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„Moony“ von JFR Moon Auf diesem Sommeralbum klingt Stuttgart wie L.A.

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Der Sommer wird heiß und zäh – und der Stuttgarter Musiker JFR Moon hat das Album dazu. „Moony“ ist ein 25 Minuten kurzes Pop-Meisterwerk, das uns klarmacht: Stuttgart ist ein bisschen wie L.A.

Lass uns baden gehen: Ausschnitt aus dem Cover des neuen JFR-Moon-Albums „Moony“ Foto: Lena Göbel
Lass uns baden gehen: Ausschnitt aus dem Cover des neuen JFR-Moon-Albums „Moony“ Foto: Lena Göbel

Stuttgart - Das Video zur Single des neuen JFR-Moon-Videos „Swim“ hat uns, wie sich jetzt zeigt, auf die richtige Fährte geführt. Die gefilmte Hommage an das derzeit wegen Renovierung geschlossene Bad Berg ist der perfekte Einstieg in „Moony“: ein vor sich hinstolperndes Stück Musik, mehr Zustandsbeschreibung als Song, eben ein Gefühl wie der Sommer selbst, irgendwo zwischen Slackerpop (bitte mal diese Liste durchhören) und Soft Rock.

Das Prinzip zieht sich durch die gesamte LP, von der übrigens nur genau 300 Stück gepresst wurden: keine ätzend-schönen Popsongs mehr wie beim Vorgängeralbum, sondern Soundlandschaften von flirrend bis verzerrt und immer wieder mal hübsch über das Ganze gelegte, langgezogene Synthesizersounds à la „Kinky Love“, das in der Pale-Saints-Version der schönste Popsong der Neunzigerjahre ist.

 

Schön auch: das Ganze ist nordbahnhofszenetypisch letztlich eine Gemeinschaftsproduktion. Auf drei Songs trommelt Kevin Kuhn mit (so wie auch bei den Livegigs im Bandformat), weitere Mitwirkende sind die am Cover nur mit Vornamen genannten Levin (goes lightly), Martha (Rose) oder Reini (Buhr). Gemixt hat Thomas Zehnle, gemastert dessen Lehrmeister Ralv Milberg. Erschienen ist das Album wie so viele Stuttgarter Pop-Perlen bei Treibender Teppich Records.

Sind also fast wieder alle versammelt, und das hört man dem herrlich psychedelisch-verwaschenenen Neben-der-Spur-Sound zu hundert Prozent an. In der Nähe des Nordbahnhofs findet Ende Juli auch die Release-Party statt; Facebook weiß wie immer mehr.

Am allerschönsten an dieser Stuttgarter Sommerplatte 2017 ist aber dieses: Wer sie ohne jedes Kontextwissen hört, muss sie eigentlich zwingend irgendwo im Kalifornien der Siebzigerjahre verorten. Und wo das jetzt endlich mal jemand ausgesprochen hat: ist Stuttgart nicht ein wenig wie L.A.?

 

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