Monty-Python-Komiker John Cleese in Mannheim Conférencier des schlechten Geschmacks

Von Thomas Morawitzky 

John Cleese ist das Gesicht der legendären britischen Komikergruppe Monty Python gewesen. Jetzt hat der bald Achtzigjährige in Mannheim bewiesen, dass er immer noch ein Meister des schwarzen Humors ist.

Respektlos wie eh und je, sogar gegenüber dem Tod: der britische Komiker John Cleese Foto: dpa
Respektlos wie eh und je, sogar gegenüber dem Tod: der britische Komiker John Cleese Foto: dpa

Mannheim - Füllig ist er geworden. Der schmale Riese, der mit aufgerissenen Augen durch die Filme von Monty Python stakste, verfügt, seit wenigen Jahren erst, über eine ausladende Leibesmitte. Er trägt außerdem Jackett und Poloshirt. Doch in seinem Gesicht sitzt dasselbe schräg blitzende Lachen von einst. John Cleese betritt am Sonntagabend die Bühne im Mannheimer Rosengarten, einem Veranstaltungsaal, der mit knapp 2000 Besuchern nicht vollständig ausverkauft ist. Die Karten für diesen Abend waren hochpreisig. Eine Legende ist zu Gast.

Cleese war Mitbegründer und markantestes Gesicht der britischen Komiker-Gruppe Monty Python. Er lieh dieses Gesicht zahlreichen Filmfiguren, Werbespots und Kampagnen. Sein kräftig schwarzer, strahlend unverschämter Humor, der freundlich vornehme Ton, in dem er gesellschaftliche Tabus zerpflückte, sind berühmt. John Cleese und Monty Python waren Bilderstürmer, Ikonoklasten.

Am 27. Oktober feiert Cleese nun seinen achtzigsten Geburtstag. „Last time to see me before I die“ – so hat er sein neues Programm genannt. Vom Sterben wird er sprechen, seinen Zuschauern vorrechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie Opfer von Krebs, Herzinfarkt, Autounfall oder Kunstfehler sein werden. „You are going to be murdered by your own doctors!“, sagt er dann, lehnt sich weit zurück auf dem kleinen Hocker, der in Mannheim für ihn bereit steht, lacht kehlig und ein wenig irre. Zunächst jedoch blickt er auf sein Leben, seine Filme. „Last time to see me before I die“ ist, in seiner ersten Hälfte, vor allem dies: ein Referat über Monty Python und den Rest dieses Lebens, mit vielen Filmausschnitten auf großer Leinwand, vielen Anekdoten.

Er erklärt, warum das politisch Korrekte immer blass ist

Noch einmal lacht das Publikum Tränen, als der schwarze Ritter ohne Arme und Beine weiterkämpfen will, als Kevin Kline in „Ein Fisch namens Wanda“ mörderische Jagd auf kleine Hunde macht und John Cleese in „Der Sinn des Lebens“ dem vollgefressenen Restaurantbesucher das letzte Häppchen in den Mund schiebt und ihn so zum Platzen bringt. Cleese begleitet dies mit lockerer, einnehmender Plauderei, ein Conférencier des schlechten Geschmacks. Und er erklärt seinen Zuhörern, weshalb sie gerade über solche Scherze am lautesten lachen, weshalb das politisch Korrekte immer auch das Blasse, Öde ist.

Cleese zeigt aber auch die Grenze. Er unterscheidet zwischen einem Humor, der „teasing“ ist, neckend, geprägt von Freundlichkeit und Understatement, und jenem, der schlicht „naughty“ ist, verletzend und gemein. Und er liefert, für die erste Abteilung, das große Sortiment der Beispiele: Witze, die, oft mit typisch britischen Wortspielen gewürzt, Franzosen, Deutsche, Dänen und Schwarzafrikaner freundlich schlecht aussehen lassen.

Ganz zu Beginn des Abends erklärte John Cleese den Grund seines Besuches in Mannheim, das er für einen fernen Ausläufer Luxemburgs hält: Seine Ex-Frau habe ihn um so viel Geld gebracht, sagte er, dass er zwangsläufig wieder auftreten müsse. Nun entsteht eher schon der Eindruck, Cleese sei ausgezogen, sein Erbe in Zeiten der Political Correctness zu verteidigen und noch einmal feixend auf möglichst viele Zehen zu treten.

Vom liberalen Demokrat zum Fremdenfeind?

Nur: Wo fängt er an, der Witz, wo hört er auf? John Cleese, lange bekannt als liberaler Demokrat, ein Mann, der bissigen Spott über konservative Politiker ausschüttete, den britischen Nationalismus aufs Korn nahm, schlug sich vor Jahren schon auf die Seite der Brexit-Befürworter und machte 2018 von sich reden, als er in einer BBC-Talkshow erklärte, er habe seinen Wohnsitz auf die Bahamas verlegt, weil das multikulturelle London für ihn keine englische Stadt mehr sei. Nicht nur die britische Presse, mit der Cleese sich längst auf den Kriegsfuß stellte, heftete ihm daraufhin das Etikett des Fremdenfeindes an; Terry Gilliam, ein Freund aus Monty-Python-Tagen, äußerte Unverständnis.

John Cleese schaut indes in Mannheim um sich und begrüßt das Ende. Dem Tod will er keinen Respekt erweisen. Vor dreißig Jahren, bei der Trauerfeier seines Monty-Python-Kollegen Graham Chapman, krönte Cleese seine Rede mit einem herzlich ausgerufenen „Fuck!“; später trieben die Pythons ihren Scherz mit Chapmans Asche. Nun zählt er jene auf, die schon gegangen sind, ob Jesus, Chaplin oder Greta Garbo – und jene, die noch leben: Erdogan zum Beispiel, der unvermeidliche Trump. Die Besten sind schon tot, und schlimmer als im Diesseits kann es auf der anderen Seite gar nicht sein – sagt John Cleese und wendet sich lachend ab. Einige Minuten spukt er noch umher, erscheint hier und dort auf der Bühne, winkt kurz und heiter, dann ist er fort. Noch einmal hat man ihn lebend gesehen, in Mannheim.