Monika Maron Fischer-Verlag trennt sich von widerspenstiger Autorin

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Der S. Fischer Verlag kündigt die Zusammenarbeit mit der so bedeutenden wie politisch umstrittenen Autorin Monika Maron auf. Von einem „Rausschmiss“ ist die Rede.

An den Grenzen zwischen dem Sagbaren und Unsäglichen: Monika Maron Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
An den Grenzen zwischen dem Sagbaren und Unsäglichen: Monika Maron Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Stuttgart - Seit knapp vierzig Jahren erscheinen die Bücher Monika Marons bei S. Fischer in Frankfurt, seit der Verlag der in DDR angefeindeten Autorin mit ihrem Roman „Flugasche“ über die Umweltverschmutzung im Arbeiter- und Bauernstaat Obdach gewährt hat. Mehr als zehn Romane sind inzwischen erschienen, gefeierte wie der zartbittere Liebesroman „Animal triste“, zuletzt zunehmend kontrovers diskutierte, die Diskursgrenzen zwischen Sagbarem und Unsäglichem ausloten.

Im Mittelpunkt des aktuellen Romans „Artur Lanz“ der widerspenstigen Autorin steht ein Mann, der in einem leicht Kohlhaas’schen Gerechtigkeitsfimmel ins Räderwerk dessen gerät, was er Gesinnungsdiktatur nennt. Auch außerhalb des fiktionalen Raums war Monika Maron zuletzt auf der Seite derer zu finden, die verbale Breitseiten gegen Merkels Flüchtlingspolitik feuern, den Islam für eine Bedrohung halten und sich gallig über genderkorrekte Ausdrucksweisen mokieren.

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ hat die 79-Jährige nun bekannt gegeben, dass S. Fischer die Zusammenarbeit mit ihr aufgekündigt habe. Ihr Lektor sei damit beauftragt worden, ihr telefonisch den „Rausschmiss“ aus dem Verlag zu übermitteln, in dem sie sich bisher auch in schwierigen Zeiten immer beheimatet gefühlt habe.

Angekündigter Essayband wird nicht erscheinen

Im Frühjahr war in der „Exil“-Reihe des Dresdner Buchhauses Loschwitz von Susanne Dagen ein Essayband Monika Marons erschienen. Die Buchhändlerin vertreibt ihre Reihe über den Antaios-Verlag des neurechten Götz Kubitschek, der vom Verfassungsschutz wegen „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ beobachtet wird.

Der S.-Fischer-Verlag erklärt, über die Gründe, der Autorin keine neuen Buchverträge anzubieten, habe es in den vergangenen Monaten mit der Autorin einen intensiven Austausch gegeben. Das Frankfurter Haus sieht sich in einer Traditionslinie von Autoren, die vom Nationalsozialismus ins Exil getrieben wurden. „Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios-Verlag kooperiert“, sagt Siv Bublitz, die seit letztem Jahr die Geschicke des Verlags leitet.

Im Programm für das kommende Frühjahr kündigt S. Fischer einen Essayband von Monika Maron an. Auf Anfrage erklärte der Verlag gegenüber unserer Zeitung, man sei bis Montag davon ausgegangen, dass der Essayband anlässlich Monika Marons achtzigstem Geburtstages erscheinen wird. Dies sei ursprünglich auch der Wunsch der Autorin gewesen. „Doch mittlerweile hat sie sich anders entschieden. Der Band ist nun zwar in unserer Frühjahrsvorschau angekündigt, wird jedoch nicht mehr bei uns erscheinen“, sagt die Pressesprecherin, Julia Giordano.




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