Mönsheim Zwölf Jahre wächst die Tanne zum Christbaum heran

Von Brunhilde Arnold 

Rund um Mönsheim wachsen die Weihnachtsbäume von Roland Schäuffele.

Die Christbäume pflanzt und zieht Roland Schäuffele (rechts) selbst. Foto: Andreas Gorr
Die Christbäume pflanzt und zieht Roland Schäuffele (rechts) selbst. Foto: Andreas Gorr

Mönsheim - Es regnet und das Thermometer zeigt milde zehn Grad. Roland Schäuffele ist gut gelaunt. Der Weihnachtsbaumverkauf hat begonnen. Bis Mittag sind rund ein Dutzend Käufer zu ihm auf die Plantage oberhalb von Mönsheim, in Sichtweite des Golfclubs, gekommen. Nicht jeder nimmt den Baum seiner Wahl gleich mit, sondern reserviert ihn nur, so wie Britta Balogh und Raphael Raith aus Renningen. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter haben sie das umfangreiche Angebot gesichtet und sich schließlich für ein Prachtexemplar von Nordmanntanne entschieden. Ein rotes Band symbolisiert: Der Baum ist vergeben. Sie holen ihn erst kurz vor dem Fest, damit er möglichst frisch ist.

Die Familie von Roland Schäuffele verkauft schon seit mehr als fünfzig Jahren in der Weihnachtszeit Tannenbäume. Früher habe es der Onkel gemacht, erzählt der 68-Jährige, heute bewirtschaftet er, quasi als Hobby, die über sechs Hektar Fläche, auf der geschätzt rund 40 000 Bäume stehen. Doch diese Zahl besage nicht viel, denn man müsse immer schauen, welcher der Setzlinge sich tatsächlich zu einem stolzen Christbaum auswächst. Ein paar Hundert muss er jedes Jahr kaufen. Doch da sind zum einen die Rehe, die gern an den Jungpflanzen knabbern. Roland Schäuffele hat zwar seine Flächen eingezäunt, doch „die hüpfen trotzdem einfach drüber“, erzählt er. Und da ist auch die schlechte Bodenqualität – rings um Mönsheim gibt es Muschelkalk. Auf diesem wachsen die Bäume relativ langsam.

Hitze und Trockenheit

Viele Supermarktbäume würden mit Stickstoff gedüngt, seine aber nicht, sagt er. Schäuffele sorgt dafür, dass die jungen Bäume nicht vom Gras erdrückt werden, indem er die Flächen zwischen den Baumreihen ein bis zweimal im Jahr mäht. Und dann ist da noch das Wetter. Hitze und Trockenheit in diesem Jahr haben ihn bis jetzt schon etliche Bäume gekostet, die er fällen musste.

Welchen Nadelbaum bevorzugen denn die Kunden? Eindeutig die Nordmanntanne, sagt er. Die baut er deshalb auch zu 99 Prozent an. Der Geschmack der Menschen habe sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ganz früher sei die Fichte der gängige Christbaum gewesen, wobei sich Leute mit mehr Geld eine Weißtanne gekauft haben. Später seien Kiefer und Schwarzkiefer beliebt gewesen. Und dann kam die Blaufichte. Die sei eigentlich eine ganz gute Sache, sagt Roland Schäuffele augenzwinkernd, denn die stupft nämlich. „Da sind die Kinder und Hunde vom Baum weggeblieben.“ Und nun eben die Nordmanntannen, die ursprünglich aus Dänemark kommen. Allerdings brauchen sie mehr Wasser, was dieses Jahr ein Problem war.

Welcher Baum darf mit nach Hause?

Eine Familie mit drei Kindern hat sich nach einiger Suche für einen Baum entschieden. Das große Angebot erschwert die Auswahl und jeder der Fünf hat eine eigene Vorstellung vom idealen Weihnachtsbaum. Roland Schäuffele, der bis zur Rente in einem großen Industriebetrieb gearbeitet hat, kommt mit seiner Messlatte. Der Preis richtet sich nach der Höhe. Ein zwei Meter großer Baum, der etwa zwölf Jahre zum Wachsen gebraucht hat, kostet 48 Euro. Die Preise seien wegen der Wetterverluste etwas höher als im vergangenen Jahr. Die Familie lässt sich das gute Stück in ein Netz stecken und geht zum Stand mit den vielen Honigprodukten, den Schäuffeles Frau Christine betreibt. „Der Christbaumkauf ist für viele ein richtiges Familienevent“, freut er sich.

So richtig Andrang herrscht auf der Plantage meistens am dritten Advent, erzählt er. Das ist für die meisten Menschen der ideale Zeitpunkt, an dem sie sich ihren Baum holen. Und der sei dann auf jeden Fall an Weihnachten auch noch frisch. „Wenn man den Baum gut behandelt, kann man den zwei, drei Monate stehen lassen“, versichert Schäuffele. Eine ältere Tanne verliert zuerst ihre Farbe, sie wird gräulich, erst später beginne sie dann zu nadeln. „Stellen Sie Ihren Baum gleich in einen Ständer mit Wasser“ empfiehlt er. Das sei vor allem in den modernen Wohnungen mit Fußbodenheizung sehr wichtig. Manche Leute würden auch noch etwas Glyzerin oder Spülmittel ins Wasser tun. Das binde die Feuchtigkeit. So kann der Christbaum in seinem grünen Nadelkleid mit Kerzen und Schmuck zum Fest um die Wette glänzen. Weihnachtlich duftet er auf jeden Fall besser.