Modellstandort Stuttgart Eichendorffschule und Elly kooperieren

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Es ist in Stuttgart eine Kooperation der eher ungewöhnlichen Art: Das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium und die benachbarte Eichendorffschule in Bad Cannstatt haben gemeinsam neuartige Raumkonzepte mitentwickelt.

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Stuttgart - Es ist in Stuttgart eine Kooperation der eher ungewöhnlichen Art: Das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium und die benachbarte Eichendorffschule in Bad Cannstatt haben gemeinsam neuartige Raumkonzepte mitentwickelt, die innovative Lernformen ermöglichen sollen. Die dort geplanten Neubauten bieten die seltene Chance, die Schulen für inklusiven Unterricht, die Einbeziehung der Musikschule in den Ganztagsbetrieb und die Öffnung in den Stadtteil neu aufzustellen. Am Dienstag sind die Pläne, aber auch die Unwägbarkeiten und Hindernisse im Schulbeirat vorgestellt worden.

„Wir wollen inklusive arbeiten und Grenzen abbauen“, sagte Norbert Edel, der Leiter des Elly. Um auszuloten, wie das am besten funktioniert, hat er sich mit seinem Kollegen Matthias Bolay von der Eichendorffschule an anderen Schulen in der Republik umgeschaut, etwa in München und Augsburg, und dort eine Woche lang hospitiert. „Für beide Schulen hat ein großer Veränderungsprozess begonnen“, sagte Bolay. Denn beide Schulen wollen auch ihr Ganztagskonzept optimieren – das Elly im offenen Bereich, die Eichendorffschule in der gebundenen Form. Und beide wollen dafür mit der Musikschule, aber auch untereinander, eng kooperieren. Die Initialzündung hierzu war ein von der StZ und der PWC-Stiftung veranstaltetes Projekt mit dem Rapper Samy Deluxe und einer großen Bühnenshow in der Scharrena.

Profis für musikalische Bildung erwünscht

Bolay wünscht sich für seine Grund- und Werkrealschüler neben der sportlichen Grundbildung durch den TVC auch eine musikalische Grundbildung: „Wir haben wenig Fachlehrer in Musik.“ Edel würde gern das Kulturprofil seines Gymnasiums „in einem umfassenden Sinn“ ausbauen – dazu gehörten neben der Inklusion auch ein Ganztagskonzept, Lernräume und der Schwerpunkt Kunst, Theater, Musik. „Das verbindet sich am besten im Musiktheater, im Musical, aber dafür brauchen wir professionelles Knowhow“, so Edel.

Das würde Friedrich-Koh Dolge mit seiner Musikschule gern bieten, um möglichst vielen Kindern Zugang zur musikalischen Bildung zu verschaffen – auch Kindern in der verbindlichen Ganztagsschule. „Wir warten sehnsüchtig auf das Ganztagsschulgesetz und darauf, wie die Bedingungen für die Musikschule sein werden“, so Dolge. Auch die Finanzierung solcher Angebote ist noch offen. Denn die verbindliche Ganztagsschule ist, bis auf das Essen, gebührenfrei. Dolge: „Wir verhandeln derzeit mit Trägern der Jugendhilfe. “

Noch wird um Probe- und Percussionräume gestritten

Ein weiterer, ungeklärter Punkt betrifft die Räumlichkeiten. Beide Schulen hätten gern Extraräume für Musik: die Eichendorffschule einen für Percussion, das Elly drei Zimmer für Instrumentalunterricht und zwei Proberäume. Beide Schulen würden ihre Räume gern auch für die Musikschule bereitstellen – die dort auch Kinder aus dem Stadtteil bedienen könnte. „Es geht uns drum, die Schule ins Quartier zu integrieren“, so Edel. Auch Dolge würde die Lösung gefallen – parallel zum bisherigen Musikschulangebot. Doch die Beschlussvorlage hängt derzeit noch beim „Kollegen Finanzbürgermeister“, wie die Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann erklärte. Gestritten wird offenbar um 70 Quadratmeter mehr fürs Elly und 24 Quadratmeter mehr für die Eichendorffschule.

Und noch etwas bremst das Vorhaben, einen Modellstandort für inklusive Beschulung zu schaffen. „Wie Kommunen die inklusive Beschulung umsetzen sollen, das wissen wir noch nicht“, so Eisenmann. Sie arbeite zwar an der Umgestaltung der Schulbauförderrichtlinien des Landes mit, doch diese sollen erst 2015 fertig sein.

Cannstatter Beispiel weckt auch andernorts Begehrlichkeiten

Im Schulbeirat bat Barbara Graf, die Geschäftsführende Schulleiterin der Gymnasien und Leiterin des Hegel-Gymnasiums, solche Kooperationen und Proberäume auch anderen Schulen zu ermöglichen. Ihr Kollege Fred Binder von den Realschulen sekundierte. Eisenmann sagte zu: „Wir machen das auch in Vaihingen – im nächsten Schritt.“ Interesse an einer Kooperation mit der Musikschule äußerte auch Anne Magner als Vertreterin der Beruflichen Schulen. Dolge machte jedoch klar, dass Grundschulen Vorrang vor beruflichen Schulen hätten: „Die Rhythmisierung ist für uns kein Problem.“ Aber ein flächendeckendes Angebot, wie es Iris Ripsam (CDU) als wünschenswert ins Spiel brachte, sei „derzeit mit Bordmitteln nicht möglich“.




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