Mondäner Neubau am Rande der Altstadt Endlich: Leonberg hat eine neue Sparkassen-Direktion

Das Erdgeschoss mit der großzügigen Empfangshalle. Foto: Simon Granville

Die Kreissparkasse eröffnet ihren neuen Hauptsitz für den Leonberger Raum. Über das architektonisch anspruchsvolle Projekt für 60 Millionen Euro wurde lange kontrovers diskutiert. Das benachbarte Wohnquartier ist auch bald fertig.

Es sei ein glücklicher Fall, dass hier etwas entstehen konnte, das nicht nur eine räumliche Zweckerfüllung sei. Mit diesen Worten richtet sich Christof Teige vom Stuttgarter Architekturbüro Auer und Weber an die etwa hundert Gäste, die zur Eröffnung des imposanten Neubaus der Leonberger Kreissparkassen-Direktion an der Ecke Grabenstraße/Stuttgarter Straße gekommen sind. Darunter der Landrat Roland Bernhard, der Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn, Baubürgermeister Klaus Brenner sowie die Kreissparkassen-Vorstände Michael Fritz, Oliver Braun und Markus Linha. „Und ich spreche damit für alle, die an diesem Projekt beteiligt waren“, betont Teige. Der Architekt zitiert bei seiner Führung durch das neue Gebäude gerne einen Schweizer Kollegen, der einmal gesagt hatte: „Architektur muss sich gut anfühlen, ohne groß zu erklären.“ Und das sei allen, die an dem Bau mitgewirkt hätten, gelungen.

 

Schlicht, einfach und zeitlos gehalten

Über einen großzügigen Vorplatz an der Sonnenkreuzung führt der Weg zum Haupteingang. Von hier eröffnet sich ein offenes, in hellen Tönen gehaltenes Haus, das nach den aktuellen Ansprüchen energetisch optimiert wurde. „Wir haben alles schlicht, einfach und zeitlos gehalten und beschränkten uns auf wenige Materialien“, erklärt Christof Teige das architektonische Konzept. Seine mondäne Eleganz ist dem Gebäude aber kaum abzusprechen.

Die obligatorische „Schlüsselübergabe“. Foto: Simon Granville

Im großzügigen Erdgeschoss befindet sich das Beratungs-Center mit allen Filialleistungen. Auf gleicher Ebene wurde mit dem S-Forum ein Veranstaltungsbereich geschaffen, der auch außerhalb der Geschäftszeiten ein Ort des Austausches und der Vorträge sein soll. Über eine breite weiße Freitreppe führt der Architekt in das erste Obergeschoss auf die Beratungsebene. Die Büros geben den Blick auf die Altstadt frei und sind nach Leonberger Sehenswürdigkeiten benannt: Schloss Leonberg, Altes Rathaus, Pomeranzengarten oder Engelbergturm. Im zweiten und dritten Obergeschoss sind die Bereiche mit ihren jeweiligen Spezialisten wie Private Banking mit Vermögensanlage, das Firmenkunden- oder Immobilien-Center angesiedelt. Auch Makler und Versicherungsexperten werden hier tätig sein. Die Büros sind ringförmig um ein Atrium angeordnet. Das vierte Obergeschoss gewährt eine beeindruckende Aussicht über die Dächer von Leonberg. Dieses Büro ist bereits extern vermietet.

„Heute eröffnen wir nicht nur ein neues Gebäude, sondern setzen auch ein starkes Zeichen für unsere Kreissparkasse und die Region“, sagt der Vorstandschef Michael Fritz bei seiner Begrüßung. Mit dieser Investition bekräftige die Sparkasse, dass sie den Menschen vor Ort auch in Zukunft persönlichen Service und hochwertige persönliche Beratung bieten wolle. Dazu zähle auch die neue Filiale in der Römerstraße, die kürzlich eröffnet wurde.

Das Institut verstehe sich aber nicht nur als Finanzpartner in der Region, sondern möchte gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Und so entsteht auf dem Gelände neben dem modernen Bürokomplex ein Quartier mit 71 Wohnungen – darunter 22 im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Ab dem dritten Quartal werden dort die Mieter ihre Wohnungen, die Eigentum der Kreissparkasse blieben, beziehen können. Insgesamt investiert die Sparkasse rund 60 Millionen Euro in das Projekt.

Steiniger Weg von der erste Idee bis zum Spatenstich

Michael Fritz richtet auch dankende Worte an die anwesenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und Baubürgermeister Klaus Brenner. „In einem anspruchsvollen Fahrwasser haben Sie immer das Projekt unterstützt.“ Weiter möchte er auf den steinigen Weg von der ersten Idee bis zum Spatenstich gar nicht eingehen. Nicht bei allen kam die Dimension des Projektes gut an, die Anwohner in der nahen Burghalde, einem bevorzugten Wohngebiet in Halbhöhenlage, fürchteten um ihre Aussicht.

Heftige politische Diskussionen wurden entfacht, im Januar 2020 lehnte der Leonberger Planungsausschuss das Projekt mit hauchdünner Mehrheit ab. Der damalige Kreissparkassen-Vorstandschef Detlef Schmidt ließ das Projekt daraufhin verärgert platzen. Dann erklärte der Gemeinderat die Abstimmung des Ausschusses für ungültig, weil ein Mitglied als Anwohner befangen gewesen sei. Nach Krisengesprächen, erbitterten Auseinandersetzungen und schließlich der Zusage der Sparkasse, das fünfte Geschoss im Wohnhaus zurückzusetzen, gab der Gemeinderat im Februar 2020 grünes Licht.

Und so kann der Oberbürgermeister an diesem Donnerstag die städtebauliche Bedeutung der neuen Kreissparkassen-Direktion und des Wohnquartiers für die Stadt Leonberg hervorheben. „Dieses Projekt ist nicht nur ein Bekenntnis zu den Menschen, sondern ist für den Wirtschaftsstandort ein positiver Gewinn. Und es bringt auch für den Einzelhandel neue Impulse.“

Die neue KSK-Direktion in Leonberg

Zeitplan
Der Architekten-Siegerentwurf wird im Oktober 2020 vorgestellt.2021 wird das ursprüngliche Gebäude abgerissen. Baugenehmigung wird im November 2022 erteilt, die Aushubarbeiten starten. Im April 2024 wird Richtfest gefeiert.

Eröffnung
Für die Kundinnen und Kunden wird die neue Direktion am 16. Mai eröffnet. Bis dahin ziehen die etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schrittweise von den Interimsräumen auf dem Marktplatz in die neuen und modernen Büros ein.

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