Das in der dritten Generation geführte Einrichtungshaus Firnhaber hat schwere Zeiten hinter sich. Im Sommer 2016 wird das Familienunternehmen seinen Betrieb im Stuttgarter Osten einstellen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Stuttgart - Das renommierte Einrichtungshaus Firnhaber in der Talstraße im Osten der Stadt wird Mitte 2016 geschlossen. Das Unternehmen mit einer Ausstellungsfläche von rund 4000 Quadratmetern ist nach eigenen Angaben Deutschlands größter Einrichtungsspezialist in Sachen Naturmöbel. Es wird seit 1924 in der dritten Familiengeneration geführt und hat alle bekannten Massivholz-Anbieter in seinem Angebot.

„Wir beenden unsere Geschäftstätigkeit aus privaten und persönlichen Gründen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter, Frank Firnhaber, gegenüber der StZ. Dieser schwere Schritt sei wohlüberlegt erfolgt. Er habe sich aber als Familienvater mit zwei kleinen Kindern entscheiden müssen. „Ein Geschäft kann man nicht mit einem persönlichen Einsatz von 80 Prozent, sondern nur von 120 führen.“ Deshalb habe er sich für eine Zukunft mit mehr Zeit für seine Familie entschieden.

Positive Reaktionen aus der Branche für die Mitarbeiter

Das hat Firnhaber bereits Ende Juli auch seinen 18 Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung erklärt. „Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, das alle eine neue Beschäftigung finden“, betont der 47 Jahre alte Geschäftsführer. Es gebe bereits positive Reaktionen aus der Branche, in der er sehr gut vernetzt sei. „Gute Möbelberater und Monteure sind gesucht“, so Firnhaber. Dennoch solle allen geholfen werden, von Mitte des nächsten Jahres an möglichst nahtlos eine neue Beschäftigung zu finden. Für die Belegschaft sei die Schließung überraschend gekommen. Es habe zwar „keinen Jubel“, aber Verständnis für die Beweggründe gegeben.

„Doch zunächst geht der Geschäftsbetrieb bis zum Sommer 2016 ganz normal weiter“, betont Firnhaber. In den Ausstellungsräumen seien alle Messeneuheiten des Jahres 2015 zu sehen. „Unsere Einrichtungsexperten kommen auch nach wie vor zu den Kunden, um diese ganz individuell zu beraten.“ Der eigenständige Raumausstatter Jörg Pfeifle, der bei Firnhaber ein eigenes Studio betreibt, ist von der Schließung nicht betroffen. Pfeifle und sein Team werden vom Sommer 2016 an in Echterdingen für Kunden erreichbar sein.

Die von der Schließung bereits informierten Lieferanten sollen positiv reagiert haben. „Es hat viel Verständnis und Respekt für meinen unerwarteten Schritt gegeben“, erklärt Firnhaber. Einen Verkauf des Einrichtungshauses werde es nicht geben. Man wolle die Geschäftstätigkeit im nächsten Jahr mit guten Angeboten für die Kunden beenden. Wirtschaftliche Gründe für die Schließung gebe es nicht. „Wir füllen die Massivholz-Nische in der Möbelbranche seit Langem gut aus und verdienen Geld“, betont Firnhaber, der sich eine Zukunft als Berater vorstellen kann.

Erstes Geschäftshaus ist 1992 niedergebrannt

Das in der dritten Generation geführte Familienunternehmen hat schwere Zeiten hinter sich. Die Verkaufsräume an der Kronprinzstraße in der City wurden im Juni 1992 bei einem verheerenden Großbrand fast völlig zerstört. Als die ersten Löschfahrzeuge nachts eintrafen, hatten die Flammen bereits auf das Einrichtungshaus übergegriffen. Wenige Minuten später stand der gesamte Gebäudekomplex zwischen Calwer- und Kronprinzstraße in Flammen. Mehr als 100 Feuerwehrleuten gelang es nach Stunden, das von Brandstiftern gelegte Großfeuer zu löschen. Drei Personen wurden leicht verletzt, der Schaden belief sich auf rund 30 Millionen Mark, der Firnhaber-Bau musste später abgebrochen werden.

Trotz des hohen Schadens sprach der damalige Inhaber Fred Firnhaber von „Glück im Unglück“. Denn weder die Flammen noch das Löschwasser hatten die Computer in den Verwaltungsräumen beschädigt. Deshalb konnte das Unternehmen bestehende Aufträge rasch erledigen. Da aber die gesamte Verkaufsausstellung ein Raub der Flammen geworden war, mussten 20 der 50 Mitarbeiter bis auf weiteres bezahlt zu Hause bleiben.

Fünf Monate nach dem verheerenden Brand bezog das alteingesessene Einrichtungshaus die neuen Verkaufsräume an der Talstraße im damals neuen Druckzentrum des Matthaes-Verlages. Die Immobilie war Firnhaber bereits unmittelbar nach dem Großbrand angeboten worden.