Mord in Stuttgart Mutmaßlicher Mörder schweigt beharrlich

Experten des Kriminaltechnischen Institutes betreten das Wohnheim des Klinikums Stuttgart an der Türlenstraße. Foto: dpa/Jason Tschepljakow

Ermittler erhoffen sich von umfangreichen kriminaltechnischen Untersuchungen Hinweise auf die Frage, warum der 39 Jahre alte Beschuldigte Claudius S. aus Schwäbisch Gmünd eine Pflegeschülerin des Klinikums Stuttgart umgebracht haben soll.

Elitepolizisten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) Stuttgart haben am vergangenen Freitagabend gegen 17.55 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd den mutmaßlichen Mörder einer Krankenpflegeschülerin des Klinikums Stuttgart festgenommen. Claudius S. wohnt nur wenige Kilometer vom Ort seiner Festnahme entfernt in einem Vorort der Stauferstadt im Remstal. Ein Haftrichter ordnete am vergangenen Samstag die Untersuchungshaft für den Beschuldigten an. Die Staatsanwaltschaft hatte den Haftbefehl wegen des Verdachts des Mordes beantragt.

 

Für die Polizei ist der mutmaßliche Täter kein Unbekannter. Er ist bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Die Kriminalpolizei ermittelte gegen den 39-Jährigen unter anderem bereits wegen Körperverletzung, Nötigung und schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Ob der Mann wegen dieser Vorwürfe verurteilt wurde oder die Ermittlungen noch andauern, ist bislang unklar. Zunächst hatte die Bild-Zeitung über die Identität des Mannes berichtet.

Nach Recherchen unserer Zeitung unterhält S. in den sozialen Medien zwei Accounts bei Facebook und einen bei Instagram. Alle drei Auftritte sind unauffällig: S. lud lediglich einige Fotos von sich hoch, kommunizierte über die Plattformen aber nicht mit anderen Menschen. Letztmalig aktualisierte er in diesem Juni sein Konto. Von seiner Frau lebt der Vater einer kleinen Tochter offenbar seit einiger Zeit getrennt.

Die Soko „Tür“ besteht nach der Festnahme weiterhin

Vor allem um mehr über das Motiv des mutmaßlichen Mörders zu erfahren, durchsuchten Ermittler der 30 Polizistinnen und Polizisten starken Sonderkommission „Tür“, die zur Aufklärung der Bluttat gebildet wurde, am Wochenende das Einfamilienhaus von S., seinen Arbeitsplatz sowie sein Auto. Der Beschuldigte soll zu den Vorwürfen gegen ihn beharrlich schweigen. Vor allem die umfangreiche kriminaltechnische Auswertung der Durchsuchungen soll deshalb den Kriminalisten Hinweise auf ein mögliches Motiv für den Mord geben. Die Ermittler waren S. wegen seiner sexuellen Vorbeziehung zu der 32-jährigen Krankenpflegeschülerin auf die Spur gekommen. Die Soko besteht auch nach der Festnahme daher weiterhin.

Die junge Frau war am vergangenen Mittwoch, 23. August, tot in ihrem Appartement im elften Stock eines Wohnheims am Klinikum Stuttgart aufgefunden worden, nachdem Kolleginnen und Kollegen das Opfer seit Tagen nicht mehr gesehen hatten. Aufgrund der hohen Temperaturen in der vergangenen Woche setzte der Verwesungsprozess rasch ein und ein süßlicher Leichengeruch drang aus der Wohnung. Nach ersten Erkenntnissen wurde die junge Frau am frühen Montagmorgen, 21. August, ermordet. Schon beim Betreten der Wohnung sei den Beamten klar gewesen, dass sie sich am Tatort eines Gewaltverbrechens befanden, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Polizeipräsidiums. Nur 48 Stunden, nachdem die Leiche der Pflegeschülerin gefunden worden war, wurde ihr mutmaßlicher Mörder festgenommen.

Die Tat kann als Femizid eingeordnet werden

Der Mord an der 32-Jährigen ist ein Femizid. Als solchen bezeichnet man ein Tötungsdelikt, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechtes zum Opfer werden. Sollte es im vorliegenden Falle um eine Zurückweisung des Mannes oder das Beenden eines romantischen Verhältnisses gegangen sein, sprich der Mann deswegen gewalttätig geworden sein, so spricht man von einem Intim-Femizid. Der Begriff soll dafür sensibilisieren. Entstanden ist er in den USA in den 1960er Jahren. Im deutschen Sprachraum wird er inzwischen regelmäßig verwendet. Einige solcher Fälle haben in den zurückliegenden Monaten die Region erschüttert: So wurde im März 2022 eine Frau in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) beim Verlassen ihrer Arbeitsstätte von ihrem getrennt lebenden Ehemann erschossen. Das Besondere an diesem Fall: Der Mann, der sich anschließend auch selbst das Leben nahm, war Polizist und verübte die Tat mit der Dienstwaffe. Die Trennung soll hier eine Rolle gespielt haben. Im Juli 2022 wurde in Bad Cannstatt die Leiche einer Frau in einem Auto liegend in einem Parkhaus gefunden. Die Frau wollte sich von dem Mann scheiden lassen.

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