Mögliches Hochwasser-Risiko Dachteler Fuchs-Trafo muss wegen Anwohner-Veto weichen

Im Sommer 2025 wurde er feierlich eingeweiht – ein halbes Jahr später musste der Dachteler Fuchs-Trafo weichen. Foto: Langner

Der Dachteler Trafo mit dem Fuchs-Graffiti an der Calwer Straße musste wegen Wasserschutzbedenken aus der Anwohnerschaft weichen. Im Netz regt sich Unmut.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Es hat sich „ausgefuchst“ an der Calwer Straße in Dachtel. Dort, wo bis Ende Januar noch eine mit farbenfrohen Fuchs-Graffiti verzierte Umspannstation stand, klaffte zuletzt ein erdbraunes und mit einem Bauzaun abgesperrtes Loch in der Wiesenlandschaft. Wer sich genau umschaut, findet den bunten Betonklotz jetzt ein Stück weiter südlich an einem Hang an der Straße „Hinter der Mühle“.

 

Bei den Bewohnern des Aidlinger Teilorts stieß das Versetzen des Trafos an den Ortsrand erst auf Verwunderung , dann auf einigen Unmut. Schließlich hatte man das aufwendig verzierte Bauwerk erst im Sommer an dem ursprünglichen Standort eingeweiht. Dachtels Ortsvorsteher Ulrich Eisenhardt, Netze-BW-Regionalmanager Kevin Schlund und Aidlingens Bürgermeisterin Helena Österle strahlten damals fürs PR-Bild um die Wette.

Bei den Dachteler „Füchsen“ kam der Fuchs-Trafo gut an

Die Fuchsmotive, die Graffiti-Künstler Reinald Pehla im Auftrag der Netze BW auf den Umspanner gesprüht hatte, kamen im Jahr des Dachteler 750-Jahr-Jubiläums in der Bevölkerung gut an. Schließlich sind die Dachteler ihrem Ortsnecknamen zufolge als „Füchse“ bekannt – weswegen sich dieses Motiv auch als Logo, als Statue am Ortseingang und in allen möglichen weiteren Formen durch das Jubiläumsjahr zog.

Zumindest einem Anwohner war der Fuchs-Trafo aber wohl eher ein Dorn im Auge. Das schreibt jedenfalls der Aidlinger Grünen-Gemeinderat Michael Kelz auf Facebook. In einem Beitrag auf der örtlichen Community-Seite berichtet Kelz, der das Bauwerk nun von seinem eigenen Garten aus sehen könne, von dem Vorgang. „Der Fuchs wurde mit großem Aufwand umgesetzt, weil ein Dachtler sich bezüglich des Standplatzes, den der Ortschaftsrat mit der Gemeindeverwaltung ausgesucht hatte, beim Landkreis beschwert hat“, kommentiert Kelz, der auch im Dachteler Ortschaftsrat sitzt.

Neuer Standort für den Fuchs-Trafo: etwas abseits am Hang an der Straße „Hinter der Mühle“. Foto: Langner

Angeblich habe der besagte Anwohner Bedenken rund um die Themen Hochwasser und Wasserschutzgebiet angemeldet. „Die EnBW hat beim Aufbau versichert, dass es kein Problem mit Hochwasser geben kann“, betont Kelz und fügt hinzu, dass der Trafo auf einem Sockel gestanden habe. Allerdings habe das Stromunternehmen wohl keine Ausnahmegenehmigung beantragt, obwohl dies laut Kelz technisch kein Thema gewesen wäre. Stattdessen habe man lieber der Beschwerde stattgegeben – zumal die Stromleitungen wohl auch noch nicht angeschlossen waren.

Eine Sprecherin der Aidlinger Gemeindeverwaltung bestätigt, dass es einen Hinweis aus der Bürgerschaft gegeben habe und dass die Umspannstation tatsächlich zuvor in einem Bereich mit Hochwasserrisiko gestanden habe. „In enger Abstimmung mit dem Landratsamt sowie der Gemeinde wurde daher beschlossen, die Anlage an einen Standort zu verlegen, der den sicherheitsrelevanten Anforderungen besser entspricht“, erklärt die Sprecherin. Grundsätzlich weist man auf dem Aidlinger Rathaus aber darauf hin, dass die Zuständigkeit bei der zur EnBW gehörigen Netze BW liege. Die Gemeinde agiere hier lediglich als Grundstücksverpächter.

EnBW räumt Versäumnis bei der Planung ein

Magdalena Worst, Pressereferentin Systemkritische Infrastruktur bei der EnBW, räumt die Verantwortung des Unternehmens ein. „Hintergrund ist, dass sich der ursprüngliche Standort im Überschwemmungsgebiet befindet, was bei der Planung nicht ausreichend berücksichtigt wurde“, erklärt sie – und ergänzt, dass das im Rahmen des Jubiläums angebrachte Graffiti ja weiterhin sichtbar sei.

Damit hat sie recht. Allerdings muss man jetzt ein bisschen suchen, wenn man den Fuchs-Trafo sehen möchte – und das sei „schon schade“, findet Thorsten Mieskes, der Vorsitzende des Vereins Dorfgemeinschaft Dachtel, der 2025 das Jubiläumsjahr organisiert hat.

Weitere Themen