Die Ausstellung der eigenen Werke erträumen sich viele Künstler als ein beflügelndes Bad im Beifall. Das im Atelier in mühevoller Arbeit entstandene Schaffen soll gelobt, gepriesen und bewundert werden – und im Idealfall auf so viel Anklang stoßen, dass Bilder, Skizzen und Skulpturen auch einen großzügigen Käufer finden.
In der Realität allerdings stellt die Präsentation von Kunst oft genug ein Draufleg-Geschäft dar. Ins Geld gehen nicht nur Pinsel, Farbe und Leinwand, auch die Rahmung und der Transport sind mit Aufwand und Kosten verbunden. Und hängen die Gemälde endlich effektvoll beleuchtet vor der weißen Wand, erwartet das Premieren-Publikum bei der Vernissage nicht nur eine kompetente Einführungsrede, sondern auch Sekt, Musik und Häppchen. Oft gilt: Außer Spesen nichts gewesen – wer Kunst macht, muss finanziell mit einer gewissen Leidensfähigkeit ausgestattet sein.
„So eine Ausstellung kostet wahnsinnig viel“, gesteht die Malerin Mona Rühle. Konkrete Zahlen nennt die Frau, die in Waiblingen lebt, in Weinstadt arbeitet und ihre Werke in den nächsten vier Wochen in Fellbach präsentiert, zwar nicht. Doch von deutlich vierstelligen Beträgen dürfen Kunstfreunde schon ausgehen, wenn es darum geht, dass kreative Köpfe das eigene Schaffen auch ans geneigte Publikum bringen wollen.
Unübliches Refinanzierungsmodell
Auch deshalb will Mona Rühle das ungeschriebene Gesetz, den Kunstgenuss vor allem aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen, jetzt brechen. Für ihre bis Mitte Februar laufende Ausstellung im Fellbacher Kunst-Werk hat sich die weit gereiste Malerin, 1965 in Landau in der Pfalz geboren und zwischen Wald und Weinbergen aufgewachsen, ein noch weitgehend unübliches Refinanzierungsmodell überlegt.
Zwar ist der Eintritt zur Vernissage in der Schorndorfer Straße 33 an diesem Freitag um 19 Uhr nach wie vor frei, auch für die an den Wochenenden von 14 bis 18 Uhr möglichen Ausstellungsbesuche wird kein Geld verlangt. Doch bei den Preisen für die im Rahmenprogramm laufenden Events zeigt die gelernte Immobilienmaklerin, dass einem die Kunst auch etwas wert sein muss.
Geplant sind zwei ungewöhnlich untermalte Workshops, bei denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zu Pinsel und Farbe greifen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen sollen. „Meine Vision ist, Kunst aus der reinen Betrachtung in eine erlebbare Erfahrung zu verwandeln“, sagt Mona Rühle über ihren Ansatz. Mit bis zu 20 Gästen soll es am 8. Februar ein Event geben, bei dem Yoga und Malerei ein Erlebnis für Körper, Geist und Seele schaffen – unterstützt von Claire Ravat und ihrer Hand-Pan.
95 Euro pro Person wird die Teilnahme am „Fluid-Art“-Event kosten – wobei die zeitweise in Dubai und Kuwait lebende Künstlerin schon auch darauf hinweist, dass es in den knapp fünf Stunden um die besondere Atmosphäre geht und nicht um den Verdienst. Bei einer Kunstaktion auf einer Berghütte und bei einem Event auf Mallorca hat Mona Rühle ein derartiges Format bereits erfolgreich veranstaltet. Die zweite Idee fürs Fellbacher Rahmenprogramm allerdings ist auch für sie eine Premiere: Am 19. Februar, einem Mittwochabend, soll es von 18 Uhr an neben intuitivem Farbfluss im Aquarell auch elektrisierende Beats aufs Ohr geben. Als Discjockey fürs After-Work-Event ist Alex Wolf gebucht, unter den Partygängern der Region durchaus ein Begriff. 95 Euro sind auch hier der Tarif für den Kunstgenuss – ein Welcome-Drink ist im Preis inbegriffen.
Ein Welcome-Drink ist inbegriffen
Ob Tanz und Wasserfarbmalerei einen Run auf die Tickets auslösen, muss sich erst noch zeigen. Mona Rühle, vor fünf Jahren in den Rems-Murr-Kreis gezogen, ist jedenfalls zuzutrauen, dass sich ihre Begeisterung für die Kunst aufs Publikum überträgt. Der Mut, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, ist der Naturliebhaberin, die nach einer Ausbildung zur technischen Zeichnerin nicht nur ein Studium der Innenarchitektur, sondern auch das Diplom als Immobilienwirtin absolviert hat, nicht abzusprechen. 1996 heuerte sie für eine einjährige Reise vom Mittelmeer bis zur Karibik auf einer renommierten Segeljacht an. Nach der Rückkehr eröffnete sie ein eigenes Atelier im Fernmeldeturm von Waldenbuch, sie heiratete und bekam zwei Töchter. 2006 zog die Familie nach Dubai, fünf Jahre später weiter nach Kuwait – und 2020 dann wie erwähnt nach Waiblingen. Die Reiseerfahrung findet sich in den Arbeiten wieder, etwa in orientalisch anmutenden Details. Ansonsten steht Mona Rühle für ein Faible für Materialmix – von Blattgold bis Bitumen ist bei der gebürtigen Pfälzerin alles dabei.