Moltke-Areal in Stuttgart-West Aus dem Unterstand wird nichts

Von Petra Mostbacher-Dix 

Auf dem Moltkeareal wollte die Mobile Jugendarbeit Stuttgart-West mit Jugendlichen einen Unterstand errichten. Dem stimmte der Bezirksbeirat West zu – der Eigentümer, das Schulverwaltungsamt, lehnte das Vorhaben aber ab.

Der Treffpunkt der Jugendlichen bleibt, wie er ist. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Der Treffpunkt der Jugendlichen bleibt, wie er ist. Foto: Petra Mostbacher-Dix

S-West - Aus den Zeilen spricht „ausdrücklicher“ Dank, aber auch Enttäuschung. Die Rede ist von einem Brief, den der Vorstand der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart West an den Bezirksbeirat schrieb: „Eine insgesamt vierjährige Planungsphase mit sehr viel Zeiteinsatz hat zwar nicht das Ende gefunden, das wir uns für die Jugendlichen gewünscht hätten. Trotzdem halten wir dieses Projekt und diesen Prozess nicht für gescheitert.“ Die Jugendlichen hätten über diesen langen Zeitraum gelernt, wie Beteiligungsprozesse und politische Diskussionen funktionierten. „Dies ist in einer Zeit, in der vielen Jugendlichen politisches Desinteresse vorgeworfen wird, aus unserer Sicht sehr wertvoll“, so der Vorstand der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart West.

Zunächst konträr diskutiert

Anlass war ein Unterstand für Jugendliche über einer Bank am Moltkeareal, die sich zwischen Jugendhaus, Hasenbergschule und Sporthalle befindet. Im März 2017 hatte der Bezirksbeirat die Mobile Jugendarbeit beauftragt, diesen dort probehalber für ein Jahr zu errichten. Ein Entschluss, der zunächst konträr diskutiert wurde, dann einstimmig mit einer Enthaltung gefasst wurde. Vorbehalt: Der Eigentümer des Platzes, das Schulverwaltungsamt, musste zustimmen. Das fand nicht statt: Die Hasenbergschule war gegen den Unterstand. Daran änderte auch ein Gespräch zwischen Schulverwaltungsamt, Schulleitung Hasenbergschule und Evangelischer Gesellschaft nichts.

„Verständlich, dass sich das Schulverwaltungsamt nicht gegen einen seiner Schulen stellen wollte“, so Klausjürgen Mauch Bereichsleiter Jugendsozialarbeit der Evangelischen Gesellschaft (Eva). Dass die Jugendlichen reagierten, als ob sie die Absage fast erwartet hätten, habe weh getan. Die Stadt fördere doch Beteiligungskonzepte für Kinder und Jugendliche – und dieses Projekt sei ein Paradebeispiel für einen demokratischen Prozess gewesen. Man arbeite weiter mit den Jugendlichen – mit oder ohne Unterstand. „Wir versuchen Frust zu vermeiden. Schon seit Generationen treffen sich die Jugendlichen dort, es ist ihr angestammter Treffpunkt“, so Mauch. „Daran wird sich nichts ändern.“ Mit einem Unterstand hätte man die Jugendlichen eine Chance gegeben und sie besser erreichen können. „Das weckt Verantwortungsgefühl.“

Nicht unproblematisches Verhalten

Das sahen manche Beteiligten anders. Laut Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle ist das Projekt erst einmal vom Tisch. Er betont, dass es sich um junge Leute handele, deren Verhalten nicht unproblematisch sei: „Da wird Dreck hinterlassen und auch Cannabis konsumiert oder gar verkauft.“ Manche befürchteten wohl, dass sich durch den Unterstand die Situation verstetige.

Die bestätigt Schulleiterin der Hasenbergschule, Marlies Friesch. Indes lobt sie die Mobile Jugendarbeit. „Eine sehr wichtige Arbeit, die weitergeführt werden muss.“ Doch nicht an diesem Ort: Sie würde sie sich wünschen, das dies anderswo im Moltkeareal stattfinde, etwa beim Notausgang der Tiefgarage oder auf der kleinen Wiese an der Sporthalle. Diese nutzen insgesamt sieben Schulen, zudem die Kindergartenkinder. Und vor allem die jene, die nachmittags die dort Sport trieben, fühlten sich stark von den jungen Erwachsenen belästigt. „Das Hölderlingymnasium hat für seine Fünftklässler nun eine neue Sporthalle gesucht und gefunden.“

Klausjürgen Mauch kann zwar verstehen, dass die Gegner eine Negativspirale befürchteten, betont aber, dass die Mobile Jugendarbeit mit bereits umgesetzten Unterständen gute Erfahrungen mache. „Für den ‚Überdachten Jugendtreffpunkt Raitelsberger Plätzle’ haben wir sogar den Präventionspreis der Stadt erhalten. Auch im Moltkeareal ist für uns ein friedliches Miteinander das Wichtigste.“




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