So könnte es aussehen: Das Atrium vor der Stadtbücherei, rechts (außerhalb des Blickfelds) soll das Bürgeramt seinen Platz finden. Foto: ECE Marketplaces
Sollen Stadtbücherei und Bürgeramt ins Untergeschoss des Leo-Centers ziehen? Darüber herrscht in den Gremien große Uneinigkeit. Nun liegen Karten und Zahlen auf dem Tisch, die endgültige Abstimmung folgt in Kürze.
In Sachen Bürgeramt könnte die Behörde die bisherigen Räumlichkeiten im historischen Fachwerkbau verlassen, die den Ansprüchen längst nicht mehr genügen. Die jetzige Bücherei in der Liststraße könnte zu Klassenzimmern für das benachbarte Johannes-Kepler-Gymnasium (JKG) umfunktioniert werden. Es schien, alles in allem, ein elegantes Projekt zu sein.
Stimmengleichheit und damit Ablehnung im Ausschuss
Ob das wirklich so kommt, ist derzeit unklarer denn je. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss lehnte in seiner jüngsten Sitzung das Vorgehen ab – allerdings mit Stimmengleichheit von sechs zu sechs. Es kann also am 17. Dezember, wenn der gesamte Gemeinderat zu seiner letzten Sitzung des Jahres zusammenkommt und endgültig abstimmt, gefühlt noch alles passieren.
Zunächst: Das Wort „Keller“ benutzt man im Zusammenhang mit dem Projekt bei der Stadtverwaltung nicht. Stattdessen ist vom „Basement“ die Rede. Es ist der englische Begriff für, nun ja, Keller. Wie es im Basement einmal aussehen könnte – oder eben auch nicht –, präsentierten Wirtschaftsförderer Benjamin Schweizer und der neue Leo-Center-Manager Serge Micarelli den Finanzexperten des Gemeinderats ausführlich.
Ein Atrium soll es für die Bücherei geben, abgetrennt davon sollen sich die Arbeitsplätze des Bürgeramtes befinden. Einen Teil der Fläche belegt zudem die Postbank. Die Rede ist außerdem von einem „Untermieter“, in der öffentlichen Präsentation ist eine Müller-Filiale zu sehen.
SPD-Vorsitzender wägt die Argumente ab
Allerdings hielt sich die Begeisterung im Gremium bei einigen in Grenzen. Ottmar Pfitzenmaier, Fraktionsvorsitzender der SPD, warnte etwa vor der Gefahr einer „Aufwärmhalle“. Zudem könnte die Anpassung der Öffnungszeiten der Bücherei an jene des Leo-Centers ein Problem ergeben. Außerdem trat er dem Argument der Stadt entgegen, das Bürgeramt sei ein „Frequenzbringer“ für das Leo-Center. „Also zumindest für das Bürgeramt wollen wir ja überhaupt nicht mehr Frequenz.“ Allerdings sah er auch Vorteile wie die Möglichkeiten für das JKG oder den vergleichsweise günstigen Mietpreis. Die Ablehnung des Projekts sei innerhalb der SPD auch lediglich die „Mehrheitsmeinung“.
Was den Gegnern missfällt: die Stadtverwaltung wäre nach wie vor nicht an einem Ort. So präferieren zum Beispiel sowohl Teile der SPD als auch der CDU und Freien Wähler einen Neubau auf dem Parkplatz am neuen Rathaus. Oberbürgermeister Martin Georg Cohn betonte, dass dies ohnehin das langfristige Ziel sei. Der Mietvertrag mit Center-Eigner ECE würde über zehn Jahre gehen. Die laufenden Kosten – die Ersparnis für neue Module fürs JKG mit eingerechnet – lägen laut Kalkulation bei knapp 90 000 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Bliebe die aktuelle Situation bestehen, würde es die Stadt kalkulatorisch knapp 267 000 Euro pro Jahr kosten.
Für eine mögliche Stadtbibliothek im Leo-Center soll außen offensiv geworben werden. Foto: ECE Marketplaces
Befürworter des Status quo ist zum Beispiel die Werbegemeinschaft „Faszination Altstadt“, die durch einen möglichen Umzug des Bürgeramtes Kundenverlust für die Läden und Gaststätten am Marktplatz fürchtet.
Center-Manager betont: Pläne sind reine Vorstudie
Was den möglichen Umbau der ehemaligen Karstadt-Fläche angeht, antwortet Serge Micarelli auf Nachfrage: „Der Eingangsbereich zur städtischen Nutzung wird entsprechend der Visualisierungen oder ähnlich gestaltet. Ins Auge sticht dabei ein großer „Stadtbibliothek“-Schriftzug. „Wir passen zudem die Fenster und die Zuwegung an.“ Eine genaue Planung gebe es jedoch noch nicht. „Und die Umsetzung hängt natürlich auch von den örtlichen Gegebenheiten, den Möglichkeiten und Platzverhältnissen ab.“ Der Eingangsbereich komme mit barrierefreier Zugangsmöglichkeit. „Wir sprechen aktuell noch von der Vorstudie“, fügt er hinzu. Und vielleicht wird es auch dabei bleiben.
Zu den Umbaukosten gibt es noch keine Angaben – bis mindestens 17. Dezember ist ohnehin alles bloße Theorie. Aber bei einem derart knappen Resultat, und in Anbetracht der Tatsache, dass auch innerhalb der Fraktionen die Meinungen zum Thema höchst unterschiedlich zu sein scheinen, ist noch ein paar Tage Abwarten angesagt.