Mönsheim Wie viel Kaffeehaus verträgt die Ortsmitte?

Von Hans Jörg Ernst 

Eine Gruppe Ehrenamtlicher möchte im „Alten Rathaus“ ein Café betreiben. Die Gemeinde plant dafür den professionellen Umbau des denkmalgeschützten Hauses.

Das Alte Rathaus verbindet die Straße mit dem Marktplatz. Foto: Ernst
Das Alte Rathaus verbindet die Straße mit dem Marktplatz. Foto: Ernst

Mönsheim - Gemütlich am fair gehandelten Cappuccino nippen und ein Stück heimischen Apfelkuchen im Schatten der Dorfkirche genießen. Im Blick die Alte Kelter und den modern gestalteten Marktplatz – das könnte im historischen „Alten Rathaus“ in Mönsheims Mitte bald schon Realität sein. Der Gemeinderat hat am Donnerstag nach kontroverser Diskussion, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, den Stuttgarter Architekten Günther Patzner mit den Planungen für die Komplettsanierung des seit Jahren brach liegenden denkmalgeschützten Gebäudes beauftragt.

Seit dem Neubau des modernen Rathauses vor vier Jahren befindet das alte Fachwerkgebäude von etwa 1850 im Dornröschenschlaf. Dabei soll der Architekt ins Erdgeschoss eine professionelle Gastronomie zeichnen, mit der Nutzung als Café. Das Obergeschoss könnte die Sanitärbereiche des Betriebs aufnehmen oder zu Wohnzwecken umgebaut werden. Eine Gruppe Ehrenamtlicher will den Kaffeehausbetrieb unter Trägerschaft und auf Rechnung der Gemeinde führen. Und genau dieser Punkt lieferte den Stoff für teils leidenschaftliche Wortmeldungen der Mönsheimer Gemeinderäte.

Der Architekt Günther Patzner begleitet die Planungen

Dabei hatten diese sich doch erst am 15. April zur Klausurtagung zurückgezogen, um über das weitere Schicksal des „Alten Rathauses“ in Zusammenhang mit der kompletten Umgestaltung des Marktplatzareals (wir berichteten) zu beraten. Mit dabei, der Architekt Günther Patzner, der das Gesicht der neuen Mönsheimer Mitte planen soll und bereits ein Konzept für den Neubau des Nachbargebäudes (Pforzheimer Straße 3 und 5) mit Parken in einer Tiefgarage und mit Wohn- und Gewerbeflächen vorgelegt hatte.

Zudem habe bei der Tagung eine Gruppe ihr Konzept vorgestellt, die im „Alten Rathaus“ einen Kaffeebetrieb ehrenamtlich führen wolle, berichtete der Bürgermeister Thomas Fritsch. Zunächst solle das Café an zwei Wochentagen und am ersten Sonntag im Monat geöffnet haben, so Fritsch. Wer die ehrenamtlichen Kaffehausbetreiber sind, wurde nicht bekannt. Es solle sich um eine Gruppe Damen handeln. Im Erdgeschoss sollen gemütliche Gasträume entstehen, die auch Raum für private Feiern bieten können. Dazu muss das Gebäude nach den gaststättenrechtlichen Vorgaben umgebaut werden. Und das könnte teuer werden. „Der größte Kostenpunkt wird die bauphysikalische Sanierung des Gesamtgebäudes mit der Fassade, den Böden und Fenstern werden und die brauchen wir, egal welche Nutzung das Haus nachher hat“, merkte Bürgermeister Fritsch an.

Alle sind dafür, das Rathaus komplett zu sanieren

Vorangegangen war ein emotional aufgeladenes Plädoyer von Joachim Baumgärtner (Bürgerliste). „Grundsätzlich muss man doch das Projekt Café unterstützen. Wir schaffen hier Leben am Marktplatz“, sagte er ob des unerwarteten Gegenwinds im Rat für den Kaffehausbetrieb. Einig waren sich die Räte nur noch darin, bei einer Investitionsentscheidung das Rathaus komplett zu sanieren. „Wir brauchen hier im Ort Wohnraum und wir sollten in erster Linie das Rathaus für Wohnraum sanieren und zweitrangig die Kaffeehausnutzung betreiben“, argumentierte beispielsweise Norman Freiherr von Gaisberg-Schöckingen (Freie Wähler). Und Hans Kuhnle (Bürgerliste) sagte: „Wohnen ist heiß begehrt in Mönsheim“ und plädierte für ein bis zwei Wohnungen im Obergeschoss. Die Räume im Erdgeschoss müsse man flexibel nutzen können, sollte das lobenswerte Engagement der Frauengruppe einmal zum Erliegen kommen, so Kuhnle weiter. Und Stefanie Haindl (Freie Wähler) forderte: „Wir sollten nicht unbegrenzt investieren.“

Da beruhigte der Bürgermeister: Der Gemeinderat habe das Heft in der Hand, entscheide erst nach Vorlage der Architektenpläne und die würden in einer der kommenden Sitzungen vorgestellt, so Fritsch. Zudem werden Fördermittel geprüft. Man kann also gespannt sein.