Tempo 30 auf der alten Bundesstraße 10, der Rückbau von Straßen, leisere Fahrbahnbeläge: Ein Modellprojekt soll Salach, Süßen und Eislingen mehr Ruhe bringen.

Eislingen/Salach/Süßen - Die erste Stufe des verkehrsübergreifenden Lärmschutzkonzeptes im mittleren Filstal ist abgeschlossen. Die Gemeinden haben im Rahmen des Modellprojekts „Leiser ist das Ziel“ gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Baulastträgern ein ganzes Paket an Einzelmaßnahmen als Vorschlag erarbeitet. Es umfasst Belagssanierungen, Tempolimits, teils auch den Rück- und Umbau der Straßen oder die Pflanzung von Straßengrün – ein ganzes Paket an sogenannten Lärmsanierungen.

Blaupause für das ganze Land

Das Ziel ist, die Gesamtlärmbelastung zu senken, ohne dass sich dafür an anderer Stelle durch Verkehrsverlagerungen neue Probleme auftun. Das Modellprojekt des Landesverkehrsministeriums soll die Blaupause für ein Gesetz geben, wonach später Kommunen eine entsprechende Förderung beantragen können. Die Kommunen im Filstal waren für das Projekt ausgesucht worden, weil sich dort exemplarisch das Zusammenspiel von Bahn, Bundes- und Landesstraßen sowie kommunalen Straßen gut erproben lässt.

Tempo 30 auf der alten B10

Am leichtesten mit der Umsetzung tut sich Eislingen. Als Große Kreisstadt muss man sich nicht in allen Belangen mit den übergeordneten Behörden abstimmen. So wurden einzelne Maßnahmen bereits im Gemeinderat beraten. Unter anderem geht es um die Einführung von Tempo 30 auf der ehemaligen B 10, also der Ulmer und der Stuttgarter Straße. Andererseits rechnen die Fachleute damit, dass Tempo 30 einige Autofahrer dazu bringen könnte, auf andere Routen auszuweichen. Als Gegenmaßnahme wird deshalb auch Tempo 30 auf in Frage kommenden Ausweichstrecken vorgeschlagen. Zum Teil sind diese Maßnahmen bereits Bestandteil der städtischen Pläne für den Rückbau der ehemaligen B 10 oder der eigenen Radverkehrskonzeption.

Mehr Absprachen erfordern die geplanten Lärmsanierungen in den Nachbarorten Salach und Süßen. In beiden Kommunen sind vor allem die Durchgangsstraßen betroffen, wobei Süßen sehr auf den Rückbau der B 466 setzt. Bekanntlich wird die Umfahrung zurzeit gebaut. Süßen und Salach sind jedoch in der Regel auf den Kreis oder das Land angewiesen, die für die Kosten aufkommen müssen oder deren Verkehrsbehörden entsprechende Tempolimits anordnen müssen. „Wir gehen jetzt in die Gespräche und hoffen, dass wir die Kostenteilung bis zum Juni festzurren werden“, erklärt der Süßener Bürgermeister Marc Kersting. Immerhin gebe es dafür Zuschüsse.

Kersting erwartet klare Erfolge

„Jede Maßnahme ist abgestimmt“

Für das Modellprojekt ist er voll des Lobs. „Wir werden die Lärmbelastung mit überschaubaren Maßnahmen insgesamt deutlich senken können“ sagt er. Vor allem aber gebe es keine Maßnahme, die nicht abgestimmt sei. „Bisher hat jeder nur für sich nach der besten Lösung gesucht“, so Kersting. Eines bedauert er allerdings: die Bahn hätte mit ins Boot geholt werden sollen, hatte sich jedoch mit dem Hinweis auf die unlängst erfolgte Lärmsanierung entlang der Filstaltrasse zurückgezogen.

Unklar ist noch, wie die Kommunen mit den weiteren Anregungen der Bürger umgehen sollen, die sich online beteiligen konnten. Demnach ist es nämlich nicht nur der Straßenlärm, der stört. Auch bellende Hunde der Nachbarn, tobende Kinder auf Spielplätzen und Schulhöfen oder das Feuerwerk auf der Burg Staufeneck empfinden manche als Last.