Mögliche Amoklauf-Gefahr in Gerlingen Polizei prüft Social-Media-Profile des Schülers

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Der in Gerlingen festgenommene 15-Jährige hat sich auf Facebook und Instagram mit Waffen, Amokläufen und Chemie beschäftigt. Seine Spur im Netz zeigt offen Sympathie für andere Amokläufer.

Der 15-jährige Gerlinger Schüler hat auf Instagram und Facebook sich mit Amokläufen beschäftigt. Foto: dpa
Der 15-jährige Gerlinger Schüler hat auf Instagram und Facebook sich mit Amokläufen beschäftigt. Foto: dpa

Gerlingen - Zwischen Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit schwanken in der beschaulichen Kleinstadt Gerlingen die Reaktionen darüber, dass ein 15-jähriger Gymnasiast Waffen und Chemikalien zu Hause gehortet hat – und über einen Amoklauf am Gerlinger Gymnasium nachgedacht haben soll. Nun untersucht die Polizei das Umfeld des Schülers, der immer noch in der Jugendpsychiatrie untergebracht ist.

Besonderes Augenmerk richten die Ermittler dabei auf die Social-Media-Profile des Schülers. Bis vergangenen Freitag waren sie noch online, inzwischen sind die meisten gesperrt. Bemerkenswert ist, wie intensiv der 15-Jährige sich mit Amokläufen beschäftigt und dies auch öffentlich kundgetan hat. So kennzeichnete er die Columbine-Highschool in den USA als favorisierten Ort und klickte in Zusammenhang mit dem dortigen Amoklauf 1999 auf „Gefällt mir“. Im Bildernetzwerk Deviantart postete er eine Zeichnung eines der beiden Täters der Columbine-Highschool in einer Blutlache. Mit diesen Attentätern, die 13 Menschen getötet und sich dann selbst erschossen hatten, beschäftigte sich der 15-Jährige offenbar immer wieder; möglicherweise hat er sie sogar als Vorbilder betrachtet. Im Blog-Forum Reddit wird auf den Youtube-Kanal „Cannibalwolf“ verwiesen – darin werden Amokläufe wie in Columbine in ästhetisch scheinenden Videos verherrlicht und zelebriert.

Youtube-Videos mit Anleitung zum Bombmebau

Zudem war der Schüler Mitglied einer Youtube-Gruppe, die aus acht Mitgliedern bestand – darin wurde in aller Offenheit kommuniziert, wie man aus einfachen Mitteln eine Propangasbombe basteln oder aus Düngemittel Chemikalien gewinnen kann. Sein Kommentar dazu: „Das ist hier mal eine aktive Gruppe!“

Auf dem Netzwerk Deviantart hat er Bilder gepostet, die Gewalt- und Hassfantasien zeigen. Auf einem Bild schießt ein Jugendlicher wild um sich. Überall ist Blut zu sehen, dazu gibt es Sprüche wie „Hass! Ich bin voll davon! Meine Rache wird furchtbar sein! Töte die Menschheit! Welchen Spaß macht das Leben ohne ein wenig Tod?“

Die Netzaktivitäten des 15-Jährigen werden nun untersucht. „Wir haben die Social-Media-Profile im Visier“, erklärt Peter Widenhorn, der Sprecher des zuständigen Ludwigsburger Polizeipräsidiums. Es geht vor allem um die Aussage des 15-Jährigen, er habe sich schon im Januar von früheren Gedanken an Amokläufe distanziert. Auf dem Instagram-Profil hat er allerdings vier Tage vor dem Amoklauf in München das Bild einer im Gras liegenden Waffe hochgeladen, und dazu geschrieben: „Was gibt es Schöneres als ein wenig Training im Wald.“ Polizeisprecher Widenhorn stellt klar: „Es war eine gefährliche Situation, sonst hätten wir nicht eingegriffen.“ Bis auf weiteres bleibt der Teenager in der Jugendpsychiatrie.

Eines zeigen die Social-Media-Profile und Einträge in Online-Foren auch: Der Schüler beschäftigte sich mit jeglicher Art von Killerspielen und Egoshootern – mit populären Titeln wie „Counterstrike“ oder „Tomb Raider“ ebenso wie mit indizierten Spielen. Zum Beispiel besorgte er sich 2015 eine unzensierte Version von „Postal Fudge Pack“, das als besonders brutal gilt.

Gedanken an Amokläufe waren aktuell

In Gerlingen bemüht man sich derweil um Normalität. „Wir hoffen, dass sich die Lage beruhigt“, erklärt die Beigeordnete Martina Koch-Haßdenteufel. Die Psychologische Beratungsstelle in Ludwigsburg helfe der Schulleitung beim Krisenmanagement. Die Mitschüler des 15-Jährigen sind fassungslos. Ein Gerlinger Jugendgemeinderat, der am Gymnasium Abitur gemacht hat, sagt: „Wir sind schockiert, dass so etwas in der Nähe hätte passieren können.“ Der 15-Jährige sei ruhig und unauffällig gewesen.




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