Mönsheim Auch der schwarze Ritter wirft den Speer mal daneben

  Foto: Andreas Gorr 15 Bilder
  Foto: Andreas Gorr

Hoch oben auf dem Gelände der Reitschule Popp gibt das Mittelalter wieder ein Gastspiel.

Mönsheim - Zum 13. Mal schon haben Freizeit-Ritter und ihr Gefolge, Handwerker und Händler ihre Zelte und Stände am Grenzbachhof aufgebaut. Sie sind für einige Tage Teil einer Gemeinschaft, die nicht nur miteinander feiert, sondern die mittelalterlichen Reiterspiele mitverfolgt. Diese werden von Monika und Rainer Popp jedes Jahr aufs Neue organisiert, und einige tausend Besucher lassen sich das Spektakel nicht entgehen.

Vor allem die Pferde und ihre Reiter aus der Stallgemeinschaft des Reiterhofs sind es, die die Gäste hinaus ins Grüne locken. Der Turnierplatz, auf dem Rittersleute um Ruhm, Ehre und den Sieg kämpfen, ist sonst der Reitplatz, auf dem die Nachwuchsreiter mit ihren Pferden trainieren.

Platz gibt es reichlich auf den von Wald gesäumten Wiesen. Diese Atmosphäre ist es auch, die manche Teilnehmer immer wieder herkommen lässt, so etwa die Gruppe „Die Getreuen des Keysers“ aus der Pfalz. Für die Mittelalter-Begeisterten ist dies jeweils das erste Lager in der Saison, erzählt Ludger Becker. Dem Rentner mit dem weißen Bart und dem Leinenhemd, der auf seiner Webseite Marktkalendarium viele ähnliche Veranstaltungen auflistet, gefällt es in Mönsheim. Das Lager dauere durch den Feiertag Christi Himmelfahrt vier Tage. Da habe man Zeit, die Ausrüstung zu reparieren und ins Mittelalter einzutauchen. Und die Möbel aufzubauen. Schließlich nächtigt der Anführer der kaiserlichen Truppe, Landgraf Hans vom Erlenwald, als Ritter nicht einfach auf dem Boden, sondern in einem ziemlich bequem aussehenden Steckbett mit vielen Fellen. „Ich schlafe hier oft besser als in meinem Bett zuhause“, sagt seine Frau schmunzelnd.

Aus Wiernsheim und aus dem Odenwald

Die Marktbeschicker kommen von Nah und Fern, etwa die Goldschmiedin Martina Maiß mit ihrer Schmuckkollektion aus dem benachbarten Wiernsheim, aber auch Hans und Ingrid Wagner aus dem Odenwald mit einer Auswahl von 180 Gewürzen. Corinna Frank aus Friolzheim hat einen von 15 Marktständen. Sie bietet nicht nur bunte Schafwolle an, sie färbt sie auch selbst – orangerot, etwa. „Das geht mit der Krapp-Wurzel“, erzählt die Berufsschullehrerin. Früher sei die Pflanze bei uns verbreitet gewesen, heute müsse sie die Wurzeln im Ausland bestellen. Die Arbeit am Feuer verlangt bei der ohnehin herrschenden Hitze einiges ab von der jungen Frau.

Währenddessen sitzt Gerhard Fahl im Schatten vor seinem Zelt und knüpft an einem Korbgeflecht für einen Stuhl. Seit zehn Jahren schon ist der Techniker, der im Hauptberuf Spielautomaten repariert, auf Märkten unterwegs. Das Ausbessern von geflochtenen Stuhlsitzen ist eine aufwendige Arbeit, für die sich der Autodidakt aus dem Saarland Zeit nimmt. Währenddessen arbeitet nebenan seine Frau mit Kindern, die eifrig bunte Körbe aus Peddigrohr basteln. Eine von ihnen ist die achtjährige Mali. „Ich bin ein Marktkind“, sagt sie und strahlt dabei.

Pferde und Ritter begeistern die Kinder

Überhaupt stellen Kinder einen Gutteil der Besucher beim mittelalterlichen Reiterspektakel. Die Kombination von Pferden und Rittern lockt Mädchen und Buben gleichermaßen. Da sind etwa die sechs jungen Frauen, die ganz elegant auf ihren Pferden eine Quadrille reiten – fast möchte man sagen, tanzen. Da ist Janina, die eine Freiheitsdressur zeigt. Sie reitet ohne Sattel und Halfter, hat nur locker eine Leine um den Hals ihres Pferdes gelegt und dirigiert so scheinbar mühelos das Tier.

Und dann natürlich das große Turnier mit König Martinus von Weißenstein alias Martin Knapp, der immer wieder die bösen Mächte zu Pferde besiegt. Diesmal hat er es nicht nur mit dem schwarzen Ritter und dem Piraten Le Moyne zu tun, sondern auch mit einer schwarzen Hexe. Die Truppen messen sich beim Ringstechen und Speerwerfen, bei letzterem wirft auch der eindrucksvolle schwarze Ritter auf seinem großen Pferd schon mal daneben. Und als der Staub in der langsam untergehenden Sonne schon dicht über dem Platz steht, siegt natürlich wie immer – das Gute.

Monika Popp hat die Fäden in der Hand

Damit auf dem Turnierplatz alles klappt, moderiert der Herold des Königs, bürgerlich Rainer Hopfgarten, die Schau. Eigentlich aber hält Monika Popp in ihrem Regiehäuschen am Rande des Platzes die Fäden in der Hand. Verschwitzt kommt sie nach der Vorführung heraus. „Wir schreiben die Geschichte von König Martinus immer weiter fort und bringen jedes Jahr neue Elemente hinein“, erzählt sie. Die Reiterschule und die Stallgemeinschaft organisieren dieses Fest aus eigener Kraft.

Um einen neuen Akzent neben das Mittelalter-Spektakel zu setzen, gibt es seit zwei Jahren – jeweils Mitte September – auch ein Western-Fest auf dem Reiterhof. Die Struktur der Veranstaltung sei ähnlich, so Monika Popp, aber das Ambiente werde von Cowboys und Indianern bestimmt. Die kleinen Besucher kämpfen dann nicht mit Schwert und Schild, sondern mit Pistole, Pfeil und Bogen. Der Kampf von Gut gegen Böse wird aber sicher auch im Wilden Westen über Mönsheim wieder zu Pferde ausgetragen.




Unsere Empfehlung für Sie