Modesünde aus den 90er Jahren Das Comeback der Radlerhose

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Und noch einmal ein Widergänger aus dem Jahrzehnt des Technos, des Grunge und der Girlies: die Radlerhose ist zurück. Das hautenge Teil, das eigentlich – wie der Name schon sagt – Radfahrern vorbehalten sein sollte, hat sich seinen Weg vom Laufsteg an die Hipster-Beine gebahnt.

Bereits 2014 sah man die Radlerhose an Models bei der Berliner Fashion Week. Bei der Show der  Designerin Franziska Michael ging es aber offenbar eher um die abgefahrenen Jacken. Foto: dpa 5 Bilder
Bereits 2014 sah man die Radlerhose an Models bei der Berliner Fashion Week. Bei der Show der Designerin Franziska Michael ging es aber offenbar eher um die abgefahrenen Jacken. Foto: dpa

Stuttgart - „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, hat der Stardesigner Karl Lagerfeld 2012 in der Talkshow von Markus Lanz gesagt. Da ihn aber sein Geschwätz von gestern offenbar nichts weiter angeht und die Mode sowieso ein flatterhaftes Phänomen ist, bestand seine Winterkollektion 2014/2015 für Chanel aus Jogginghosen, Leggings und Tweed-Sneakern.

Kim Kardashian und Kendall Jenner tragen gerne Radlerhosen

Was Lagerfeld über die Radlerhose gesagt hat, ist nicht überliefert. In seine Kollektion hat er sie vergangenes Jahr jedenfalls mit eingebaut. In silberfarben und hellgrau blitzte sie bei der Chanel-Show in Paris unter einer Bluse im Babydoll-Schnitt hervor. Einer der ersten, der die Radlerhose aus dem Dornröschenschlaf weckte, war der Hip-Hop-Mogul Kanye West, der khakifarbene und schwarze Modelle in seine „Yeezy Season 3“-Kollektion von 2016 und die nachfolgende „Yeezy Season 4“-Kollektion integrierte. Und weil Kanye Wests Netzwerk perfekt funktioniert, hat sein Clan die Teile in der Promi-Welt zum It-Piece gemacht. Stars wie seine Ehefrau Kim Kardashian oder deren Halbschwester Kendall Jenner tragen die hautengen Teile in Kombination mit übergroßen Sweatshirts, Trenchcoat und High-Heels. Auch das italienische Luxuslabel MSGM ließ bereits in seiner Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2017 unter Kleidern und Röcken mit XL-Volants blaue und schwarze Radlerhosen hervorblitzen.

Bereits in den 80er Jahren gab es einen Radlerhosen-Hype

Was gerne in Neonfarben und leicht glänzend vor mehr als 30 Jahren ihr Unwesen trieb, ist nun also wieder angesagt. Männer und Frauen waren den Radlerhosen bereits in den 80er Jahren verfallen. Sie wurden nicht nur zum Aerobic-Kurs angezogen, sondern auch auf der Straße spazieren getragen. Zum Ende der 90er Jahre hin verschwand das Beinkleid, das zumeist aus dehnbarem Elasthan hergestellt wird und jedes Gramm Fett offenbart, wieder von der Bildfläche. Seither galten Radlerhosen als modisches No-Go und waren denjenigen vorbehalten, die die Hosen rein funktional nutzen: den Radfahrern, weil: bequem, atmungsaktiv und aerodynamisch.

Das 90er-Jahre-Revival ist schuld

Das Comeback der von vielen mit Augenrollen quittierten Synthetikhosen lässt sich zum einen mit dem 90er-Jahre-Revival erklären, das die Mode seit einiger Zeit erfasst hat. Ob Bauchtasche (Hip Bag), Plateausneaker der Marke Buffalo (manche nennen sie auch die hässlichsten Schuhe aller Zeiten) oder Jelly-Shoes (die durchsichtigen Badesandalen mit Riemchenverschluss) – die Hipster und Trendhüpfer in den Großstädten schmücken sich mit längst tot geglaubten Modesünden aus der Hochzeit des Technos, des Grunge und der Girlies.

Der „Athleisure“-Trend tut sein Übriges

Die Radlerhose passt darüber hinaus bestens zum „Athleisure“-Trend. Dieser „Athletische Freizeitlook“ ist einer der wichtigsten Trends der vergangenen Jahre. Sportkleidung, die Funktionalität, Komfort und gutes Design vereint, ist laut des US-Marktforschungsunternehmens NPD Group eines der wachstumsstärksten Segmente in der Bekleidungsindustrie. Athleisure ist ein Synonym für das Phänomen, dass Sneaker, Jogginghosen, Yoga-Pants und atmungsaktive Tops längst nicht mehr nur zum Joggen, im Fitnessstudio oder im Pilates-Kurs getragen werden. Sportliche Outfits prägen unsere Alltagskleidung – ob im Job, beim Restaurantbesuch oder beim Stadtbummel. Irgendwie logisch, dass nun auch die Radlerhose ins Spiel kommt.




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