Möhringer Bodybuilder Auf den Spuren des „Terminators“

Die Glücksspielparadies Las Vegas als Ort des persönlichen Glücks: Mirco Burger wurde von allen Wertungsrichtern auf den ersten Platz gesetzt. Foto: Archiv privat/cf

Wie einst „Arnie“ Schwarzenegger, so nun auch Mirco Burger: der Möhringer ist „Mister Olympia“ und damit auf dem sportlichen Gipfel seiner Sportart. Dabei schien seine Teilnahme eigentlich schon geplatzt – bis er einen besonderen Anruf erhielt.

Möhringen/Las Vegas - Eine große Karriere als Schauspieler in Hollywood strebt Mirco Burger nicht an. Und auch Gouverneur des Bundesstaats Kalifornien in den USA wird der 45-Jährige in seinem Leben vermutlich nicht mehr werden. Und dennoch gibt es seit wenigen Tagen eine Gemeinsamkeit zwischen dem hauptberuflichen Polizisten aus Möhringen und dem knapp 30 Jahre älteren, wohl berühmtesten Österreicher der Welt, namentlich Arnold Schwarzenegger: Beide dürfen sich ganz offiziell „Mister Olympia“ im Bodybuilding nennen. Der Terminator aus der Steiermark gewann diesen höchsten zu vergebenden Titel der Sportart in den 1970er-Jahren gleich siebenmal. Der Mann von den Fildern, der sich im Rückblick auf seine Kindheit als „damals eher adipöser Teenager ohne Selbstbewusstsein“ bezeichnet, setzte sich nun seinerseits in Las Vegas die Krone auf – in seinem Fall bei den sogenannten Masters, den Senioren, und zwar in der Altersklasse 40 bis 49 Jahre.

 

Bei Burger kommt die Besonderheit dazu, dass er seinen Erfolg im „Natural Bodybuilding“ errungen hat, sprich unter Athleten, die sich strengen Richtlinien unterwerfen. Leistungssteigernde Substanzen zum Muskelaufbau, beispielsweise anabole Steroide, die ansonsten in der Branche keine Seltenheit sind, gelten bei ihnen als absolutes Tabu. Verstöße werden mit langjährigen Sperren bis hin zum Karriereende bestraft. Statt auf Tabletten und Pülverchen setzt Burger laut eigener Aussage auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung und viel Schlaf. „Ich hatte mir vor drei Jahren eine Frist von zehn Jahren gesetzt, um diese wichtigste Auszeichnung zu gewinnen. Dass ich das jetzt schon geschafft habe, ist einfach unglaublich“, sagt der Möhringer, der wegen der Corona-Pandemie seit dem Gewinn des Titels „Mister Universe“ im November 2019 keine Wettkämpfe mehr bestritten hatte. Auf dem Programm stand nur Training. Zuvor, 2018, war Burger auch schon Europa- und Weltmeister.

Erlösender Anruf vom Präsidenten

Mit der konkreten Vorbereitung auf den jetzigen Jahreshöhepunkt hat der Vater einer 15-jährigen Tochter im April begonnen. Geschuftet wurde im zu einem Fitnessstudio umgebauten Keller seines Wohnhauses. Anfang September drohten dann aber alle Erfolgsträume vorzeitig zu platzen. Trotz Covid-19-Impfung erschien es nahezu unmöglich, ein Einreisevisum in die USA zu bekommen. Burger legte eine mehrwöchige Trainingspause ein – bis ihn überraschend ein erlösender Anruf erreichte. „Am 15. Oktober war ich gerade auf dem Heimweg von meinem Arbeitsplatz in Göppingen, als mir der Präsident des Weltverbands am Telefon persönlich grünes Licht gegeben hat“, erinnert sich Burger, der darauf von Neuem durchstartete, sich jedoch gegen die starke Konkurrenz aus den USA wegen der zwischenzeitlich versäumten Einheiten eigentlich als chancenlos betrachtete.

Und dann stand er tatsächlich auf der Bühne des Golden Nugget Hotels in Las Vegas, mitten im größten Glücksspielparadies dieser Welt, um eine halbe Stunde lang der neunköpfigen Jury seinen gestählten 82-Kilogramm-Körper zu präsentieren – und durfte erkennen, dass er mit seiner Skepsis falsch gelegen war. Der Außenseiter aus Germany hinterließ einen derart guten Eindruck, dass ihn am Ende alle neun Wertungsrichter auf ihrem Zettel ganz vorne hatten. „Das hat es in meiner Klasse zuvor noch nie gegeben, auch nicht, dass ich von meinen Konkurrenten einheitlich gesagt bekam, dass mein Sieg absolut verdient ist, weil ich einfach den am besten definierten Körper habe“, erzählt Burger. Auf die nachfolgenden Plätze verwies er den US-Amerikaner Torrance Cooper und den Briten Michael Boyle. Ebenfalls zum ersten Mal gewann damit ein Deutscher den begehrten Lorbeerkranz in dieser Kategorie.

Körperfettanteil unter fünf Prozent

Burgers Körperfettanteil lag am Wettkampftag bei unter fünf Prozent. Bei Otto Normalbürger sind es in seinem Alter um die 25. Eines der Geheimnisse für den Triumph sah Burger in zwei Glücksbringern, die ihm Ehefrau und Tochter mit auf dem Weg gegeben hatten. „Ein Kuscheltier und Herzen, die mir meine beiden Liebsten ausgeschnitten hatten. Die Herzen habe ich auf der Bühne am Körper getragen“, sagt er.

Nach dem Erfolg ging es für den frisch gebackenen Mister Olympia noch für eine Woche zu einem Freund nach Los Angeles, am gestrigen Dienstag war dann wieder Polizeidienst angesagt. „Ich trainiere nebenbei noch mehrere junge Athleten. Ganz aufgeben würde ich meinen Job zugunsten des Bodybuildings aber nicht“, sagt Mirco Burger.

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