn stationäre Absatzkanäle wegfallen, will weder Simba Dickie noch Märklin selbst zum Online-Händler werden. „Wir machen unseren Handelspartnern keine Konkurrenz“, stellt Florian Sieber klar. Beim Marketing setzt die Spielwarengruppe aber immer mehr auf das Internet in Form von Youtube und Instagram. Dort werden mit Erklärvideos und kleinen Animationsserien Fans von Märklin-Eisenbahnen, der Spielzeughündin Chichi Love oder anderer Verkaufsschlager des Familienimperiums angesprochen. Auch deshalb hofft Sieber fürs neue Geschäftsjahr mit einem Umsatz von bis zu 120 Millionen Euro bei Märklin. Wegen der prekären Lage des stationären Handels rechnet die Simba-Dickie-Gruppe insgesamt eher mit einem stagnierenden Geschäft. Vieles sei von der Entwicklung der Corona-Krise abhängig, was die Planung erschwere. Dazu kommt ein weiteres Problem. „Die Liefersituation in China ist eine Katastrophe“, sagt Sieber. Dort, wo ein Großteil der weltweit verkauften Spielwaren produziert wird, würden derzeit viele Schiffscontainer fehlen. Die Frachtkosten hätten sich deshalb schon vervielfacht. Wann dieser Engpass behoben ist, weiß die Fürther Unternehmensgruppe nicht. Auch deshalb könne weniger Spielzeug verkauft werden, als nachgefragt werde.
„Wir sind recht zuversichtlich, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen“, sagt Sieber dennoch. Vor allem der hohe Auftragsbestand bei Märklin macht ihm Mut. „Entscheidend ist, wie schnell wir die Ware produzieren können“, stellt er klar. Personal wurde in der Corona-Krise zumindest in Deutschland nicht abgebaut. Von den 2950 Beschäftigten in der Simba-Dickie-Gruppe arbeiten knapp 800 Leute hierzulande und damit etwas mehr als vor Jahresfrist. Bei Märklin in Deutschland kommen zudem weitere 470 von insgesamt 1200 Beschäftigten hinzu. Rechnet man alles zusammen, kommt die Unternehmensgruppe mit all ihren Marken auf einen Gesamtumsatz von 830 Millionen Euro. Zur Ertragslage hält sich die Gruppe bedeckt. Sie sei trotz Pandemie weiterhin gut und solide, heißt es vage.