Modenschau an der Stuttgarter Kerschensteinerschule Junge Designer setzten Zeichen gegen Wegwerfmode

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Die angehenden Designer der Kerschensteinerschule fordern zum verantwortungsvollen Umgang mit Kleidung auf: Gekauft wird nichts war das Motto für die Kreationen, die sie auf dem Laufsteg präsentieren.

Die Materialien stammen aus dem Fundus der Schule und die Jungdesigner haben sie mutig  kombiniert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 8 Bilder
Die Materialien stammen aus dem Fundus der Schule und die Jungdesigner haben sie mutig kombiniert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Gekauft wird nichts! Mit diesem Grundsatz haben die Schüler des Berufskollegs Mode und Design an der Kerschensteinerschule die Modelle für ihre Fashionshow entworfen und genäht. Es ist die 20. Ausgabe mit Mode aus der Hand der Absolventen. Modedesignerin und Lehrerin Catherine Strobel-Theunissen findet, dass es Zeit wurde, die Show zu verändern. Das fängt bei der Location an: Der Laufsteg ist jetzt im Parkhaus der Schule. „Wir wollen die Besucher so auch animieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Die Garage ist für unsere Show komplett gesperrt“, betont Schulabsolventin Arabella Sejdija.

Eine Tonne für rote Stoffe

Damit schlägt sie den Bogen zum modischen Motto: Nachhaltigkeit statt Fast Fashion. Informationen über Produktionsbedingungen und Umweltzerstörung durch die Wegwerfmode gehört zur Ausbildung. „Kürzlich waren wir auf der Fair-Trade-Messe und haben uns den Vortrag einer Frau aus Indien angehört, die über die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie berichtet hat“, sagt Timo Kurz aus dem ersten Ausbildungsjahr. Er präsentiert eine rote Cargohose, für die er ausschließlich gespendete Stoffe verwendet hat. „Kerschi Rot“ stand auf den Tonnen, in die alle Schüler und Lehrkräfte rote Stoffe werfen konnten. „Vom Vorhang bis zur Krawatte war alles dabei“, berichtet Cemre Simsel. Sie hat ein rotes Jackett mit Tüll kombiniert und aus den gegensätzlichen Stoffen einen Rock genäht. Ihre Mitschülerin Winta Woldi muss bis zur Modenschau noch die letzten Nähte an dem Outfit aus vielen roten Patchwork-Elementen schließen. „Das Upcycling verursachte anfangs viel Unmut“, verrät die Lehrerin. „Die Schüler aus der Abschlussklasse hatten sich das Konzept ausgedacht und den Einsern vorgesetzt.“

Bei den Lehrern fand die Idee dagegen sofort Beifall: „Die begrenzte Menge an Ausgangsmaterial hat die Kreativität enorm gefördert“, beobachtet Catherine Strobel- Theunissen. Dabei haben es sich die 42 Absolventen selbst nicht leicht gemacht. Acht Themen in den Farben des Regenbogens sowie in Schwarz und Weiß zeigen sie bei ihrer Fashionshow. „Wir haben alle Materialien genommen, die wir in den Schränken der Schule gefunden haben“, erzählt Maren Eisenmann. Nur die Farbe Lila kauften sie im Ausverkauf eines Herstellers ein, denn davon war in der Schule fast nichts zu finden. Die Stoffe haben die Nachwuchsdesigner zum Teil in ihrer Struktur verändert, bevor sie Modelle daraus genäht haben. So wurde beispielsweise plissiert und wattiert.

Ein Schub für die Kreativität

„Früher haben alle zuerst ihre Entwürfe gemacht, dann wurde Stoff bestellt“, berichtet die Lehrerin. Dieses Mal war es genau anders herum. Seit September arbeiten die Absolventen und die Schüler aus dem ersten Ausbildungsjahr an ihrer Kollektion. Prinzessinnenkleider wie in den Vorjahren sind nicht mehr vertreten. Absolventin Debora Bauer begrüßt das ausdrücklich: „Das Bild ist jetzt viel sportlicher und unsere Mode am Trend orientiert.“ Auch das Schuhproblem für den Laufsteg haben die Schüler gelöst: „Wir wollten keine Fünf-Euro-Schuhe kaufen, und deshalb ziehen wir jeweils in der Farbe des Outfits Socken über unsere Sneakers“, verrät Alexandra Holz und Timo Kurz frotzelt: „Das sieht aus wie die Sneakers von Balenciaga.“ Obwohl kein einziger hoher Absatz in der Show zu finden ist, bekommen alle ein Lauftraining: Damit das Defilee professionell aussieht.

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